Wohnreportage

Schön auf dem Teppich bleiben

Otto Drögsler und Jörg Ehrlich, die Designer des Modelabels Odeeh, leben im Gesindetrakt eines Ritterschlosses aus dem 16. Jahrhundert. Wie sie aus dem dunklen Loch ein gemütliches Wohn-Juwel gemacht haben? Wir haben uns einmal umgesehen.

Veröffentlicht am 16.10.2016

Schichtarbeit: Im Wohnzimmer liegen Perser- und antike Berberteppiche, Kelims von Ikea, Schaf- und Kuhfelle neben- und übereinander.


Von Würzburg fährt man kilometerlang ins Unterfränkische hinein, vorbei an Getreidefeldern und Weinbergen und noch mal Getreidefeldern, und wenn man gerade denkt, jetzt kommt garantiert nichts mehr, kommt Giebelstadt. Aktuell 5041 Einwohner, Wohnort von Otto Drögsler und Jörg Ehrlich, den Designern des Modelabels Odeeh.

Alter! Der parkähnliche Garten gab den Ausschlag für den Kauf des Wasserschlösschens. Otto Drögsler ist leidenschaftlicher Gärtner.


Seit 18 Jahren leben sie im Geyerhof, im Gesindetrakt eines Ritterschlosses aus dem 16. Jahrhundert, umgeben von einem parkähnlichen Garten mit majestätischen Kastanienbäumen, Kräuter- und Gemüsegärten und Otto Drögslers Rosenzucht. Gefunden haben sie das Juwel in der Main Post, damals hatten sie gerade als kreative Doppelspitze bei René Lezard im nahen Schwarzach angefangen, eine Mitarbeiterin hatte ihnen die Annonce „Wohnen auf dem Lande, historische Bausubstanz, große Schlossküche“ hingelegt. Die entpuppte sich dann als dunkles Loch und auch sonst war nicht alles optimal in dem 420 Quadratmeter großen Gebäude, aber „die Tatsache, dass man da vorn durch dieses Tor geht und plötzlich in Ruhe gelassen wird“, gab den Ausschlag. Gewölbedecken wurden weiß gestrichen, Türen entfernt, die Wände vom „Pizzeria-Putz“ („na, dieser 70er-Jahre-Effektputz mit den vielen Kuhlen“) befreit. Für die Terrakottafliesen im Erdgeschoss fand man eine unorthodoxe Lösung, diverse Teppiche wurden einfach über– und nebeneinandergelegt.

Herren der Lage: Otto Drögsler (vorn) und Jörg Ehrlich brachten frishen Wind in die Gemäuer des Geyerhofs.


Zu der unbekümmerten Herangehensweise passen auch die Möbel: Designklassiker von Eames, Panton, Wegner neben Trouvaillen vom Trödler, dazu jede Menge Kunst. „Sei nicht so streng mit dir selbst, lass etwas zu – das gilt fürs Wohnen genauso wie für die Mode“, so Jörg Ehrlich. Der Erfolg und die Freunde, die zu Besuch kommen (und viel länger bleiben als geplant), geben ihnen recht.

Galerie-Look: Skizzen, Gemälde und Fotografien (u.a. von Will McBride und Walter Chin), davor Pantons „Bachelor Chair“ (Montana)


Autoren: Christine Mortag und Dennis Braatz
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