Die neue Schönheit

Persönlichkeit statt Perfektion

Frauen brauchen keine langen Haare mehr oder ein ebenes Hautbild, um sich als Frau wohlzufühlen. Persönlichkeit ist wichtiger als Perfektion. Zeit für mehr Vielfalt und weniger Selbstzweifel.

Veröffentlicht am 18.07.2017
Beatrice Fleck.


Heute fühle ich mich wohl in meiner Haut

Sarah-Liv Weyler, 32

Es begann mit ein paar kleinen weißen Flecken in den Armbeugen und am Bauch. Da war ich vier Jahre alt. Welche Ausmaße das annehmen würde, war erst nach der Diagnose klar. Vitiligo ist eine extrem seltene, nicht heilbare Autoimmunerkrankung. Die weißen Flecken spüre ich bis heute nicht körperlich, dafür umso mehr die Blicke der anderen.

Als Teenager war es besonders schlimm – man nannte mich Panda, Milka-Kuh, ich sei hässlich, und genau so fühlte ich mich. Ich versteckte meine Haut unter Make-up und Selbstbräuner. Sogar im Sommer trug ich Pulli und lange Hosen. Als ich dann vor zwei Jahren eine Vitiligo-Selbsthilfegruppe auf Facebook fand, ging es bergauf. Ich nahm an einem Fotoprojekt teil, zeigte mich ohne Make-up und begann, meine Flecken zu akzeptieren. Auch heute gibt es manchmal bad skin days – Tage, an denen ich mich nicht angucken will. Dann sage ich mir: Gleich kann jeder, anders ist kreativer.

Sarah-Liv Weyler.


Sofa, Schokolade, Selbstmitleid?

Verena Prechtl, 30

Ich war schon immer die Dicke, groß und kräftig gebaut. Ob mit zwölf oder 25 Jahren, ob mit 83 oder 108 Kilo, zu dick habe ich mich fast immer gefühlt. Sätze wie „Du bist schön, aber …“ kenne ich aus dem Effeff. Vor knapp vier Jahren hatte ich keine Lust mehr, mein Selbstwertgefühl von meinem Gewicht abhängig zu machen. Ich wollte Sommerkleider tragen wie jede andere auch. Sofa, Schokolade, Selbstmitleid? Nein danke.

Zusammen mit meiner besten Freundin gründete ich den Blog „The Skinny and the Curvy one“ und zeigte mich sogar im Bikini im Netz. Da kamen Beleidigungen, aber vor allem Zuspruch und Komplimente. Frauen, die mir sagten: Wow, du siehst toll aus. Ich fühle mich schön und sehe es nicht ein, mich zu verstecken.

Verena Prechtl.


Endlich Frau, endlich ich

Jasmin Scheiber-Jakob, 26

Seit Mitte Mai ist meine Namensänderung amtlich. In meiner Geburtsurkunde steht jetzt Jasmin Marie Rhapsody Scheiber-Jakob. Schon als Kind fühlte ich mich weiblich. Als ich mich meiner Familie und engsten Freunden anvertraute, standen sie sofort hinter mir. Um als Transgender-Frau rechtlich anerkannt zu werden, musste ich Alltagserfahrungen sammeln. Bedeutet: als Mann Frauenkleidung tragen und raus auf die Straße.

Das Problem: Egal wie sehr man sich rasiert, schminkt und kleidet, sobald man redet, merkt es jeder, und nicht jeder hält sich zurück. Erst jetzt, nach jahrelangem Stimmtraining, Laser-Sitzungen gegen den Bartwuchs, Hormonbehandlungen und dem neuen Namen, sehe ich mich an und denke: Jasmin, gar nicht mal so schlecht.

Jasmin Scheiber-Jakob.


Die Sommersprossen sind mein Markenzeichen

Amber Pine, 34     

Meine Sommersprossen habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie hat rote Haare und viele helle Pünktchen im Gesicht. Mein Vater stammt aus Jamaika, daher mein dunkler Teint. Von beiden habe ich optisch das Beste bekommen. So sehe ich das. Auch wenn die meisten denken, Sommersprossen, wie niedlich – als junges Mädchen wurde ich deswegen beschimpft. Ehrlich gesagt, habe ich mir daraus aber nie etwas gemacht. Die Punkte sind mein Markenzeichen.

Amber Pine.


Meine Glatze gibt mir Selbstvertrauen

Beatrice Fleck, 22

Zugegeben, das klingt für viele erst mal komisch. Vor zwei Jahren saß ich mit Freunden in meiner WG, sie haben mir Zöpfe gebunden und einen nach dem anderen abgeschnitten. Dieser radikale Schritt hat mich gereizt. Mit jeder Strähne, die auf dem Boden landete, habe ich mich wohler gefühlt.

Als dann der Rasierapparat den Rest erledigte, strahlte ich. Die meisten Leute, auf die ich treffe, sind damit überfordert. Klar, eine glatzköpfige Frau entspricht nicht der gesellschaftlichen Norm. Aber warum sollte ich das? Ich habe mich noch nie so weiblich gefühlt wie jetzt.

Beatrice Fleck.


Mehr Informationen zur T-Shirt-Kampagne „Not perfect but myself“ gibt es hier.