Selbstverwirklichung

Will ich? Mach ich!

Gute Vorsätze sind gut gemeint – wenn man sie denn auch wirklich umsetzt. Diese vier Frauen machen vor, wie man an einem Ziel festhält und es in die Realität umsetzt.

Veröffentlicht am 10.01.2018

Ein Jahr Auszeit 

Tina Wolf, 40, PR-Managerin 

„Irgendwann mache ich das. Zwölf Monate aussetzen, unterwegs sein, treiben lassen. Jahrelang stand mir der Sinn nach einem Sabbatical, aber erst kurz nach meinem 40. Geburtstag im September hatte ich den Mut, das Thema anzugehen. Dass diese Pause keine Entscheidung gegen den Job, sondern eine für das Reisen war, nahm mir meine Chefin ohne große Erklärungen ab. „Kein Pro­blem“, sagte sie einfach. Unkompliziert war die Zeit vor der Auszeit trotzdem nicht. Auch wenn ich Single bin und keine Kinder habe: Ein Jahr von Ersparnissen zu leben bedeutet viel Organisation, um dann in der Weltgeschichte umherfliegen zu können. Dafür habe ich jahrelang jeden Monat Geld zur Seite gelegt.

Anfang Oktober gab es kein Zurück mehr: Ich bin in New York gestartet, habe die amerikanische Ostküste gesehen, war in den Hamptons und in Kanada. Auch den Traum von Florida und dem „Christmas Tree Lighting“ am New Yorker Rocke­feller Center werde ich mir erfüllen. Auf meiner Liste sind noch Costa Rica, Tarifa, Mailand und Sankt Petersburg offen. Nichts zu müssen, alles zu können und neben Glücksmomenten auch Krisen auszuhalten – das sind Erfahrungen, die einen verändern und an denen man wächst. Wie es sich anfühlen wird, wenn ich in einigen Monaten zurück am Schreibtisch bin, weiß ich nicht. Aber den Stolz, so mutig gewesen zu sein, den nimmt mir niemand mehr.“

Porträt von Tina Wolf.

Die große Freiheit: Tina Wolf in Peachtree City bei Atlanta, einem ihrer ersten Reiseziele. 


Gründen

Julia Zirpel, 45, Mode-Unternehmerin

„Wo Mode herkommt und was sie mit Menschen macht – das sind Fragen, die mich seit meiner Kindheit umtreiben. Ich bin zeitweise in Indien und Nepal aufgewachsen, wo ein neues Kleidungsstück die Welt bedeutet. Diese Wertschätzung habe ich in Deutschland und in all den Jahren als Moderedakteurin bei Zeitschriften oft vermisst. Kleidung ist nicht oberflächlich, sie kann Ausdruck, Würde, sogar Macht verleihen und sollte alles, nur kein Wegwerfprodukt sein.

Vor einem Jahr kam mir zum ersten Mal die Idee, aus dieser Überzeugung ein Business zu machen: thewearness.com, ein Online-Marktplatz für nachhaltige Mode. Mir fehlten Partner, um das Projekt umzusetzen, aber dann taten sich Möglichkeiten auf: eine gleich gesinnte Kollegin und eine dritte Geschäftspartnerin mit Nach­haltigkeits-Expertise. Das nötige Know-how holte ich mir unter anderem bei kostenlosen Kursen in der Google Zukunftswerkstatt. Die IHK finanzierte uns ein sechstägiges Business-Coaching. Nach fast zehn Jahren als Modechefin bei myself habe ich dann im Herbst dieses Jahres gekündigt – schweren Herzens, aber mit der Gewissheit, im Einklang mit meinen Wertvorstellungen zu handeln.“ 

Porträt von Julia Zirpel.

Das Credo von Neu-Unternehmerin Julia Zirpel: Selbst anpacken, wenn die Dinge vorangehen sollen. 


Einer Partei beitreten

Sanne Kurz, 43, Filmemacherin 

„Atomkraft, Irakkrieg, die Stellung gleichgeschlechtlicher Paare – kaum ein poli­tisches Thema hat mich je kaltgelassen. Aber außerparlamentarische Empörung hat eine begrenzte Wirkkraft. „Die Herberge“, mein letzter Kurzfilm, handelte zum Beispiel von Migration und erreichte viele Menschen. Ein neues Gesetz gab es hinterher natürlich trotzdem nicht. Vor einem Jahr, am 1. Januar 2017, bin ich den Grünen beigetreten. Klingt wie ein klischeehafter Neujahrsvorsatz, aber ich hatte mich im Netz schon vorher ausführlich über die Partei informiert. Am Ende musste ich auf der Internet­seite nur noch auf ,Mitmachen‘ klicken. Spätestens nach all dem Hass und der Hetze während der letzten Bundestagswahl wusste ich, dass die Entscheidung richtig war.

Warum die Grünen? Als gebürtige Pfälzerin und Wahlbayerin wünsche ich mir eine Alternative zum immer gleichen Schwarz, mehr Vielfalt. Jeder hat die Möglichkeit, unser Land aktiv mit­zugestalten – das ist ein Geschenk. Gerade als vierfache Mutter glaube ich, dass wir den kommenden Generationen diese politische Einsatzbereitschaft schulden. Deshalb möchte ich mich bei der bayerischen Landtagswahl im Herbst 2018 als Direktkandidatin für meinen Wahlkreis aufstellen lassen.“

Porträt von Sanne Kurz.

Baby im Bauch, grün im Herzen: Am 18. November wurde Sanne Kurz zum vierten Mal Mutter. 


Nie mehr hungern

Swantje Bernsmann, 31, Beauty-Bloggerin 

„In meiner Familie sind alle außer mir mit Sixpack zur Welt gekommen. Ich schlug optisch immer aus der Art. Mit 15 Jahren war ich in gleichem Maß wohlgenährt wie unglücklich. Diäten waren mein Dauerproblem: ,Nächste Woche fang ich an …‘ – ,Okay, übernächste …‘ Ich habe jahrelang versucht, mir die überflüssigen Kilos runterzuhungern. Das hat hin und wieder funktioniert, dann wieder gar nicht. Ich esse einfach zu gerne, um mich zu kasteien. Nachdem mir mein Freund letztes Jahr einen Heiratsantrag gemacht hatte, war das Wunschgewicht trotzdem wieder Thema. Der Vorsatz: für mein Brautkleid trainieren.

Vor der Hochzeit im Juli dieses Jahres war ich viermal die Woche im Gym und habe ein zehntägiges Detox-Programm durchgezogen, mit Erfolg. Hinterher waren vier Kilo runter. So in Form wie vergangenen Sommer war ich noch nie. So im Stress aber auch nicht. Dauerhaft gegen meine Veranlagung anzurennen, das weiß ich jetzt, wäre die reinste Qual. Ich will mich weiter bewegen, das fühlt sich gut an, aber auch mal ein Schnitzel essen können. Mein Ziel für 2018 und die Jahre danach: Normalgewicht. Und einen gesunden Beitrag zum Body-Diskurs leisten.“ 

Swantje Bernsmann.

Nach Jahren des Diätens hat Swantje Bernsmann endlich eine entspannte Haltung zu ihrem Gewicht.