Sex-Toys

Wie konnte es nur so weit kommen?

Der „Womanizer“ ist das erfolgreichste Sexspielzeug aller Zeiten. Dabei hat das Sex-Toy-Geschäft eine lange Tradition, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Eine kleine Kulturgeschichte.

Veröffentlicht am 04.07.2017


Vor 28 000 Jahren

Es ist immer etwas frustrierend, wenn man merkt – als Elite, die das Internet und den Thermomix erfunden hat –, dass jede originelle Idee schon mal da gewesen ist. Deshalb muss man den Höhlenmenschen des Paläolithikums auch neidlos als ewigen Trendsetter anerkennen. Er schwört auf Paleo, wo wir noch nach Low Carb googeln. Und während wir beim Anblick von Samantha Jones’ Dildo-Sammlung immer noch leicht verschämt erröten, schleift Fred Feuerstein seiner Wilma Siltstein zurecht.

411 v. Chr.

Das Phallus-Symbol gibt es, seit es Penisse gibt. Auch wenn man nur mutmaßen kann, wann aus rituellen Zwecken private wurden. Liest man bei Aristophanes nach, kommt man der Sache näher: In seiner Make love not war-Komödie „Lysistrata“ treten Athens Frauen in den Sexstreik, um den Peleponnesischen Krieg zu boykottieren. Dabei scheinen sie weniger ihre Männer zu vermissen, als gewisse Lieferengpässe aus der Stadt Milet zu bedauern: „Seit die Milensier unsere Feinde sind, habe ich nicht einen einzigen achtzölligen Dildo zu Gesicht bekommen, der uns Frauen ein lederner Trost sein könnte“, klagt Lysistrata. Ein Drama.

40 v. Chr. bis 19. Jahrhundert

Kleopatra beweist Einfallsreichtum. Julius Caesar soll ihr zwar eine kunstvoll gefertigte, mit Goldintarsien geschmückte Penisskulptur für schlechte Zeiten dagelassen habe, aber die Pharaonin ist da schon längst einen Schritt weiter: Sie erfindet kurzerhand den ersten Vibrator der Geschichte, lässt dafür einen Flaschenkürbis aushöhlen und füllt ihn – die Frau hat Chuzpe – mit „wütenden Bienen“. Erst 1869 entwickelt der amerikanische Arzt George Taylor die dampfbetriebene Variante: den „Manipulator“.

Heute

Sexspielzeug in Form von Kugeln, Ringen, Klammern und Stöpseln füllen Museen. Dank Online-Vertrieb lässt sich all das diskret verpackt nach Hause liefern. Für den neuesten Schrei sorgt hunderttausendfach der „Womanizer“, der stimuliert, ohne zu berühren. Entwickelt wurde die Wunderwaffe von einem Ehepaar in seiner niederbayerischen Kellerwerkstatt. Womit wir wieder bei Fred Feierstein und Wilma wären…