Benjamin von Stuckrad-Barre und der polnische Abgang

Zur Not Parkplatzdramen erfinden

Silvester – lange Nacht, lange Party. Wer sich schon vor der Zeit davonstehlen will, sollte ein paar Dinge beachten. Popliteratur Benjamin von Stuckrad-Barre erklärt, wie man elegant abgeht.

Veröffentlicht am 31.12.2016
Benjamin von Stuckad-Barre

Der panische Gastgeber hat schon verloren, weiß „Nüchtern“-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre.


Wie geht man möglichst unbemerkt?
Man muss sich vorher an allen Partypunkten, wo sich viele zusammenrotten (Küche, Balkon, Tanzfläche, vor der Soundanlage und den Klos) blicken lassen. Niemals verabschieden, stattdessen in möglichst viele Gesprächsrunden den Satz rufen: „Ich komme gleich noch mal zu euch!“ Erst wenn man draußen ist, den Mantel anziehen.

Wann ist der beste Zeitpunkt?
Wenn gerade eine größere Gruppe kommt oder geht, wenn Bewegung drin ist. Für mich immer Signal zu sofortigem Aufbruch ist, wenn Leute Sätze beginnen mit „Ich bin ja jemand, der…“ Da muss ich sofort los, wenn diese Selbstbekenntnissuaden beginnen.

Wie vermeidet man die Sogwirkung: Einer will gehen, alle hängen sich dran?
Der panische Gastgeber, der seine Garderobe bewacht und dauernd ruft „Aber ihr wollt doch nicht schon los?“, hat sowieso schon verloren. Man muss drauf achten, dass man selbst es lustig hat, nur so wird es auch für andere angenehm, und wer dennoch geht, ist selbst Schuld. Die selbstbewusste Party kann Abgänge verkraften, es geht nicht um die Zahl der Leute, sondern um die Freude derer, die bleiben.

Nehmen es Gastgeber persönlich, wenn man früher geht?
Natürlich, und zwar völlig zu Recht. Deshalb niemals anderntags selbst die Sprache darauf bringen, alles abstreiten, zur Not Parkplatzdramen erfinden, bei denen man noch stundenlang seelsorgerisch helfen musste und deshalb drinnen nicht mehr gesehen wurde.

Wie und überhaupt am nächsten Tag nochmal melden?
Die Dank-SMS möglichst vage halten und unbedingt erst spät am Nachmittag des Folgetages verschicken. Das vermittelt: War lange da, musste ausschlafen.

(Interview: Antje Wewer)