Frag Frieda: Plötzlich gekündigt

Neuanfang mit 42

Eine Kündigung fühlt sich an, wie verlassen zu werden. Wie man es trotzdem schafft, nicht den Mut zu verlieren und optimistisch zu bleiben.

Veröffentlicht am 18.09.2017
Frag Frieda.


Mir wurde vor einem halben Jahr betriebsbedingt ge­kündigt. Ich fürchte, als 42­Jährige beruflich nie mehr Fuß zu fassen.

Eine Gemeinheit, dass wir immer wieder in vermeintliche Nie-mehr-Situationen geworfen werden. Sie mögen unterschiedliche Auslöser haben, das Gefühl ist dasselbe: eine Hoffnungslosigkeit, die uns zu kleinen, unbrauchbaren Wesen schrumpft. Beim letzten Liebeskummer zwang mich eine Freundin, jeden Raum meiner Wohnung abzulaufen. „Siehst du“, sagte sie, „das alles hast du dir erarbeitet, niemand muss kommen und dich retten.“ Ich nickte und konnte es ein bisschen gut finden, wirklich stolz war ich nicht. Das ist in akuten Nie-mehr-Situationen so wenig möglich, wie ich Sie schnell zu mehr Mut überreden kann.

Ihnen wurde gekündigt, betriebsbedingt, aber das tröstet kaum, denn eine Kündigung fühlt sich an, wie verlassen zu werden: Ein Verhältnis wird beendet – gegen den eigenen Willen. Und so, wie ich glaubte, nie wieder lieben zu können, zweifeln Sie nun daran, einen neuen Job zu finden. Zusätzlich empfinden Sie Ihr Alter als bedrohlich. Die Zahl schiebt sich wie ein Heliumballon vor Ihren Blick und hindert Sie daran, auf Ihre Fähigkeiten zu schauen. Auf das, was Sie als Mensch ausmacht. Aber genau darum geht es jetzt, denn nur Sie können andere von sich überzeugen.

Versuchen Sie, sich an Lob, an Erfolgsmomente zu erinnern. Daran, dass Sie Erfahrungen gesammelt haben, die anderen noch fehlen. Wann waren Sie zuletzt froh, genau so zu sein, wie Sie sind? Aus diesem Gefühl heraus bewerben Sie sich, und zwar für einen Job, den vielleicht andere, aber nur Sie besonders gut machen können. Weil Sie so sind, wie Sie sind.

Wenn Sie ebenfalls ein Thema haben, das Sie umtreibt – mailen Sie an: fragfrieda@myself.de.