Sommerurlaub

Schweden-Happen

Wer noch einen Tipp für diesen Sommer braucht: Die Westküste Schwedens hat unglaublich viel zu bieten. Hübsche Dörfer, Rosengärten, erlesene Meeresfrüchte und ein blitzsauberes Meer – wenn das nicht nach Glück schreit.

Veröffentlicht am 27.05.2017
Bunte Fischerhütten.

Die bunten Fischerhütten am Kai sind ein beliebtes Fotomotiv.


Es gibt diese magischen Sommertage in Schweden, wenn alles um einen herum von innen zu leuchten scheint: die aufgeheizten roten Bootshäuser am Hafen, das in der Sonne glitzernde Meer und die strahlend weißen Häuser im klaren Licht des Nordens. So wie in dem kleinen Küstenort Fjällbacka, wo Gelächter und Schiffsglockengebimmel den Sound des Sommers bestimmen. Im Yachthafen liegen die Boote so dicht beieinander, dass man auf ihnen einen halben Kilometer aufs Meer hinauslaufen könnte (egal ob Mann, Frau, Kind oder Hund – in Schweden besitzt eben jeder ein Boot). Im „Restaurang Matilda“ singt eine Bootscrew ausgelassen schwedische Volkslieder, prostet sich mit Aquavit zu und macht sich über Unmengen von Hummern her. Als Schwede beobachtet man solche Szenen voller Genugtuung, aber nie völlig sorgenfrei. Weil der Sommer meist wie ein Komet durch Schweden fegt: heiß, hell und mit einer rasenden Geschwindigkeit. Kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg.

Deshalb verfällt ganz Schweden jedes Jahr etwa ab der dritten Juni-Woche in eine Art freudigen Panikzustand und flieht an die endlos weiten Seen, rauschenden Flüsse und natürlich ans Meer. Zum Beispiel an die eher raue Küste Bohusläns im Westen des Landes. Besonders hübsch ist das 900-Seelen-Örtchen Fjällbacka, vermutlich hatte deshalb schon Ingrid Bergman dort ein Wochenendhaus auf einer vorgelagerten Insel. Frühmorgens stehen Menschen vor ihrer einstigen Lieblingsbäckerei „Setterlinds Bageri“ an, um den von ihr so geliebten Mandelberg-Kuchen oder kardemummabullar zu kaufen. So süß wie die Kardamomrollen ist auch die Gegend: kleine Häuschen mit roten Dächern, Granitfelsen und Rosensträucher.

Krustentiere und Kardamomgebäck.

Typisch Schwedisch: Krustentiere und Kardamomgebäck.


Der größte Reichtum verbirgt sich jedoch unter der Wasseroberfläche. Aus dem kalten und blitzsauberen Meer stammen die erlesensten Meeresfrüchte Nordeuropas. Etwa der begehrte Bohuslän-Salzwasserkrebs, der eigentlich eine köstlich schmeckende Languste ist. In den Snackbars an der Uferpromenade ordern die Teenager ganz selbstverständlich Hotdogs mit Shrimps und Mayonnaise. Wer auf Schalentiere steht, sollte unbedingt einen Abstecher ins 15 Minuten entfernte Grebbestad machen. Die Hälfte von Schwedens Hummern, 70 Prozent seiner Krebse und 90 Prozent seiner Austern stammen von hier. Besonders schön kann man ganz in der Nähe in einem winzigen Fischerdorf namens Grönemad übernachten. Wenn Fjällbacka verschlafen ist, dann liegt Grönemad im Koma. Die Fischerbrüder Per und Lars Karlsson haben sich in dieser Wikingersiedlung auf Austern- und Hummer-Safaris spezialisiert. Sie starten von ihrem Bootshaus „Everts Sjöbod“, in dem es immer noch so aussieht wie 1884. Kerosinlaternen stehen auf alten Holzfässern und von knorrigen Balken hängen Fischernetze, Taue und Flaschenzüge herab. Im letzten Jahr haben die Brüder das Haus um sechs Gästezimmer mit Küchenzeilen und heller Holzeinrichtung erweitert. Von der Terrasse der Suite kann man die ganze Bucht überblicken und dabei gerade gesammelte Austern schlürfen und mit Pers selbst gebrautem Austernbier runterspülen, während die Sonne im Meer versinkt.

Smögen ist – zumindest im Juli – der Gegenentwurf zum romantischen Grebbestad. Hier befindet sich der Hauptsitz von Abba, einem Fisch-Großkonzern, der den beliebten Fischrogen-Aufstrich „Kalles Kaviar“ herstellt. Am Hafen erstreckt sich Schwedens längste Strandpromenade mit Restaurants, Bars, Souvenirläden und Fischständen. Karin Samuelsson betreibt hier die Ferienhaus-Agentur „Smögen Rum o Stuga“ („Zimmer und Cottages“). „Neun Monate im Jahr sehen wir nicht mal die Katze unserer Nachbarn“, lacht sie. Deshalb seien die Bohusläner während der kurzen Sommersaison so schonungslos kontaktfreudig.

Dann leuchten eben nicht nur das Meer und die Bootshäuser, sondern auch die Menschen. Und vielleicht ist es ja das, was die Küste so attraktiv macht.

Schwedische Küste.


Best of Bohuslän

Anreise

Eurowings und Air Berlin fliegen von vielen deutschen Städten nach Göteborg, ab 140 Euro. Von dort ist man mit dem Mietwagen in ca. zwei Stunden in Smögen.

Saison

Ganz Schweden hat vom 12. Juni bis 20. August 2017 Ferien. Dann wird es in Bohuslän voll. Die Hummersaison beginnt im Herbst.

Schlafen

„Everts Sjöbod“, Grebbestad. Sechs Zimmer direkt am Wasser. Ab 155 Euro, evertssjobod.se. „Stora Hotellet Bryggan“, Fjällbacka. 33 Zimmer im nautischen oder gustavianischen Look. Ab 210 Euro, storahotelletbryggan.se.

Essen

„Norra Hamnen 5“, Lysekil. Moderne Küche (Fischsuppe, Krabbensandwich) mit Blick auf die Bucht. Lunch ab 14 Euro, norrahamnen5.se.

Tipp  

Krimiautorin Camilla Läckberg ist in Fjällbacka geboren. „Murder Mystery“-Touren führen zu ihren Tatorten, 15 Euro, fjallbackainfo.se.