Sporttrends für 2017

Fit für Neues

In-Trinity, Floatfit, Cyberobics: Die Fitness-Vorsätze im neuen Jahr können einen ganz schön ins Schwitzen bringen. Was man jetzt über diese neuen Sporttrends und Workout-Gadgets wissen muss.

Veröffentlicht am 02.01.2017
Eine Frau treibt Sport.

Wer Kalorien verbrennen möchte, kommt um Bewegung nicht herum.


1. Muss man jetzt vor einer Leinwand trainieren?

Nein, aber Spaß und Abwechslung bringt das Virtual-Reality-Programm Cyberobics, bei dem man vor einem Bildschirm trainiert, trotzdem. Das größte der 150 Cyberobics-Zentren Europas mit einer 20 Meter langen Leinwand steht in Berlin. Je nach Laune und Fitness-Level können Kursteilnehmer zwischen Ganzkörper-Workouts am Strand von Malibu, Power-Yoga-Sessions im Vasquez-Rocks-Nationalpark oder Zumba-Moves in Las Vegas wählen. Prominente Trainer wie Fitness-Guru David Kirsch, Schauspielerin Kate Hudson oder Barbara Becker werden dabei zu einer Art Personal Trainer. In der „World of Cyberobics“ in Berlin gibt’s das Erlebnis ab 40 Euro im Monat, wer reinschnuppern will, zahlt 10 Euro für eine Tageskarte.

2. Schon mal etwas von Floatfit gehört?

Dieser neue Aquafitness-Trend kommt aus London und ist eine Variante des Stand-Up-Paddling-Yogas. Wer schon einmal auf so einem Board stand, weiß, wie wacklig das sein kann. Bei Floatfit werden intensive Intervalltrainings auf dem „Aquabase“-Board durchgeführt. Das Board lässt sich mit einer Luftpumpe aufblasen und ist ähnlich instabil wie eine Luftmatratze, besteht allerdings aus einem strapazierfähigen PVC-Material. Hat man erst die Balance gefunden, wird man mit maximalem Trainingserfolg belohnt. Durch die instabile Wasseroberfläche müssen sich die Muskeln doppelt anstrengen, um das Gleichgewicht zu halten, die Tiefenmuskulatur wird gestärkt. Also ruhig mal die Bauch-Beine-Po-Übungen auf dem Wasser ausprobieren. Floatfit-Gruppenkurse gibt es in London und Wien, das „Aquabase“- Board kann man für 615 Euro auf aquaphysical.com bestellen. Es lässt sich wie eine Yogamatte einrollen und kann bequem mit ins Hallen- und Winterwarmbad, oder – für Hartgesottene in Neopren – mit an den See genommen werden.

3. Wie trainiert Hollywood?

Seeehr gemütlich. Im „Shape House“ in Los Angeles kuscheln sich Stars wie Demi Moore und Selena Gomez in eine circa 70 Grad warme Infrarotdecke, gucken Netflix-Serien und verbrennen dabei in einer Stunde bis zu 1600 Kalorien. Die langwelligen Infrarotstrahlen sind unsichtbar, lassen die Körpertemperatur aber leicht steigen. Die Folge: Man schwitzt, da der Körper seine Temperatur nach unten regulieren will. Dabei verbraucht er jede Menge Energie in Form von Kalorien. Außerdem sollen Giftstoffe aus Fettdepots über den Schweiß abtransportiert werden, damit diese der Verbrennung der Pölsterchen nicht im Weg stehen. Das verspricht zumindest „Shape House“-Gründerin Sophie Chiche. Fakt ist: Schwitzen öffnet die Poren, reinigt den Teint und trainiert die kardiovaskuläre Fitness, mindert also das Herzinfarktrisiko. Muskeln baut das Cocooning-Workout allerdings nicht auf. Wer mit Infrarotlicht ins Schwitzen kommen will, kann das hierzulande in Infrarotkabinen (ab 600 Euro für das eigene Zuhause) tun. Der Kuschelfaktor ist weniger hoch, der Effekt dürfte ähnlich sein.

4. Für's Fitnessstudio chic machen?

Wer sich wohlfühlt, trainiert lieber. Wie wäre es mit einem Update für den klassischen Pferdeschwanz? Drei Beispiele, drei Schwierigkeitsstufen:

Leicht
Haare in zwei Partien teilen. Jeweils die obere und untere Hälfte mit einem Gummi zusammenbinden. Die obere Partie durch den Gummi der unteren ziehen. Den Pferdeschwanz mit einem dritten Band im Nacken fixieren.

Mittel
Einen hohen, strengen Pferdeschwanz binden und Haare in drei Stränge unterteilen. Die linke und die rechte Strähne um die mittlere kreuzen – so entsteht ein Kordel-Look. Spitzen zusammennehmen.

Schwer
Einen holländischen Zopf an der Kopfhaut flechten, dabei die Strähnen nicht unten, sondern oben kreuzen. Haare im Nacken fixieren und mit einer dünnen Strähne umwickeln.

5. Ist Faszientraining wirklich sinnvoll?

Laut Robert Schleip, dem führenden Faszienforscher Deutschlands, auf jeden Fall. Faszien nennt man alle faserigen, kollagenen und intramuskulären Bindegewebe, zu denen auch Bänder und Sehnen gehören. Diese durchziehen den Körper wie ein Netz. Sind Faszienstrukturen verklebt, führt das zu Unbeweglichkeiten, Schmerzen und geringerem Muskelvolumenwachstum. Um diese Verhärtungen zu lösen, braucht es ein auflockerndes Training. Die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zeigen, wie einfach diese Faszienübungen sind: „Wippende, federnde oder auch schwingende Bewegungen sind am besten, um das intramuskuläre Bindegewebe, das Muskeln umgibt, zu trainieren“, so Robert Schleip. Für die Geschmeidigkeit der Sehnen innerhalb der Faszien bringe dies allerdings nichts. „Dafür ist Springen ideal. Man muss mit 70 bis 80 Prozent der eigenen Maximalkraft trainieren, damit die Fibroblasten, bestimmte Bindegewebszellen, neues Kollagen produzieren, das alles schön elastisch hält“, sagt der Wissenschaftler. Kollagen ist der Hauptbaustein der Faszien und braucht sieben Monate, um sich zu erneuern. Nach drei Monaten Faszientraining fühlt man bereits erste Veränderungen. Anfängern rät Personal Trainerin Eri Trostl aus München, mit Rollen zu arbeiten. Das lockere das Gewebe auf. „Ob auf einer speziellen Faszienrolle oder auf einem Nudelholz gerollt wird, ist beim ersten Ausprobieren zweitrangig“, so Eri Trostl. „Die Massage sollte nicht schmerzen, aber auch keine Streicheleinheit sein.“ Übungen und Rollen auf de.fascial- fitness.com.

6. Was bringt das In-Trinity-Board?

Im Ausland feiert das sanduhrenförmige Gerät bereits große Erfolge, auf der deutschen FIBO-Fitness-Messe kürte es die Jury dieses Jahr gleich mal zum Produkt des Jahres. „In-Trinity erweitert das Training um eine zusätzliche Ebene unterhalb des Boards. Yoga-, Pilates-, aber auch Kampfsportübungen können in einem größeren Bewegungsradius ausgeführt werden“, sagt Mastertrainer Andreas Breitfeld. Durch den 45-Grad-Winkel braucht man mehr Kraft bei Sit-ups oder Ausfallschritten und trainiert so effektiver. Gerade für Fortgeschrittene bietet das Gerät Vorteile, zum Beispiel ein intensiveres Dehnen. Aber auch für Anfänger ist das Brett geeignet. Koordinations-, Balance- oder auch funktionelles Training – jede Form des Körpergewichtstrainings ist möglich. Kurse gibt es bisher nur in Köln. Noch.

7. Was ist dran am Ketogen-Hype?

Mit dieser Ernährungsform nimmt man vor allem Fette und Eiweiße zu sich – statt low carb also no carb. Ziel der ketogenen Diät ist es, den Stoffwechsel in die Ketose zu versetzen. Energie soll nicht mehr aus Glykose, die aus Zucker und Kohlenhydraten gewonnen wird, gezogen werden, sondern aus Ketonkörpern. Diese bildet die Leber aus Fetten, wenn keine Glykose-Vorräte mehr da sind. Vorteil: „Laut Studien versorgen Ketonkörper die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Muskeln, schneller und effizienter mit Energie als Zucker“, erklärt der Energiestoffwechsel-Guru Michael Ristow, Professor an der ETH Zürich. Das bedeutet mehr Energie und mehr Leistung. Um in die Ketose zu verfallen, müsse man mindestens 24 Stunden die Kohlenhydratzufuhr auf unter 30 Gramm reduzieren. Nicht leicht, ein zuckerfreier Kaugummi hat ja schon 0,6 Gramm Kohlenhydrate. Wer durchhält, nimmt ab. Laut Ristow führt eine ketogene Ernährung im Zusammenhang mit Sport zu einer schnelleren Gewichtsreduktion als eine allgemeine Einschränkung der Kalorienzufuhr. Aber aufgrund der hohen Menge an Fetten und Eiweißen sollte man sich auch bei einer kurzfristigen ketogenen Diät von einem Arzt begleiten lassen.

8. Schnell, schneller, One-Minute-Workouts?

Wer schon mal 60 Sekunden den Unterarmstütz (Plank) gehalten hat, weiß, wie lang sich eine Minute anfühlen kann – zumindest für eine Durchschnittssportlerin. Zum knallharten Body führen diese superkurzen Einheiten trotzdem nicht. „Man erreicht keinen 100-prozentigen Trainingserfolg, einzelne Muskelpartien können sich auf Dauer jedoch leicht verbessern“, sagt Personal Coach Eri Trostl. Kurz trainieren ist also besser als gar nicht. Im Idealfall mehrmals täglich eine Minute Squats (Kniebeugen) und Burpees (Kombi-Übung) durchziehen und damit auf die Gesamtbilanz (optimal: 15 bis 20 Minuten pro Tag) einzahlen.