Stilvoll feiern

Der myself-Party-Knigge

Dresscode, Smalltalk und der Gang ans Buffet – eine Party bietet einige Fettnäpfchen. Wie man die elegant umgeht – ein Knigge.

Veröffentlicht am 31.12.2016
Illustration mit Frauen und Männern, schick gekleidet, auf einer Party.

Dresscode-Albtraum: zwei Frauen, ein Kleid.


Wie oft darf man sich beim DJ was wünschen?

Ach, so eine(r) sind Sie. Dann hoffen wir mal, dass Ihnen was Spannenderes einfällt als „I Will Survive“ von Gloria Gaynor. Sonst überleben wir den Abend nämlich nicht.

Erster am Buffet

Menschen, die auf einer Party als Erste tanzen, als Erste was essen, als Erste selbst in den Kühlschrank greifen, um noch einen Prosecco aufzumachen, sind: die Besten. Sie machen aus einem Rumsteh-tuschel-tuschel-Abend eine Party. Wenn es mehr solche Menschen gäbe, wäre die Welt ein besserer Ort. Hoch die Tassen. Wer das anders sieht, braucht nicht auf Partys zu kommen, sondern soll zu Hause bleiben und früh ins Bett gehen.

Den Sitznachbarn wecken, wenn er bei der Laudatio einschläft?

Um Himmels willen, nein! Die Laudatio ist offensichtlich langweilig, also hat der Laudator es nicht anders verdient. Sollte Ihr Sitznachbar ein netter älterer Herr sein, hat er sich sein Nickerchen sicher redlich verdient. Man sollte ja grund­sätzlich immer alle schlafen lassen, egal wo. Schlaf ist heilig. Einzige Ausnahme: wenn es eine nette jüngere Dame ist. Dann hat sie zu viel getrunken und sollte dringend den Heimweg antreten. Damit nichts Schlimmeres passiert.

Exotische Dresscodes entschlüsseln

Wenn es z. B. „Colorful Cocktail“ heißt, kann man entweder als Mai Tai oder kunterbunt gehen. Ansonsten gilt: bei einer kleinen Party mit dem Gastgeber klären, bei einem großen Fest frei inter­pretieren – falls das schiefgeht, schützt einen ja immer noch die Masse.

Leute begrüßen, deren Namen man vergessen hat

Diffizile Angelegenheit mit hohem Fettnäpfchen­-Faktor. Natürlich können Sie den Gast salopp und mit großem Hallo einfach ohne Namen begrüßen. Was aber, wenn er Sie bittet, ihn der versammelten Runde vorzustellen? Da hilft nur die charmante Flucht nach vorn: Fragen Sie – am besten mit einem Witz auf Ihre Kosten – noch­mals nach dem Namen.

Was tun, wenn eine Frau das gleiche Kleid trägt?

Entspannen Sie sich. Ist doch schön, dass es noch andere Partygäste gibt, die (offen­sichtlich) guten Geschmack haben. Viel wichtiger, um in Zeiten von Zara und Co. wirklich unique zu sein: Esprit!

Wie komme ich mit Promis ins Gespräch?

Ist Typsache. Die traditionell uner­schrockenen Amerikaner sind sich nicht zu schade, direkt auf ihr Ziel loszustürmen und zu brüllen: „I love your movie/book.“ Nicht Ihr Ding? Kreisen Sie den Promi unauffällig ein, versuchen Sie Augenkontakt herzustellen, um dann bei Gelegenheit was Nettes zu sagen. Reagiert er genervt? Auch gut. Dann haben Sie super Klatsch parat für den nächsten Small Talk.

Wie groß darf eine Handtasche beim Dresscode „Cocktail“ maximal sein?

Die Antwort ist ganz klar: nicht größer als ein Cocktail. Zum zarten Kleidchen sähe eine Tasche im Seesack-Format einfach nicht gut aus.

Was sage ich Anrufern, denen ich gestern leicht angeschickert meine Visitenkarte gegeben habe?

Die Wahrheit. Was sonst? Dass Sie jetzt leider gar keine Zeit haben, weil Sie dringend zu einem Klassentreffen müs­sen? Dass das gestern Abend eine Aus­nahme war mit Ihrem Deutsch, weil Sie eigentlich Russin sind? Alles albern. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie haben die Cojones, den Menschen zu sagen, dass Sie keine Lust auf sie haben. Oder Sie machen’s so: Sie gehen für ungefähr fünf Wochen nicht mehr ans Telefon. Danach ist Gras über die Sache gewachsen und auch der heißeste Verehrer erkaltet.

Langweiler-Themen

Tod, Haustiere, Doktorarbeit, Ex­-Freund. Am schlimmsten ist die Kombination von allem: „Während meiner Doktorarbeit über Zugbrücken im Oberfränkischen hat sich mein Freund von mir getrennt, und meinen Kater musste ich wegen seines entzündeten Fells einschläfern lassen.“ Ernsthaft: Diese vier Themen interessieren außer Ihrem Therapeuten NIEMANDEN!

Dresscode ignorieren?

Ja, wenn Sie die Königin des Landes sind oder eine Spaßbremse. Nein, wenn Sie Respekt vor den Veranstaltern haben. Manche Motti (z.B. „Casual Chic“) sind aber ohnehin so nichtssagend, dass Sie von der Jogginghose bis zum Cocktailkleid alles anziehen können.