Sugar Detox

Nicht aus Zucker

myself-Redakteurin Katharina Rieger hat vier Wochen sugarfree gelebt, also auf Zucker verzichtet. Ein Selbstversuch mit flachem Bauch – und mieser Laune.

Veröffentlicht am 28.09.2017
Eine Frau hält eine rosa Zuckerwatte in der Hand.

Aller Anfang ist schwer: Wer seiner Gesundheit Gutes tun will, sollte ab und an den Zucker weglassen. 


Verzicht kann ziemlich peinlich sein: dieser Moment, als ich vor der Theke mit Zitronen-Basilikum- und Schoko-Crunch-Eis murmle: Nein, danke, ich esse keinen Zucker. Die Chefin hat uns alle in die Eisdiele eingeladen – und ich gebe die überspannte Gegen-Alles-Intolerante. Ausgerechnet ich, die beim Essen immer fünfe gerade sein lässt. Für die raffinierte Desserts stets das grande finale sind, dem ich voller Vorfreude fünf Gänge lang entgegenschlemme.

Doch jetzt rühre ich vier Wochen lang weder Eis noch Kuchen an, keinen Zucker im Kaffee oder Ketchup, die Liste ließe sich mühelos verlängern. Außerdem verkneife ich mir Weizen, Milchprodukte und Alkohol. Mit diesem radikalen Schritt will ich mein schwächelndes Immunsystem aufpäppeln, damit nicht aus jedem Schnupfen eine Nebenhöhlenentzündung wird. Meine Ärztin hatte mir dazu geraten, nach monatelangem Aufschieben habe ich die „Kur“, wie es mein Mann nennt, endlich begonnen.

Um es vorwegzunehmen: Auf Zucker zu verzichten ist gar nicht so schwer, Käse habe ich viel mehr vermisst. Süßes lässt sich gut durch Obst, Nüsse und Gemüsesticks ersetzen. Besonders abends, wenn sich der Süßhunger meldet. Und erfreulicherweise wird die fiese Gier, die ich jahrelang wohlwollend als natürliches Körpersig­nal interpretierte, schwächer und schwächer – um nach fünf Tagen ganz zu verschwinden.

Pralinen und Macarons im Büro? Mir egal. Ich esse eiweißreich (Tofu, Eier, Fisch, Hühnchen), und mein Bauch wird flacher. Nach zwölf Tagen fragt die erste Kollegin: Hast du abgenommen? Die Euphorie lässt mich selbst härteste Prüfungen meistern: In der Hand meines Sohnes zerfließt ein Schokoeis in der Waffel – und ich widerstehe dem Reflex, mit zwei beherzten Bissen zu „helfen“. Er, ungläubig: „Mama, warum isst du kein Eis?“

Meine Laune schätze ich in der ­süßfreien Phase als positiv bis neutral ein, bis mein Umfeld mir dezent signalisiert, dass ich schon mal entspannter war. Okay, essen gehen ist keine Freude, weil ­eigentlich überall Zucker drinsteckt. Für einen entwöhnten Gau­men schmeckt selbst Salatdressing penetrant süß. Mir wird bewusst, wie sehr mein Alltag von zuckrigen Highlights strukturiert ist. Morgens Honig im Müsli, mittags Zucker im Kaffee, nachmittags Schoko im Büro, abends ein paar Gummibärchen oder gleich eine halbe Packung Kekse. 

Der Zucker und ich, ich gebe es zu, das ist eine Story der Zügellosigkeit. Das erste Stück Kuchen nach vier Wochen schmeckt irrwitzig intensiv und fantastisch verboten. Mittlerweile esse ich aber tatsächlich weniger ­Süßes. Und wenn, dann bewusster. Nur eins, das geht echt nicht: Espresso ohne Zucker.