„Subway Book Review“ von Uli Beutter Cohen

Die Buchreporterin

Ganz New York liest. Uli Beutter Cohen weiß, was. Für ihren Blog „Subway Book Review“ befragt die Deutsche fremde Menschen in der U-Bahn nach ihrer Lektüre – und findet in der Ära Trump einen klaren Trend.

Veröffentlicht am 22.08.2017
Leute mit Büchern.

Uli Beutter Cohen fragt New Yorker in der U-Bahn nach Buchtipps.


Wie kamen Sie auf die Idee, wildfremde New Yorker in der U-Bahn nach Buchtipps zu fragen?
Mir fiel auf, dass hier unheimlich viel gelesen wird. In New York leben interessante Menschen und ich wollte wissen, was sie beschäftigt und warum. Bücher spiegeln den Zeitgeist einer Stadt und Gesellschaft wider. Diese kulturellen Momente wollte ich einfangen.

Wen sprechen Sie an?
Ich arbeite wie ein Streetstyle-Reporter, nur dass mein Thema nicht Mode, sondern Bücher sind. Ich spüre Trends nach und suche dann die spannendsten Interviewpartner.

Was lernt man über Menschen ausgehend von dem Buch, das sie lesen?
Welches Thema sie besser verstehen und in welche andere, vielleicht auch fremde Welt sie eintauchen wollen. Leser sind generell offen und können sich spontan sehr gut artikulieren. Die besten Besprechungen kommen raus, wenn jemand ehrlich seine Meinung sagt. Deshalb geben Kinder oft die besten Interviews.

Gibt es einen aktuellen Trend?
Letztes Jahr waren Bücher über Rassismus und Feminismus beliebt. Dieses Jahr stehen Themen wie Identität und Utopie im Fokus, was nach der Wahl von Donald Trump viel Sinn macht. Ein Buch, auf das ich seit Jahren andauernd stoße, ist Junot Díaz’ „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“. Und aktuell „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood.

Uli Beutter Cohen.

Uli Beutter Cohen.


  

Und wenn ich Sie in der U-Bahn treffen würde, welches Buch hätten Sie dabei?
Ich lese meistens mehrere Bücher gleichzeitig. Zur Zeit habe ich George Saunders’ „Lincoln in the Bardo“ dabei der Lesley Nneka Arimahs „What It Means When a Man Falls from the Sky“ – eine Sammlung von Kurzgeschichten. Perfekt für die U-Bahn. Beide noch nicht in Deutschland erschienen.    

2013 startete Uli Beutter Cohen, 35, „Subway Book Review“. Persönliche Empfehlungen gibt die Deutsche aus Reicheneck, die als Kommunikationsstrategin in New York lebt, auf eyelevelmag.com