Umstyling: Mode für große Frauen

Lucinde verwandelt sich

Ratlos vor dem Kleiderschrank zu stehen, kommt vor. Unsere Autorin fragte sich außerdem mit ihren 1,83 Metern, ob es jenseits von Jeans und Sneakern Mode gibt, die zu großen Frauen passt – und ließ sich beraten.

Veröffentlicht am 23.10.2017
Myself-Modechefin Julia Zirkel und Lucinde Hutzenlaub.

myself-Modechefin Julia Zirpel steht Lucinde Hutzenlaub mit ihrer Expertise zur Seite.


Lucinde Hutzenlaub, 47, Autorin und Mutter von vier Kindern, schreibt gerade mit Heike Abidi ein Buch übers Fünfzigwerden (erscheint nächsten April im Penguin Verlag). Es geht um Selbstfindung, ­Botox oder Burlesque-Tanzen, also Dinge, die man schon immer ausprobieren wollte. Und um die Frage: Was steht mir – bei einer Größe von 1,83 Meter?

Da stehe ich mal wieder vor meinem Kleiderschrank und bin ratlos. Dabei sollte man meinen, dass ich nach all den Jahren mit mir selbst so langsam weiß, was mir steht. Manche Menschen können das ja wirklich sehr gut. Ich dagegen bin immer – na ja – eben ich. Meine Kleider passen zu meinem Leben. Dabei wäre es doch mal nett, sie würden meine Persönlichkeit zur Geltung bringen. 

Ich finde, ich bin jetzt in einem Alter, in dem mein Outfit sagen sollte: Seht her, da geht eine Frau, die klug, interessant, humorvoll und erfolgreich ist. Stattdessen sagen meine Klamotten: Hier lang, wenn ihr es an einem langen Tisch nett haben und Spaghetti mit Tomatensauce essen wollt! Ich klebe hartnäckig an Jeans, Dunkelblau und Turnschuhen, während alle anderen schon längst Kleid, Beerentöne und Absatz tragen. Natürlich habe ich auch ein paar Kleider, aber die kann ich maximal fünf Minuten an mir ertragen, dann ziehe ich sie wieder aus, weil sie einfach nicht so richtig „Lucinde“ sind.

Übrigens: Was „Lucinde“ ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, was es nicht ist. Hohe Schuhe? Ich bin 1,83 Meter groß. Ohne Absätze. Bei „bunt“ erschrecke ich bei meinem eigenen Anblick. Gewollt jugendlich finde ich furchtbar. Es ist offensichtlich: Ich habe ein Pro­blem. Und Julia Zirpel. Die Modechefin von myself soll mich retten. Einmal möchte ich anders aussehen – und trotzdem wie ich. Ich möchte wissen: Was steht mir eigentlich? 

Bei den Kleidern, die an dem Kleiderständer hängen, der in der Redaktion für mich vorbereitet wurde, sind ein paar dabei, die mir spontan gefallen: eine ­schmale blaue Hose. Eine lange weiße Bluse. Aber die Mode-Expertin hat anderes mit mir vor, und ich bin plötzlich unsicher: ein Rollkragenpulli in Camel? „Macht mich total blass“, will ich rufen und lasse es bleiben, denn die Modechefin kennt sich schließlich aus. Sie kommt gerade von der Fashion Week in Berlin, ist seit neun Jahren bei myself und weiß, was sie tut. Ich komme aus Stuttgart, bin seit 20 Minuten hier und … nun ja.

Und so ziehe ich tatsächlich eine schwarze 7/8-Hose an, obwohl ich schon mein Leben lang versuche, nichts zu kaufen, was betont, dass mir eigentlich immer alles ein paar Zentimeter zu kurz ist. Julia lacht, als ich sehr zögerlich den quer gestreiften Blazer über die längs gestreifte Bluse anziehe. Echt jetzt? Niemals würde ich das kombinieren. Das kann doch nicht gut aussehen, oder? Vorsichtig schaue ich in den Spiegel.

Und da ist er: der magische Moment. Ich sehe mich – und doch jemand anderen. Sogar die Jimmy Choos mit Glitzersteinen kommen mir plötzlich gar nicht mehr überladen vor, sondern wie für mich gemacht. Ich fühle mich wie Cinderella. Ehrlich. Ja, ich finde mich richtig schön! Einzig die rote halblange Marlenehose lehne ich ab. Allerdings erst, nachdem ich sie anhatte. Sah nicht gut aus. Sagt auch Julia. Es muss mir ja auch nicht alles stehen, nur weil es Trend ist. Schönes Gefühl übrigens, dass Julia meinen knallroten Lippenstift gut fand, ohne den ich selten das Haus verlasse. Klar wollte ich mal was Neues ausprobieren. Aber es ist auch ein tolles Kompliment, wenn manches bleiben darf. Trend hin oder her. Ich glaube, darum geht es in der Mode: Trend ist, was dir das Gefühl gibt, so gut auszusehen, dass du beim Blick in den Spiegel stolz die Schultern straffst und lächelst. Also: Beere oder Senf? Egal. Das Lächeln zählt.

Voll behängter Kleidungsständer.

Anprobieren, ausprobieren: Auf Lucinde Hutzenlaub warten jede Menge modischer Kleidungsstücke für einen neuen Look.


7/8-Länge

Ärmel und Hosen in 7/8-Länge wirken ­gerade an großen Frauen extrem lässig, weil sie für Proportionen sorgen. Voraussetzung: Der kurze Saum darf nicht nach Versehen aussehen. Blazer von Zara, 70 Euro. Gestreiftes Hemd von Polo Ralph Lauren, 150 Euro. Ausgestellte Hose von Zara, 40 Euro. Schuhe: Unützer.

Lucinde Hutzenlaub in einem Outfit nach dem Umstyling.


Japan-Style

Lucinde Hutzenlaub hat mit ihrer Familie vier Jahre in Japan gelebt und ein Buch über diese Zeit ­geschrieben. Logisch, dass ihr die ­Kimono-Variante gefiel, sie ist perfekt für den Abend. Kimono, 80 Euro, und ausgestellte Hose, 40 Euro. Beides von Zara. Schuhe: Unützer.

Lucinde Hutzenlaub in einem Outfit nach dem Umstyling.


Streifen im Doppel

Streifen sind langweilig? Da gibt’s nur ­eine Lösung: Noch mehr Streifen! Einfach mit einer schmalen, unifarbenen Hose und lässigen Schuhen kombinieren. Blazer, 80 Euro. Bluse mit Volants, 26 Euro. Zigarettenhose, 30 Euro. Alles von Zara. Tasche: Massimo Dutti. Pantoletten: Zara.

Lucinde Hutzenlaub in einem Outfit nach dem Umstyling.


Beige? Beige!

Kaschmir schmeichelt dem Teint und sieht besonders edel in Beige- und Grautönen aus. Kaschmir­-Mantel von Max Mara, Preis auf Anfrage. Geschlitzter Rollkragenpullover von Agnona über Stylebop, 820 Euro. Zigarettenhose von Zara, 30 Euro. Schuhe: Unützer.

Lucinde Hutzenlaub in einem Outfit nach dem Umstyling.


Strenge Streifen

Zu Jeans, dunkelblauem Top und ­einem strengen Oversized-Mantel ­passen sogar Pumps mit Glitzer­steinen! An großen Frauen sehen weite Schnitte besonders gut aus, weil niemand auf die Idee kommt, man habe sich in der Größe geirrt. Nadelstreifen-Mantel von Pallas Paris, 1685 Euro. Bluse in Navy von Cos, 70 Euro. Schmale Jeans von M.i.h. Jeans über Stylebop, 240 Euro. Pumps: Jimmy Choo.

Lucinde Hutzenlaub in einem Outfit nach dem Umstyling.