Vegane Kosmetik

Auf alle Felle vegan?

Frei von Bienenwachs und Honig – vegane Kosmetik boomt. Aber was bedeutet das überhaupt und bei welchen Produkten können wir uns sicher sein? Hier sind fünf Fragen, fünf Antworten!

Veröffentlicht am 01.11.2017

Ein Herz für Tiere? Achtung, vegan bedeutet nicht zwingend tierversuchsfrei.


Was heißt überhaupt „vegane Kosmetik“?

Ob aus ethischen und ökologischen Gründen oder gesundheitlich motiviert – laut einer Umfrage (Skopos 2016) leben inzwischen etwa 1,3 Millionen Deutsche vegan. Ein Trend, ganz nach dem Geschmack der Beauty-Industrie, weil: neuer Trend, neuer Markt. Allerdings ist der Begriff „vegan“ weder gesetzlich geschützt noch genau definiert. Weshalb manchmal eben doch ein tierischer Stoff in der Creme landet oder einer, der an Tieren getestet wurde. Das verunsichert die Verbraucher und schadet dem Image der Hersteller. Deshalb lassen die ihre Produkte nach strengen Richtlinien zertifizieren. Im Idealfall entsteht eine von vorn bis hinten vegane Produktionskette. Nur: Sie zu kontrollieren ist schwierig,
weil von der Rohstoffgewinnung bis zur Creme viele Schritte liegen, und
oft über Kontinente verteilt.

Ist Naturkosmetik immer vegan – und umgekehrt?

Da sind doch nur Blümchen drin, denken viele. Irrtum! Denn tierische Stoffe (z. B. Milch, Honig, Bienen- und Wollwachs) sind in Naturkosmetik erlaubt und oft sogar eine bessere Alternative zu synthetischen. Rohstoffe aus Wirbeltieren (z. B. Nerzöl oder Kollagen) sind dagegen tabu. Was Tierversuche angeht, ist das ähnlich verwirrend. Obwohl die nach der Richtlinie des BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen) für die Produkte unzulässig sind, können einzelne Bestandteile von Zulieferern getestet worden sein. Das Naturkosmetik-Zertifikat gibt’s für die Creme dann trotzdem. Umgekehrt ist vegane Kosmetik nicht zwingend rein natürlich. Denn chemisch-synthetische Stoffe (wie z. B. Paraffine, Parabene oder Silikonöle) sind ebenfalls vegan und werden auch verwendet.

Ganz ohne Tierversuche?

Wer vegane Kosmetik kauft, geht womöglich davon aus, sie sei nicht an Tieren getestet. Das stimmt leider nur bedingt: Einzelne Inhaltsstoffe können getestet worden sein, sogar wenn „tierversuchsfrei“ draufsteht. Zwar ist der Verkauf innerhalb der EU seit März 2013 verboten, aber alles, was bis dahin getestet wurde, darf weiterverwendet werden. Und für Substanzen, die unter die Chemikalienrichtlinie REACH fallen (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals), weil sie z. B. auch in Putzmitteln verwendet werden (z. B. Düfte und Farben), sind Tierversuche sogar gesetzlich vorgeschrieben. Wer ganz sichergehen will: Unter kosmetik.peta.de sind Hersteller aufgelistet, die gewährleisten, dass weder sie noch Zulieferer oder Dritte Tierversuche durchführen.

Welche Labels sind sicher?

Vegan-Siegel gibt es viele, diese beiden sollte man sich aber merken, sie stehen für besonders strenge Zertifizierung: Der „Leaping Bunny“ garantiert, dass weder das Produkt noch Rohstoffe an Tieren getestet wurden – weltweit versteht sich. Außerdem dürfen keine Bestandteile von Tieren enthalten sein, wie z.B. Keratin, Kollagen oder Seide. Die „Veganblume“ der britischen Vegan Society kennzeichnet Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe bzw. solche, für die keine Tierversuche durchgeführt werden. Das gilt auch für deren Rohstofflieferanten. Kurios: Wer von den Herstellern allerdings in China verkaufen will, ist gesetzlich zu Tierversuchen verpflichtet. Deshalb verzichten viele darauf, ihre Kosmetik dort einzuführen.

Die wichtigsten Siegel für ein reines Beauty-Gewissen.


Was ist mit veganem Make-up?

Damit sich ein Produkt „vegan“ nennen darf, müssen einige Inhaltsstoffe ersetzt werden. Am schwierigsten wird’s bei Rottönen. Karmin, der Farbstoff der Schildlaus, lässt sich durch pflanzliche Farben beispielsweise aus Karotte oder Rote Bete herstellen. „Wir verwenden stattdessen möglichst reine Eisenoxide, die Farbgebung ist dadurch allerdings eingeschränkt“, erklärt Sebastian Georgi von der Firma Logocos, die Naturkosmetik-Marken wie Logona oder Sante im Sortiment hat. Weil die Alternativen synthetisch wären, nimmt Logocos deshalb eine kleinere Farbpalette in Kauf. Eisenoxide, also mineralische Erdfarben, sind auch in Foundation und Puder enthalten. Außerdem Titandioxid, ein stark deckendes Pigment, das auch als physikalischer UV-Filter funktioniert. Statt Bienenwachs (z. B. für Lippenstifte) kommen Beeren- und Reiswachs zum Einsatz, und bei Lavera steckt statt künstlicher Polymere Bio-Bambus in der Mascara. Übrigens: Dass vegane Kosmetik weniger Allergien auslöst als herkömmliche, stimmt nicht. Grundsätzlich kann jeder kosmetische Inhaltsstoff eine allergische Reaktion auslösen – unabhängig vom Ursprung.

Vegane Kosmetik zum Nachkaufen

1. Die Mascara „Deep Darkness“ zaubert Wow-Wimpern. Von Lavera, 6 Euro.

2. Kräftigt das Haar und macht es geschmeidig: „Claritas Hair Shampoo“ von Ananné, 29 Euro.

3. Trocknet superschnell: Nagellack in Burgunderrot.„Louna“ von OZN, 15 Euro.

4. Zartes Rouge: „Just Peachy Pressed Blush“ von Lily Lolo über ecco-verde.de, 14 Euro.

5. Hochpigmentiert und wasserfest: „Tincte Liquid Eyeliner“ von Und Gretel, 34 Euro.

6. Für einen wachen Blick: Kajalstift „Eye Definer Nude 00“ von Dr. Hauschka, 13 Euro.

7. Regeneriert die Haut: „Gold Body & Face Oil“ von Master Lin, 73 Euro.

8. Auch die Natur kann leuchtend Rot! „Natural Lipstick Aroha“ von Nui Cosmetics über Savue Beauty, 28 Euro.

Diese Kosmetik ist auf alle "Felle" vegan!