Bewerbungs-Tipps

Was Headhunter ihren Freunden raten

Wie man sich im Vorstellungsgespräch gut verkauft - und was man lieber lassen sollte. Die Tipps von zwei Personalprofis.

Veröffentlicht am 14.11.2016
Schreibtisch Block


1. Seien Sie verbindlich

Was Sie wollen, ist klar: den Job. Und Ihr Gegenüber? Will jemanden, der kompetent ist – und überzeugend. „Ob man als Bewerber erfolgreich ist, hängt zu 80 Prozent von der Persönlichkeit ab“, sagt Personalberaterin Nicole Kremer*. Am besten punkten Sie gleich beim Small Talk zu Beginn. Haben Sie im Foyer Kunstwerke gesehen? Wie sind die Leute drauf? Es gibt ga­rantiert etwas, womit Sie dem Unternehmen ein Kompliment machen können. Rela­tionship building nennen Profis diese Strategie, die Personalchefs über kleine Schwächen wie Nervosität hinwegsehen lässt, so Nicole Kremer. Der Trick dahinter: Fällt ein Kandidat sofort positiv auf, verstärkt alles, was er danach macht, diesen Eindruck. Verstellen Sie sich nicht, sondern seien Sie präsent, hören Sie aufmerksam zu, bringen Sie Ihr Gegenüber zum Lachen und sprechen Sie über Gemeinsamkeiten – aber immer nur im Rahmen Ihrer Möglichkeiten.

2. Überlegen Sie sich ­eine Story

Viele Führungskräfte wursteln sich eher durch, wenn sie Bewerber interviewen. Nutzen Sie diese Schwäche, um am eigenen Profil zu feilen. Gefragt ist Storytelling. „Machen Sie sich klar, wo Ihre Geschichte beginnt, nämlich dort, wo sie einen roten Faden bekommt“, rät Coach und Personalberaterin Margit Dittrich**. Warum als Buchhalterin nicht erwähnen, dass man nach der Schule eine Banklehre machen wollte, auch wenn nichts daraus wurde? Danach die fünf wichtigsten Arbeitsstationen aufzählen und erklären, was Sie dort gemacht haben, „knapp und verständlich, sonst hält man Sie für un-strukturiert oder schweigsam. Personalexperten denken ja permanent in Ei-genschaftshülsen.“ Die Geschichte zu Hause unbedingt üben! Nicole Kremers Tipp: Finden Sie einen Oberbegriff, der Sie beschreibt – etwa Pionierin oder Antreiberin –, und verwenden Sie ihn früh, um Ihr Profil zu schärfen. Eine gute Geschichte endet übrigens nicht mit dem aktuellen Job. Machen Sie klar, was Sie an der ausgeschriebenen Position reizt. Und wer in drei bis fünf Jahren einen Karrieresprung machen möchte, darf nach Entwicklungsmöglichkeiten fragen. Aber erst gegen Ende des Gesprächs.

3. Kennen Sie Ihre wahren Stärken und Schwächen. Aber auch Erfolge und Niederlagen

Perfektionismus, Ungeduld, Ehrgeiz – „es gibt nichts Langweiligeres als Kan-didaten, die das Internet nach schlauen Antworten auf bescheuerte Bewerbungsfragen durchsucht haben“. Damit bestätigt Margit Dittrich, was jeder ahnt: Bei Stärken und Schwächen existiert kein Richtig oder Falsch. Natürlich wolle das Unternehmen wissen, was man gut und weniger gut könne. Noch interessanter sei aber, ob man aus Fehlern lernt. Wenn Sie penibel sind, stehen Sie also dazu, ohne ein Riesending daraus zu machen. „Erzählen Sie ruhig, wo das zu Problemen geführt hat und wie Sie heute vorgehen würden.“ Genauso argumentiert man bei Niederlagen. „Hier muss man erklären, was man daraus gelernt hat, sonst steht man als Opfer da“, sagt Nicole Kremer. Neben dem Was zählt auch das Wie. Verzichten Sie auf Beratersprache wie Teamwork oder driven management. Lieber konkret schildern, wie Sie die Zusammenarbeit mit anderen gestalten. Oder wie Sie es schaffen, bei Projekten mit vielen Beteiligten eine Lösung für alle zu finden.

4. Machen Sie nicht auf cool

Um begeistert zu wirken, muss man keine Lobeshymnen singen, sondern sich gründlich vorbereiten, angefangen bei der Unternehmens-Website, sagt Nicole Kremer. Wichtig seien auch Pressemeldungen und Zeitungsartikel mit News und Hintergründen. Auch über den Gesprächspartner sollte man sich informieren, Stichwort relationship building. Personalleute bewerten Gespräche mit einem 50:50-Redeanteil positiver. Also stellen Sie Fragen: zu Unter-nehmenszielen, zur Abteilung, zum Berufsweg, der den Interviewer in die Firma geführt hat … Eine gute Strategie, gerade für Frauen, findet Margit Dittrich: „Obwohl sie motiviert und oft gut vorbereitet sind, überlassen viele von ihnen das Fragen dem Arbeitgeber und antworten konzentriert und systematisch.“ Damit zeigt man zwar Kompetenz, aber das reicht nicht, um wirklich zu überzeugen.

5. Heften Sie sich ein Preisschild an

Jeder Joghurt hat seinen Preis, weil er links- oder rechtsdrehende Bakterien enthält – eine Logik, die man sich zu eigen machen sollte, rät Nicole Kremer. Überlegen Sie sich im Vorfeld, was Sie zu bieten haben: Erfahrung, Kontakte, Fachwissen? So bringen Sie Ihre Gehaltsvorstellung eher durch. Wer glaubt, zu alt zu sein oder als Frau nicht mehr fordern zu können, informiert sich vor dem Gespräch über den Umsatz des Unternehmens. „Im Vergleich dazu verlangen Sie Peanuts. Das hilft, selbstbewusster aufzutreten.“ Die richtige Verhandlungsstrategie laut Margit Dittrich: Eine Summe nennen, die zehn Prozent unter dem selbst gedachten Maximum liegt, und schauen, was passiert. Bei Ablehnung fragen, welche Gehaltsspanne der andere im Kopf hat. Liegt sie zu niedrig, kann man für die Dauer der Probezeit ein niedrigeres Gehalt vereinbaren. Oder Zielvereinbarungen formulieren; sobald sie erreicht sind, steigt das Gehalt. So oder so: Verhandeln muss sein.

6. Überlegen Sie sich eine letzte Frage

Wer keine hat, wirkt desinteressiert und unprofessionell. Immerhin hat man es mit einem neuen Unternehmen zu tun, da ergeben sich zig Ansatzpunkte. „Außerdem wünscht man sich als Führungskraft einen Bewerber, der rüberbringt: Auch ich habe eine Entscheidung zu fällen und brauche Informationen“, so Nicole Kremer. Die Perso-nalberaterin empfiehlt, zu Hause mehrere letzte Fragen vorzubereiten, „falls der eine oder andere Aspekt schon im Gespräch angeschnitten wird“. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Niederlassungen im Ausland aus? Ich würde gern mehr über die Unternehmenskultur erfahren. Welche Möglichkeiten gibt es, Stärken weiterzuentwickeln? „Es gibt keine Frage, die man am Ende nicht stellen kann, außer nach dem Gehalt und nach den Kernaufgaben im Job“, findet Margit Dittrich. „Das eine sollten Sie vorher geklärt haben, das andere wirkt, als hätten Sie nicht zugehört oder keine Ahnung.“

7. Bedanken Sie sich

In den USA ist es üblich, sich nach dem Gespräch schriftlich zu bedanken. Die Feedback-Kultur in Deutschland ist nicht besonders ausgeprägt. Viele fürchten, sie könnten sich anbiedern. Das Gegenteil ist laut Nicole Kremer der Fall, solange man es ehrlich meint: „Wer sich ernsthaft bedanken möchte, sollte es tun, gern indem man klarmacht, was man aus dem Gespräch mitgenommen hat – und sei es nur, dass es den Entschluss gefestigt hat, für das Unternehmen zu arbeiten.“ Dazu der Hinweis, dass man sich darauf freut, wieder etwas zu hören – fertig.

* Nicole Kremer ist Geschäftsführerin bei der Frankfurter Personalberatung Hofmann Consultants. Sie besetzt u. a. TopJobs in der Lifestyle-Branche.

** Inhaberin der Personalmanufaktur in München und Gründerin von frauen-verbinden.de. Sie sucht u. a. Führungskräfte für Banken und ist als Coach tätig.