Weihnachtschaos – eine Chronologie

Er feiert, sie feiert

Fröhliche Feiertage. Fast. Oft klaffen die Vorstellungen von besinnlichen Weihnachtstagen weit auseinander. Die chaotische Chronologie eines Schlagabtauschs zwischen ihr und ihm.

Veröffentlicht am 24.12.2016
Ein Weihnachtsbaum wird geschmückt

Oh du fröhliche – oder eben auch nicht.


1. Advent

Sie bastelt seit Oktober an einem personalisierten Adventskalender inklusive selbst gebackenem Lebkuchen und Old-School-Mixtape mit den Top-Songs aller Konzerte, auf denen sie je waren.

Er steckt eine Packung Hubba Bubba in ihre Stiefelette, zwei Tage nach Nikolaus.

2. Advent

Sie hat sich vorgenommen, dieses Jahr jedem Streit aus dem Weg zu gehen.

Er geht ihr aus dem Weg, weil sie sicher Streit sucht.

3. Adevent

Sie erlaubt sich im Advent ab und zu ein veganes Dinkelplätzchen. Das große Schlemmen kommt ja noch.

Er streichelt zufrieden seine Wampe, denkt an die nahende Weihnachtsmann-Performance und sagt: „Hollywood nennt das Method Acting.“

4. Advent

Er präsentiert ihr stolz die buschige Tanne (die eigentlich eine Fichte ist), die er mit eigenen Händen geschlagen hat.

Sie überlegt, womit sie die Lücke in der Hecke im Frühling bepflanzen könnte (ein Laubbaum wäre gut).

Ein Tag vor Weihnachten

Sie verleiht ihren verpackten Geschenken mit Federn, Perlen, Nüssen und einer Heißklebepistole den letzten Schliff.

Er wühlt derweil im Altpapier nach Zeitungen. Die tun’s doch auch.

Bescherung

Er sagt: „Das muss ich mir mal genauer ansehen.“

Sie sagt: „Nun gib den Kindern doch endlich die Konsole zurück.“

Bescherung, die Zweite

Er sagt: „Aber du hast doch selber vorgeschlagen, dass wir uns zu Weihnachten nichts mehr schenken.“

Sie sagt: „Ja, aber seit wann machst du, was ich dir vorschlage?“

Weihnachtsdinner

Sie hatte sich das alles irgendwie festlicher vorgestellt.

Er findet, nach dem Essen darf man wieder Jogginghose tragen.

Nach der Christmette

Schwiegereltern weg, Kinder im Bett, er streckt sich auf die Couch und strahlt: Im TV läuft „Stirb langsam“. 

Das Wohnzimmer versinkt im Zeitungsgeschenkpapier, die Kinder streiten sich um die Konsole. Sie legt sich auch auf die Couch – und stirbt langsam.