Einmischen, oder?

Wenn Freunde schlechte Eltern sind

Wenn ein befreundetes Ehepaar sehr harsch mit dem eigenen Kind umgeht, stellt sich die Frage, ob Erziehung tatsächlich Privatsache ist. Sollte man da wirklich nur zusehen?

Veröffentlicht am 29.11.2016
Junge sitzt auf Wendeltreppe


Die Treffen mit einem befreundeten Paar sind sehr anstrengend ge­worden. Uns stört, dass sie mit ihrem Sohn ziemlich autoritär umgehen und auch laut werden. Sollen wir etwas sagen?

Erziehung ist Privatsache, klar, und wenn das Kind anwesend ist, sollten Sie das Thema ohnehin besser ausklammern. Aber in einem ruhigen Moment können Sie mit dem Elternteil reden, zu dem Sie den besseren Draht haben. Sprechen Sie von sich. Etwa: „Mir fällt auf, dass ihr oft streng und laut seid. Das kenne ich aus meiner Kindheit, da bin ich extrem sensibel.“

Eltern mit diesem Erziehungsstil wollen alles in den Griff kriegen. Dabei fallen sie mitunter in Verhaltensmuster ihrer Eltern oder Großeltern zurück. Meistens ist das ein Zeichen von Überforderung. Vermutlich ist Ihre Freundin froh, dass sie mal darüber sprechen kann, wie stressig der Alltag mit Kind ist. Wenn Sie Zeit und Lust haben, könnten Sie sich doch für ein paar Stunden als Babysitter anbieten. Davon würden alle profitieren. Sind Ihnen die Freunde nicht ganz so wichtig, können Sie auch auf Distanz ­gehen und abwarten, ob sich die Spannungen legen.