Trendspielzeug Fidget Spinner

Wie konnte es nur so weit kommen?

Der Fidget Spinner hat in diesem Jahr nicht nur Kinder durchdrehen lassen. Dabei ist unser Spieltrieb seit der Antike ungebrochen. Eine kleine Kulturgeschichte der Trendspielzeuge.

Veröffentlicht am 02.10.2017

Fidget Spinner!


500 v. Chr.

Auf einer antiken Vase sehen wir Ganymed, schönster aller Hirtenknaben und wohl auch deshalb Zeus’ Liebling, der einen Reifen rollt. So weit, so griechisch. Der Hype entsteht erst 1958, als die kalifornische Firma Wham-O einen Kunststoffring bewirbt und in vier Monaten 25 Millionen Hula-Hoops verkauft. Wer den Schwierigkeitsgrad erhöhen will, geht mit dem hüftumkreisenden Ding laufen. Paul „Dizzy Hips“ Blair hält den Rekord über zehn Kilometer in 1:06:35 Stunden.

1945 bis 1996

Jede Generation hat ihr Lieblingsspielzeug. 1945 steigen die ersten Slinky-Federn ziemlich unspektakulär Treppen hinab. Trotzdem: ein Eyecatcher. Der Zauberwürfel des Ungarn Ernő Rubik, der sich in 43 Trillionen (!) Stellungen drehen lässt, ist ab 1974 die Enttäuschung für jedes Kind auf der Suche nach einem schnellen Spaß. Von 1989 an klemmt zwischen Tetris spielenden Daumen der Gameboy, und ab 1996 stirbt jede Minute irgendwo ein Tamagotchi, weil vergessen wurde, das virtuelle Küken zu füttern.

Heute

Menschentrauben, die auf Smartphones starren. 2016 generell nicht ungewöhnlich – dass die Pokémon Go-Maniker auf der Jagd nach possierlichen Monstern den öffentlichen Nahverkehr lahmlegen, hingegen schon. 750 Millionen Downloads und etliche Unfälle später spinnen die nächsten: Fingerkunststücke mit dem Fidget Spinner, sprich „Zappeldreher“, sollen seit Anfang des Jahres unseren Spieltrieb befriedigen. Zehn Millionen YouTube-Videos zeigen, wie das geht. Was das Plastikpropellerteil kann? Sich drehen. Und alle drehen durch.