Der Valentinstag

Wie konnte es nur so weit kommen?

Der Valentinstag – eine Idee der Werbeindustrie? Quatsch. Naja, zumindest nicht nur. Das Fest der Liebenden hat eine lange, fragewürdige Tradition.

Veröffentlicht am 13.02.2017
Valentinsgruß

Ein Liebesgruß in Kartenform.


700 v. Chr.

Man nehme einen toten Ziegenbock, ein paar halb nackte Priester und ausreichend Fell, in handliche Riemen geschnitten. Und ab geht die Post bei den Lupercalien, dem Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest zu Ehren des Herdengottes Faunus, das im alten Rom Mitte Februar gefeiert wird. Mit den Riemen lassen sich dann verheiratete Frauen von den Männern zärtlich verdreschen, um sich den Ehesegen abzuholen.

269 n. Chr.

Valentin von Terni ist ein hoffnungsloser Romantiker: Der junge Bischof traut in Rom gegen den Willen des kriegsverrückten Kaisers Claudius II. heimlich Paare nach christlichem Brauch. Als Geschenk gibt es handgepflückte Blumen aus seinem Garten. Am 14. Februar 269 wird er dafür hingerichtet. Weil die Kirche Märtyrer mag, spricht sie Valentin heilig. Seitdem hilft er bei Verlobung, Heirat und jungfräulicher Unschuld, bei Wahnsinn, Epilepsie und: Er schützt Imker. Ein vielseitiger Bursche.

14. Jahrhundert

Nach mittelalterlicher Vorstellung halten die Vögel am Valentinstag Hochzeit, was den englischen Dichter Geoffrey Chaucer 1374 zu 100 Strophen Balz-Lyrik inspiriert: Im „Parlament der Vögel“ schwankt die Adlerdame zwischen drei Verehrern, während der Kuckuck ein Loblieb auf die Promiskuität pfeift – klar. Chaucer reimt weiter, er kenne die Liebe nur aus Büchern. Und das von einem 40-Jährigen, der zu diesem Zeitpunkt schon 15 Jahren verheiratet ist …

1900 bis 1950

Die Welt hüllt sich in Rosarot: Im ausgehenden 19. Jahrhundert schicken sich liebestolle Briten üppig dekorierte Herzkarten. Englische Immigranten bringen den Brauch in die Vereinigten Staaten und nach dem Zweiten Weltkrieg führen ihn US-Soldaten in Westdeutschland ein. Nürnberg feiert 1950 den ersten „Valentinsball“. Floristen und Zuckerbäcker nehmen Witterung auf.

2017

Heute fliegt die Lufthansa Cargo jedes Jahr über 1000 Tonnen Rosen nach Deutschland, um deren Reste sich dann panische Männer kurz vor Ladenschluss im Blumenladen kloppen. Ihre Frauen zwängen sich derweil in die neueste Auswahl von Strapsen und Miederhöschen in Liebesrot oder aus essbarer Schokolade, in der Hoffnung, vernascht zu werden.

Wer es origineller mag: Online-Portale bieten zum Hochfest der kommerzialisierten Liebe auch Komplettpakte an. Da steht dann sowas wie: „Wenn Sie sich beim Candle-Light-Dinner tief in die Augen schauen, haben Sie vorher besser geübt zu schielen.“ Denn: Statt Doppel- gibt es Trippelbett im progressiven Romantik-Kurzurlaub. Damit die Überraschung vollends gelinge, solle man einfach anbieten, die beste Freundin gleich mitzunehmen. „Wer wäre da nicht begeistert?“, fragt der Anbieter. Wir wissen, wer.