Die Geschichte des Brots

Wie konnte es nur so weit kommen?

So vielseitig, so lecker: Die Geschichte des Brots, vom Ur-Korn bis zum Cloudbread-Trend. Serviert in vier Scheiben.

Veröffentlicht am 29.12.2017
Brot


3000 v. Chr.

Die Kruste knackt. Die Krume schmiegt sich weich an den Gaumen. Und der betörende Duft von frisch Gebackenem lullt einen in das wohlige Gefühl von Nachhausekommen und unkündbarer Kohlenhydrat-Liebe ein. Nun ja, fast. Im alten Ägypten trocknet vielmehr Körnerpampe aus zerstoßenem Emmer oder Einkorn und Wasser auf einem heißen Stein zum Fladen. Später lassen die Nil-Anwohner den Teig zumindest noch gehen, damit Hefepilz und Milchsäurebakterien gären können – und kriegen so 30 Sorten gebacken.

Ur-Korn Emmer

Antike: Das Ur-Korn Emmer wird heute von Nostalgikern wieder angebaut.


1. Jh. bis Mittelalter

Brot wird Grundnahrungsmittel – und zum Mythos, weil es sich auf so vielen Bedeutungsebenen kauen lässt. Zur Verbrüderung à la letztes Abendmahl und um politischen Krisenentgegenzubacken wie im Römischen Reich. Den Ausdruck „Brot und Spiele“ nehmen Raubritter auf der mittelalterlichen Stolzenburg in der Eifel allerdings zu wörtlich: Mit harten Laiben wird hier gekegelt. Klarer Fall von „Brotfrevel“. Weshalb der Herrgott der Sage nach die Burg versenkt.

Das letzte Abendmahl

30 n. Chr.: Aus dem Akt des Brot teilens leitet sich heute das französische Wort für Freund ab: „copain”


18. Jahrhundert

„Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Brioche essen“, soll Marie Antoinette vorgeschlagen haben, als das hungernde Franzosenvolk vor ihrem Palast jammert. Nett gemeint – kostet sie trotzdem den Kopf. Denn: Brot ist nicht gleich Brot. Papadam (aus Linsenmehl) und Tortillas (aus Maismehl) in allen Ehren. Heute gibt es in Frankreich ein striktes Reinheitsgebot für das baguette de tradition française: Weizenmehl, Wasser, Salz, Hefe. Voilà.

Brioche, aufgeschnitten

18. Jh.: „Sollen sie doch Brioche essen!” Dieser Satz soll Marie Antoinette nicht gut bekommen sein.


Heute

3188 Sorten registriert der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks und lässt deutsches Brot auf die Liste des immateriellen Unesco-Weltkulturerbes setzen. In Zeiten von geschmacksarmem Low Carb und geschmacksfreiem Cloud Bread (glutenfreies Brot ohne Kohlenhydrate, dafür aus Eiern, Frischkäse, Backpulver und Honig, hmm …) kann man sich davon eine Scheibe abschneiden. Butter drauf. Fertig.

Brotzeit-Bar

Heute: Brotzeit (an der Bar) ist wieder in und heißt auf schwedisch „smorging”