Dorothee Schumacher im Gespräch Wir machen Mode, weil sich Frauen darin wohlfühlen

Eine schulterlange Mähne rahmt ihr Gesicht - perfekt frisiert und hochglänzend, wie in einer Shampoo-Werbung. Die braunen Augen umgeben winzige Lachfältchen. Die ruhige Melodie ihrer Stimme untermalen filigrane Hände, die Nägel kurzgeschnitten und unlackiert. Ihre Sätze schließt Dorothee Schumacher stets mit dem strahlendsten Lächeln. So auch in unserem Interview

Nervös ist Dorothee Schumacher bei Interviews nicht mehr. Sie ist Profi, spielt bei den Großen mit - ihr Name wird in einem Atemzug mit Dior und Prada genannt. Schumacher-Shops pflastern die Welt, Firmensitz ist aber immer noch Mannheim. Bescheiden und herzlich ist sie geblieben, einnehmend und unkompliziert. Nach unserem Händedruck lässt sie meine Hand nicht los, bis wir uns zum Interview hingesetzt haben. In die noch dunkle Front Row kurz vor der Show.

myself.de: Toll, dass wir in der ersten Reihe das Interview führen. So etwas hatte ich noch nie, man fühlt sich gleich so glamourös.

Dorothee Schumacher: Ja, finde ich doch auch! Ich muss ganz ehrlich sagen, das hatte ich auch noch nie (lacht). Aber man muss manche Dinge einfach machen. 

Haben Sie heute gut geschlafen?­

Ich habe kurz geschlafen, aber wunderbar.

Sind Sie aufgeregt? Und sind Sie jedes Mal noch aufgeregt?

Ich merke schon, dass ich jetzt aufgeregt bin. Gestern Abend war ich noch auf zwei Events, und da wurde ich gefragt: "Wie kann das sein, dass du jetzt noch unterwegs bist? Du hast doch morgen deine Show?"  Es ist aber im Grunde das schönste Kompliment an mein Team, dass ich jetzt hier draußen bin und strahle. Das kann ich nur, weil ich hinter mir ein Team habe, bei dem jeder Handgriff sitzt.

Ein Team, auf das Sie sich hundertprozentig verlassen?  Nach dem Motto "Die machen das schon?"

Ich habe ein sehr erfahrenes Team.  Für jedes kleinste Detail gibt es jemanden, der sich dafür verantwortlich fühlt und auch über den Tellerrand hinaus schaut. Und dennoch bin ich heute Morgen  aufgeregt,  dieser "Venue", dieser ganze "Place", dieses Logo, wie es gerade hier auf dem Runway angestrahlt wird - natürlich ist es etwas ganz Besonderes. Gleich wird die Kollektion gezeigt, an der wir ein halbes Jahr mit all unserer Liebe gearbeitet und gefeilt haben, da ist etwas Aufregung dabei. 

Kann denn jetzt noch etwas schiefgehen? Oder ist alles in trockenen Tüchern?

Ja (lacht), ich würde sagen, es ist alles in trockenen Tüchern und ich freue mich wirklich auf die Show.

Was denken Sie, wenn das erste Model kurz davor ist, den Laufsteg zu betreten? Was empfinden Sie da? 

Da spüre ich nur noch meinen Herzschlag und wie alles in mir brodelt. Es ist ein magischer Moment. Vor allem weil ich weiß, dass hier im Fashion Week Zelt die engsten Schumacher-Menschen sitzen, Menschen, die Schumacher mit dem Herzen begleiten und freudig warten. Und diese Freude, diese Energie kommt irgendwie auch im Backstage-Bereich an. 

Nicht nur das Publikum freut sich auf Schumacher, auch die Models laufen gern für Sie.

Natürlich freut es sehr, wenn einem die Models wie heute Morgen sagen "Es ist so schön, bei euch zu sein."  Sie wissen ganz genau worum es geht und transportieren gern diesen coolen, straigten Forward-Look. Sie sind gern bei uns und das merkt man auch. Und wenn Sie dieses Positive in ihren Augen sehen und erleben, wie es 360 Grad rundherum um sie strahlt, dann macht es etwas mit Ihnen! 

Ich meine bei der letzten Show gesehen zu haben, dass Sie glänzende Augen hatten, als Sie die Models nach dem Defilee umarmten. Man hatte den Eindruck, dass Sie wirklich gerührt waren. Was bewegt Sie in so einem Moment?

Eben hat mir eines der Mädchen erzählt, dass es mit den Schuhen, die es von uns letztes Jahr als Geschenk bekommen und voller Stolz getragen hat, in der VOGUE China abgelichtet worden ist. Die Mädchen sind Botschafterinnen für Schumacher - und das nicht nur auf dem Laufsteg, sondern auch in ihren Herzen. Das ist einfach toll! Und natürlich freue ich mich über die Models, die jeden Tag mit meiner Mode so eng in Berührung sind.

Weil Sie Ihnen die Bestätigung für Ihre Mode geben?

Das mag sich lustig anhören, aber wenn mir Frauen sagen "Ich habe dein Piece, das ist mein Lieblingspiece, das hat mich begleitet, und ich habe damit meinen Tag gerockt oder ein Supererlebnis gehabt, oder bin angesprochen worden"  - das ist die Bestätigung, dafür machen wir Mode. Wir machen nicht Mode, weil wir Mode machen, sondern wir machen Mode, weil sich Frauen darin wohlfühlen. 

Sie sind also glücklich, wenn Ihre Trägerinnen glücklich sind?

Ja, das liebe ich. Weil dann die Frauen einfach schön sind. Wenn sie glücklich sind und sich gut fühlen, haben sie eine unglaubliche Kraft. Und wenn ich diese Kraft der Frauen sehe, dann löst das in mir etwas aus.

Die letzte Kollektion hatte den Titel "Virtual Romance". Wo ist Schumacher im Winter 2013/2014?

Der Name der Kollektion ist "Every Rose has its thron" - und das ist es, wie ich Frauen sehe. Als wunderbare Wesen in all ihren Stadien: Wenn sie Knospen sind und man schon sieht, wow, da wird sich etwas ganz Tolles entwickeln, die jungen Frauen, die gerade ihr Studium voller Leidenschaft und voller Vision abschließen, und auch als aufgeblühte Rosen in voller Pracht. Die Kollektion richtet sich an Frauen in all diesen Stadien, die zu sich stehen und ihrer femininen, weichen Seite treu bleiben – schon mit dem Bewusstsein, dass sie einen Stachel haben.

Die Dornen als modische Waffe der Frau?

Die Dornen sind allgegenwärtig. Bei der Rose und auch in der Kollektion - zum Beispiel als Brosche. Broschen sind insgesamt ein ganz großes Thema bei uns. I love them! (lacht) Aber das kann ich Ihnen nachher nochmal erzählen. 

Aber zurück zu den Dornen: Es ist wichtig zu wissen, dass wir unsere Stärke haben und diese Stärke auch einzusetzen. Je mehr uns unsere Stärke bewusst ist, desto weicher und strahlender können wir durch den Tag gehen.

Die Sixties-Silhouette spielt diesmal bei Schumacher eine große Rolle. Ist es Ihre Lieblings-Modeepoche, oder würden Sie das nicht so sagen? Oder gibt es da vielleicht sogar viele?

Ich glaube, ich hab keine Lieblings- Modeepoche. Ich finde es einfach toll, wenn Frauen schön sind und sich wohlfühlen. Und sie werden sich unglaublich wohlfühlen in diesen verlängerten Tunikas mit den schmalen Hosen. Das lässt sie sich gut fühlen, sich sinnlich fühlen.

Edelsteinfarben sind ebenfalls ein Thema bei dieser Kollektion, genauso wie Strukturen und  Oberflächen. Haben Sie ein Lieblingsteil? 

Also ich entwickle diese Kollektion über ein halbes Jahr mit dem Team (lacht).

Da kann man sich nicht für eins entscheiden?

Nein, jedes Teil ist durch unsere Hände mit all unserem Herzblut gegangen. Die Liebe steckt wirklich in jedem Teil. Eine Stylistin hat gestern etwas Wunderschönes gesagt: "Das ist eine Kollektion wie eine moderne Wardrobe für den nächsten Winter." Und so sehe ich die Kollektion. Jedes Teil hat seine Zeit und seinen Einsatz – manchmal etwas sportlicher und manchmal etwas glamouröser. Und jedes Teil ist wichtig, weil eins auf das andere aufgebaut wird. Wie soll ich da ein Teil "rauspicken"?

Aber wenn Sie sich morgens kleiden, dann müssen Sie ja auch etwas "rauspicken".

Heute Morgen habe ich etwas "rausgepickt", was mir gleich für den Laufsteg und auch jetzt für Interviews Halt gibt. Es ist ein früher Tag,  ein langer Tag, und von morgens bis abends bleibt kein Platz mehr, um sich groß umzuziehen. Deshalb habe ich mich für diesen neuen Look mit der schmalen Hose und der Tunika entschieden. Und einfach auch für ein Material, was mir Kraft gibt. 

Ein Material, das Ihnen Kraft gibt? Wie funktioniert das?

Wir haben in der Kollektion verschiedene technische Materialien, die sich eigentlich ganz cosy anfühlen, aber eine Power haben. Es gibt mir einfach Halt und Kraft. Und diesen Halt und diese Power möchte ich natürlich meinen Frauen mit auf den Weg geben – damit sie strahlen können in jeder Situation, die der Tag bereithält. 

von

UserKommentare
Mehrzum Thema