Martin Margiela ist ein Mysterium. Über die Person und das Leben des Designers ist wenig bekannt. Während sich andere Modeschöpfer von Karl Lagerfeld bis Marc Jacobs als schrille Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens inszenieren, versteckt sich Margiela von Beginn an hinter seinem Werk. Es gibt keine Bilder, kaum eine Biografie.
Er gilt als Vorreiter der sogenannten "Antwerp Six" und prominentes Mitglied der ersten Welle der neuen belgischen Avantgarde-Designer in den 1980er Jahren, einer Riege von damals neuartigen und bahnbrechenden Konzeptionisten, revolutionär und experimentell. Doch während seine Zeitgenossen in Antwerpen blieben, ging Margiela nach Paris. Drei Jahre war er Schüler von Jean Paul Gaultier, danach Chefdesigner bei Hermès, bevor 1998 schließlich das Maison Martin Margiela gegründet wurde.
Die erste Schau war ein Riesenerfolg. In weiß gekleideten Räumen eines alten Pariser Theaters tranken die Gäste Rotwein aus weißen Plastikbechern und betrachteten folgende Inszenierung: Mit Recycling-Entwürfen bekleidete Models mit rot getunkten Wollstrümpfen hinterließen Fußspuren auf dem mit weißem Bauwollstoff bezogenen Boden - einem Baumwollstoff, den Margiela in seiner nächsten Kollektion zu Kleidungsstücken verarbeitete. Die Kleider aus zerlegten und deplatziert wieder zusammengesetzten alten Kleidungsstücken fanden schnell Eingang in die Modepresse: Margiela avancierte augenblicklich zum Genie und Enfant terrible der Modewelt. Er machte die Kleidung selbst, ihre Bedeutung und ihr Bezugssystem Mode zum Thema seiner Kreationen, prägte den Begriff der Dekonstruktion.
Inzwischen wird das Label ohne Martin Margiela geführt. Doch noch immer steht das Maison für außergewöhnliches, dekonstruktives und sperriges Design - geschätzt und getragen von der intellektuellen Elite. Umso überraschender die Kollaboration mit einer Massen-Modekette. Geplant ist eine Kollektion für Damen und Herren, inklusive Accessoires. Man darf gespannt sein, ob die "Tabi-Schuhe", Margielas von japanischen Arbeitsschuhen inspiriertes Markenzeichen mit getrennter Zehenpartie und rundem Blockabsatz, mit in die H&M-Kollektion einfließen werden. Ob die Entwürfe massentauglich sind, wird sich am 15. November zeigen.
Die Präsentation der Margiela-Kollektion für H&M
