Marcel Ostertag im Interview Über Inspiration, Cocktailkleider und Rosen

Seine Mode ist ebenso schillernd wie seine Person. Die Kleider - verführerisch glänzend, die Kundinnen - wohlhabend und glamourös, und auch Marcel Ostertag selbst ist eine Erscheinung. Kein Wunder, dass der extrovertierte Designer es sich nicht nehmen lässt, die Entwürfe höchstpersönlich auf dem Catwalk zu präsentieren. Diesmal eröffnete und schloss der Münchner Modemacher seine Show auf der Berlin Fashion Week und lief gleich zweimal zu Beginn und zum Finale der Präsentation über den Laufsteg. Wir haben Ostertag über die neue Kollektion, seine Inspiration und das modische Spiel der Geschlechter befragt

myself: Sie kommen aus Bayern, studierten zunächst an der Esmod in München, wechselten dann nach London ans renommierte Central St. Martins College, um nach dem Abschluss mit Auszeichnung in den Süden Deutschlands zurückzukehren. Wieso wählten Sie München und nicht Berlin?

Marcel Ostertag: In München fühle ich mich zu Hause. Durch meinen Beruf bin ich sehr oft unterwegs. Deswegen habe ich als Home Base eine Stadt gewählt, die nicht nur charmant und schön ist, sondern auch noch mit der zentralen Lage punktet. Von München aus bin ich sofort in Milano, Wien, Paris. Außerdem bin ich kein Berlin-Fan!

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Moderner Glamour trifft auf perfekte Verarbeitung.

Welche Situationen, Menschen, Orte oder vielleicht auch andere Designer inspirieren Sie?

London, Grace Jones, Rick Owens ... und natürlich Mutter Natur. In der Natur findet man so viele Facetten von Farben und Strukturen. die ich sehr inspirierend finde.

Einflüsse aus den 70er und 80er Jahren finden immer wieder Eingang in Ihre Kollektionen. Welche Rolle spielt Retro bei Ihren Designs?

Ich betrachte meine Recherche in den späten siebziger Jahren immer unter einem sehr modernen Blickwinkel. Mir geht’s dabei überhaupt nicht um Retro, sondern mehr um den Lifestyle, den die Frauen damals geführt haben: Glamour, Partys, Cocktail-Empfänge, Vernissagen, Lebensgefühl!

Das Label gibt es seit 2006. Wo geht es in Zukunft hin?

Ich plane nicht großartig. Sicher gibt es Vorstellungen und Ideen, wie ich mir die Entwicklung meines Labels in Zukunft wünsche. Allerdings finde ich, dass man über ungelegte Eier nicht sprechen sollte.

Ihre Mode wird oft als Zusammenkunft von femininen und maskulinen Elementen beschrieben. Was fasziniert Sie an der Gender-Frage in der Mode?

Das Spannende beim Spiel der Geschlechter sind für mich der Machtkampf und das Rollenspiel. Ich mache Mode für starke, selbstbewusste Frauen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und durch Power und Lebenslust leuchten. Und meine Kundinnen lieben ihrerseits meine Kollektion, weil es mir mit meinen Entwürfen gelingt, sehr weibliche Kleidung mit maskulinen Elementen noch interessanter zu machen.

Tradition oder Moderne? Was liegt Ihnen näher?

Ich denke, eine gesunde Mischung von Tradition und Moderne ist der perfekte Weg, um zu leben und zu arbeiten.

Welche fünf Teile gehören in einen gut sortierten Kleiderschrank?

Ein Trenchcoat, das kleine Schwarze, eine Schluppenbluse, ein Pencil Skirt und eine Röhre.

Was ist Ihr persönliches Must-have für die Damenmode im Sommer 2013?

Nächstes Jahr wird das Jahr der unendlichen Cocktail-Einladungen, deshalb ein tolles Cocktailkleid.

Kurz vor der Show: Was geht Ihnen durch den Kopf? Könnten Sie das Gefühl bzw. die Gedanken kurz beschreiben?

Vor der Show bin ich komischerweise in einem sehr entspannten Zustand. Ich denke an die vergangenen sechs Monate, freue mich insgeheim schon auf die nächste Kollektion. Ich entwickle mich persönlich sehr schnell weiter, deshalb schmiede ich meistens in Gedanken schon Pläne für die nächste Saison. Man überlegt, wie man sich noch verbessern kann, in welche Richtung man gehen möchte, etc. Eigentlich sollte ich kurz vor der Show ja total im Stress sein ... Bin ich aber äußerst selten.

Ihre Entwürfe sind oft konkreten Themen und Inspirationen gewidmet. Worum geht es Ihnen bei der Sommerkollektion 2013?

Die Spring/Summer 2013 Kollektion trägt den Titel "Girl with a rose". Die Kollektion ist sinnlich, sehr weich und verbindet perfekte Passform mit Cocktail-Glamour. Das Kernstück der Saison ist dementsprechend das Cocktailkleid. Es ist sehr bequem und kann dabei unglaublich sexy und glamourös wirken. Die Schnittführung ist bei einigen Modellen gemäß dem Kollektionstitel an die Form von Rosenblättern angelehnt. Auch in der Farbpalette findet sich das Thema wieder: von Rosen inspirierte, satte Rot-Nuancen treffen auf klassisches Schwarz, Beige und Nude.

Welche Rolle spielt die Berlin Fashion Week für Ihre Marke?

Wir haben diesmal bereits zum zehnten Mal gezeigt. Durch die Fashion Week sind viele tolle Kooperationen entstanden. Außerdem ist die deutsche Modewoche für eine Marke die beste Plattform, um Einkäufer, die Presse und auch Vip´s zu erreichen.

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