Michael Sontag im Interview 10 Fragen an den Nachwuchsstar

Er ist Modemacher, aber arbeitet wie ein Bildhauer; er ist gebürtiger Bayer, doch mit Herz und Seele Wahlberliner; er ist Nachwuchsdesigner und bereits ein Star am deutschen Modehimmel. Michael Sontag über Berlin, die Fashion Week und das sinnliche Spiel zwischen Körper und Stoff

myself: Auf der Mercedes Benz Fashion Week begann Ihre Erfolgsgeschichte, hier zeigten Sie Ihre erste Soloshow. Was bedeutet diese Veranstaltung für Sie?

Michael Sontag: Berlin ist mein Zuhause. Als ich vor zehn Jahren hierher kam, war die Modeszene eine ganz andere als heute. Durch die Mercedes Benz Fashion Week hat die Mode in Berlin die Chance bekommen, sich zu etablieren und zu professionalisieren. Für mich als in Berlin lebenden und arbeitenden Designer ist das eine sehr wichtige und weitreichende Tatsache.

Warum gibt es diesmal wieder eine Catwalk-Show, nachdem Sie sich in der vergangenen Saison für eine Installation entschieden hatten?

Ich spiele gerne mit den verschiedenen Arten, Mode zu präsentieren. Es ist ein Experiment. Im Herbst/Winter 2011/2012 hatte ich eine Präsentation, letzten Winter (2012/2013) ein Video. Es gefällt mir, unterschiedliche Formen der Kommunikation zu verwenden.

Was sind die zentralen Motive Ihrer Sommerkollektion für 2013?

Wie immer gibt es keine konkrete Inspirationsquelle. Wichtig ist mir das Zusammenspiel von Form und Farbe, von Körper und Stoff.

Welche Frau ist die ideale Trägerin von Michael Sontag? Haben Sie einen bestimmten Typ, vielleicht sogar eine konkrete Person im Hinterkopf, wenn Sie entwerfen?

Frauen, die mir im echten Leben begegnen, beeinflussen mich. Das können Freundinnen, Bekannte oder auch nur flüchtige Begegnungen sein. Trotzdem steht bei meinem Schaffensprozess eher die Ausarbeitung des Kleidungsstücks selbst im Vordergrund und nicht die Vorstellung einer bestimmten Person.

Sie zeichnen nicht, sondern lassen Ihre Entwürfe direkt an der Schneiderpuppe entstehen. Weshalb?

Ich mag die Unmittelbarkeit bei dieser Art zu arbeiten. Außerdem finde ich es sinnlicher, mit den Händen in der dritten Dimension - wie ein Bildhauer - zu arbeiten, als mit dem Stift auf dem Papier.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Kleid? Könnten Sie in groben Zügen den Produktionsprozess nachzeichnen?

Das kommt sehr stark auf das Kleidungsstück an. Ich entwickle das Stück an der Puppe, dann wird der Schnitt abgenommen und auf Papier übertragen. Anhand dieses Schnitts wird das Kleidungsstück dann probegenäht und probiert. Nun werden Änderungen festgehalten. Erst dann wird der erste Prototyp im Originalstoff genäht.

Wie kam es eigentlich zur Gründung Ihres Labels?

Mit meiner Diplomkollektion habe ich bei einigen Wettbewerben mitgemacht. Daraufhin gab es ein sehr positives Echo in der Öffentlichkeit. Ein halbes Jahr später bekam ich das Angebot, meine Meisterschülerkollektion in einer Soloshow auf der Fashion Week zu präsentieren. Die darauf folgende positive Resonanz hat mir Mut gemacht, mein eigenes Label zu gründen. Es war nicht wirklich geplant ...

Ihre Entwürfe werden oft als minimalistisch bezeichnet. Passt dieser Begriff auch auf Ihren privaten Lebensstil?

Nicht wirklich. Ich bin ein sehr zufriedener Mensch, würde meinen Lebensstil aber nicht unbedingt als minimalistisch bezeichnen.

Vogue-Chefin Christiane Arp schätzt die bestechende Einfachheit Ihrer Kleider und bezeichnet Ihre Mode als avantgardistisch und zugleich tragbar. Fühlen Sie sich richtig verstanden? Ist es das, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen möchten?

Der Grenzbereich zwischen Avantgarde und Tragbarkeit ist genau das, was mich interessiert. Es geht mir um außergewöhnlich geschnittene Kleidungsstücke aus besonderen Materialien, in denen sich die Trägerin besonders aber nicht verkleidet fühlt.

Sie gelten als der Nachwuchsstar der deutschen Mode. Wie geht es weiter für Michael Sontag? Streben Sie eine internationale Laufbahn an?

Auf jeden Fall.

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