Nachhaltigkeit auf der Berlin Fashion Week Green Showroom

Schon zum sechsten Mal präsentierte sich der Green Showroom parallel zur Mercedes Benz Fashion Week in Berlin - diesmal mit myself als exklusivem Medienpartner. 24 internationale High-End und Lifestyle-Labels stellten ihre Sommerkollektionen 2013 im luxuriösen Adlon Kempinki Hotel vor. Vor Ort haben wir die schönsten Showroom-Impressionen für Sie zusammengefasst und Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH, zum Interview gebeten

Die Location - luxuriös und anmutig, die darin gezeigte Mode - exklusiv, nachhaltig und fair. So kann die Idee des "Green Showroom" zusammengefasst werden. Neben dem High-End-Design und der hohen Qualität zeichnen sich die im Green Showroom gezeigten Kollektionen vor allem durch ökologisch korrekte Herstellung, soziale und faire Arbeitsbedingungen, die Unterstützung traditioneller Fertigung sowie durch Verwendung recycelter Materialien aus.

Zahlreiche Labels haben es unter diesen Aspekten in die luxuriösen Räume des Adlon geschafft, darunter Atelier Laure Paschoud, deepmello, Leibschneider, Royalblush, Ika Babel und Kaschuba Hommage, Schmidttakahashi sowie Studio Ecocentric. Neuzugänge sind Anne Gorke, Cocccon, Edelziege, Malli, Muriée, Elvis & Kresse, SeeMe, Flaviaanranha, Luiza Perea, Genaro Rivas, Halasi, Sarah Reinhard und My Biotiful Bag.

Detlef Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt, im Interview

myself: Wir befinden uns im Green Showroom im Berliner Adlon Kempinski Hotel. Können Sie in einigen Sätzen das Konzept dieser Veranstaltung erläutern?

Detlef Braun: Gerne. Sie kennen das Unternehmen Messe Frankfurt? Es ist eines der größten Messeunternehmen der Welt. Unser Schwerpunkt liegt vor allem im Bereich Textilien und Textilproduktion: Wir haben insgesamt über 40 Veranstaltungen, die wir weltweit im Textilbereich durchführen, ein Bereich, in dem wir bisher jedes Segment abgedeckt haben – bis auf eines: das Thema Mode und Konfektion. Deshalb haben wir uns gefragt, was sind für uns potenzielle Wachstumsgebiete und wo macht es Sinn, als Messeveranstalter einzusteigen. Und das Thema Nachhaltigkeit ist ein sehr großes potenzielles Wachstumsthema, das bisher noch nicht von dominanten Playern und Wettbewerbern besetzt war.

Also haben wir uns überlegt: Fangen wir von Scratch an oder gibt es bereits Marken und Veranstaltungen, die wir akquirieren können, um so mit einer besseren Ausgangsposition zu starten?  Nach einer intensiven Analyse haben wir vor zwei Jahren begonnen, die sogenannte "Ethical Fashion" zu kaufen, und zwar  sowohl die Marke als auch das Netzwerk, das wir zuerst in unsere Organisation in Paris integriert haben. Wir haben diese Show mittlerweile mehrmals durchgeführt, haben sie dann hier nach Berlin gebracht. Vor eineinhalb Jahren dann haben wir den Green Showroom, das Luxus-Pendant zur "Ethical Fashion" samt dem Team erworben und in das Portfolio der Messe Frankfurt integriert, so dass wir im Bereich nachhaltige Mode sowohl den Premium-Bereich als auch den Mainstream-Bereich abdecken. Hier sehen Sie das Ergebnis, mit dem wir sehr zufrieden sind. Die guten Wachstumsraten beweisen: Das Thema nachhaltige Mode wird immer angesagter und entwickelt sich immer interessanter. Also raus aus der klassischen Öko-Ecke hin zu einer Lifestyle-Richtung, die sich durchaus zeigen lassen kann und die man auch mittlerweile tragen kann.

Es ist grüne Mode, die Sie auf die Fahne dieser Veranstaltung geschrieben haben. Und genau unter diesem Aspekt kommen die Leute her und denken: das, was sie sehen, ist nachhaltig, ökologisch und fair. Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Aussteller aus?

Es gibt eine klare Zertifizierung, also gewisse Anforderungen, die potenzielle Aussteller erfüllen müssen. Von der Positionierung sind wir hier im Showroom eher im Premium-Bereich, von daher gibt es klare Zertifizierungskriterien, die wir mit einer Agentur durchführen. Es sind verschiedene Aspekte, die dort mit einfließen: das Thema Produktion, das Thema biologische Materialien, das Thema soziale Arbeitsplätze, Fair Trade spielt eine wichtige Rolle, traditionelle Herstellungsverfahren und das Thema recyclingfähige Materialien etc.  Es gibt einen großen Anforderungskatalog und wir haben eine weltweite Agentur, die das Ganze zertifiziert.

Das heißt, es ist gar nicht einfach, bei Ihnen reinzukommen? Im Green Showroom zu zeigen ist also so etwas wie ein Bio-Siegel im Fashion Bereich?

Ganz genau. Die Bewerber müssen gewisse Kriterien erfüllen, um sowohl bei der Ethical Fashion als auch im Bereich Green Showroom zugelassen zu werden. Es spielen weder Willkür noch ästhetische Gründe eine Rolle.

Es ist sehr elitär, was Sie hier darbieten. Der Green Showroom ist in die Berlin Fashion Week integriert, Sie sprechen also quasi dieses Publikum an, das sich die High Fashion im Rahmen der Modewoche anschaut. Und allein diese Location hier im Adlon – das ist schon alles sehr "Upper Class". Bestreben Sie damit dem alten, etwas angestaubten Image von nachhaltiger Mode entgegenzuwirken und das Thema Nachhaltigkeit ein wenig glamouröser zu gestalten?

Man sagt, Mode muss sexy sein. Mode wird mit einem gewissen Glamour assoziiert, das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Uns so eine Location verstärkt natürlich diesen Effekt. Von daher gibt es natürlich auch einen gewissen Magnetismus, das Publikum von Green Fashion ist inzwischen sehr lifestyleorientiert. Es ist eben auch dieser besagte Magnetismus, der eine ganz bestimmte Klientel anzieht.

Eine Klientel, die keine T-Shirts für 5 Euro haben möchte, sondern bereit ist für Qualität zu zahlen?

Richtig, hier decken wir die Spitze ab. Damit passt auch das Adlon Hotel wunderbar - es entsteht eine Synergie zwischen der Location und den hochwertigen Produkten, die hier präsentiert werden. Insgesamt eine runde Sache.

Und die letzte Frage: Was können wir in Zukunft erwarten? Was haben Sie mit dem Green Showroom geplant und wie geht es weiter?

Auf der einen Seite glauben wir, dass wir hier lange noch nicht das Ende der Fahnenstange gesehen haben. Es gibt zahlreiche große Marken, die das Thema Nachhaltigkeit sehr stark entdeckt haben. Ob es Sportmarken, Handelsorganisationen wie etwa H&M oder große Versandorganisationen sind, die mit dem Thema spielen - ich glaube, dass wir erst am Anfang der Bewegung sind. Und Messe Frankfurt hat schon immer zusammen mit der Industrie gewisse Plattformen und Trends entwickelt. Vor 20 Jahren haben wir zum Beispiel mit technischen Textilien begonnen. Heute ist die Techtextil Messe die größte und die schnellst wachsende Textilmesse weltweit, fast fünf Prozent der Gesamttextilien werden mit Tech-Textilien gemacht. Und im Bereich nachhaltige Mode sehe ich mich ähnlich, wie damals die Entwickler der Techtextil – als Vorreiter, der gemeinsam mit der Industrie, mit unserer Klientel und mit den Medien dieses Segment, das kein kurzfristiger Modetrend, sondern wirklich eines der großen Paradigmen der heutigen Zeit ist, zu entwickeln. Ich glaube, da kommt jetzt wirklich Bewegung rein.

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