Guide Michelin Wer ist die Herrin der Sterne?

Die Chefin des französischen "Guide Michelin" kommt aus Deutschland: Juliane Caspar über ihre geheime Mission

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Die gehobene Gastronomie ist fast eine reine Männerdomäne. Bei den Sternen hat allerdings eine Frau die Hosen an

Deutschland ist eben nicht nur Eisbein und Sauerkraut. Seit Jahren gehen hier die Sterne auf, 2011 bekam ein neuer Koch die Bestnote, in zehn Restaurants wurden zudem zwei Sterne vergeben (innerhalb von zwei Jahren kletterte die Zahl damit von 18 auf 32). Dass 2008 eine Deutsche im Mutterland des "Guide Michelin" Chefredakteurin wurde, beweist: Die deutschfranzösische Freundschaft lebt - auch in Sachen guter Geschmack.

myself Frau Caspar, Sie haben es in kürzester Zeit von der Kellnerin zur Chefredakteurin gebracht. Eine Bilderbuchkarriere.

Juliane CasparSie ist eigentlich typisch für Michelin, weil das Unternehmen hauptsächlich Leute aus der Gastronomie einstellt. Nach meiner Hotelfachlehre habe ich jahrelang in Restaurants im Service gearbeitet, in Deutschland, England, Frankreich, Italien, Südafrika. Das war gut für meine Sprachkenntnisse - und die Fähigkeit, in unterschiedlichen Umgebungen zurechtzukommen. Als Chefredakteurin ist ja auch Organisationstalent gefragt.

 Sie sind die erste Frau in dieser Position - und dann noch eine Deutsche. War das für viele Franzosen nicht ein Schock?

Meine Mitarbeiter haben die Entscheidung durchweg positiv aufgenommen. Auch die französische Presse war neutral. Man hat mir meine Chance gegeben. Der "Guide Michelin" ist ja auch nicht das Werk eines Einzelnen. Wichtig ist das Team.

 Die gehobene Gastronomie ist fast eine reine Männerdomäne. Drei-Sterne-Köchinnen können wir an einer Hand abzählen.

Das ist tatsächlich so. Obwohl es sehr große Unterschiede zwischen den Ländern gibt. In Italien zum Beispiel sind die Frauen wesentlich besser vertreten, auch auf der höchsten Ebene.

 Woran liegt das?

Vielleicht daran, dass die Familie dort nach wie vor eine große Rolle spielt, auch beim Arbeiten. Denn natürlich ist die Spitzengastronomie nicht familienfreundlich. Ich habe das selbst erlebt: Man arbeitet abends lang, an jedem Wochenende. Ist nicht leicht mit kleinen Kindern.

 Als Michelin-Chefin haben Sie eine enorme Verantwortung. Sie können Existenzen vernichten.

Wir treffen unsere Entscheidungen nie leichtfertig, sondern auf Grundlage kompletter Dossiers und den Testessen mehrerer Inspektoren. Aber: Der Leser des Michelin-Führers will nun mal verlässliche Informationen. Dazu gehört auch, einen Stern wieder zu streichen, wenn die Qualität nachlässt. Es ist eine Freude, ein Talent zu entdecken. Eine Auszeichnung wieder wegzunehmen ist viel schwieriger.

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von Interview Martina Meister

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