Star-Portrait Kann sie noch mal zaubern?

Im September erscheint der erste "richtige" Roman von J. K. Rowling. Erneut eine Sensation?

J.K. Rowling - hoch

Der 11. Januar 2007 war ein kalter grauer Wintertag und Joanne Kathleen Rowling die einsamste Frau der Welt. Sie hatte sich in eine Luxussuite des feinen "Balmoral Hotel" in Edinburgh zurückgezogen, weil sie für die letzte Etappe ihrer literarischen Reise, die 17 Jahre zuvor begonnen hatte, Ruhe brauchte. Schließlich wartete die ganze Welt seit Monaten fieberhaft auf den siebten, den letzten Band: "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Das Ende ihrer Buch-Saga lag seit Jahren, in groben Zügen fertig, aus Sicherheitsgründen in einem Safe. Keine Schreibblockade also - es war Abschiedsschmerz, den sie mit niemandem teilen wollte. 17 Jahre lang war Hogwarts, waren Voldemort, Harry Potter, Ron und Hermine das magische Universum für sie selbst und Fans in aller Welt, drehte sich alles um sprechende Bilder, Briefträger-Eulen, Zauberstöcke und Hauselfen. Und nun: Schluss. Punkt. Aus. Ende.

"Post-Potter-Euphorie"

Abschiede von Mammutprojekten sind hochemotionales Gebiet. Schmerz und Erleichterung vermengen sich zu einer explosiven Mischung. Und so fühlte sie sich zunächst befreit - sie nennt es "Post-Potter-Euphorie" -, als sie nach den berühmten letzten Worten "Alles war gut" ihren Computer zuklappte. Sie tanzte in ihrer Suite herum, kritzelte "J. K. Rowling hat in diesem Zimmer am 11. Januar 2007 Harry Potter and the Deathly Hallows zu Ende geschrieben" auf eine Marmorskulptur. Um dann, völlig unvermittelt, bitterlich zu weinen. Weil da auf einmal eine große Leere in ihr war. "Ich selbst war am allertraurigsten, als es zu Ende war", beteuert die 46-Jährige, "doch es war Zeit. Harry Potter war auserzählt. Er ist jetzt erwachsen und muss aus dem Haus."

"Er musste Waise sein"

Es war ihr intensivster und einsamster Moment zugleich, obwohl sie ihn selbst gewählt hatte. Denn natürlich hätte sie, die größte Bestsellerautorin aller Zeiten, bis an ihr Lebensende über Harry Potter, seine späteren Kinder, Enkel und Urenkel schreiben können. Aber "ein achter Band war einfach nicht mehr in mir", sagt sie. Etwas zu beenden, das so erfolgreich ist und weiterhin sein würde, das schaffen nicht viele. Zu sehr hat man sich an Erfolg und Geld gewöhnt. Aber Rowling ist die Ausnahme. Sie könnte die geschätzte Milliarde Dollar, die sie mit Büchern, Filmen und Merchandising inzwischen angehäuft hat, ohnehin zu Lebzeiten nicht ausgeben. Ihre Entscheidung hat vermutlich eher damit zu tun, dass ihr Erfolg auch mit Schmerz verbunden ist: In jener Dezembernacht 1990, als sie die ersten Zeilen von Harry Potter schrieb, starb ihre Mutter an Multipler Sklerose. Wenn J. K. Rowling, die im übrigen ihre Initialen nur deshalb benutzt, weil ihr Verlag einst der Meinung war, eine Kinderbuchautorin würde von Jungen nicht gelesen, von ihr spricht, fängt sie an zu weinen. "Sie war erst 45", sagt Rowling, "ich habe sie über alles geliebt und werde nie verwinden, dass sie all das nicht erlebt hat, was nach ihrem Tod in meinem Leben passierte." Folgerichtig also, dass der erste Harry-Potter-Band mit dem Verlust seiner Eltern beginnt. "Er musste Waise sein", sagt Rowling, "genau wie ich."

  1. 1Kann sie noch mal zaubern?
  2. 2Geheimnisvolle Aura

von Evelyn Holst

UserKommentare
Mehrzum Thema