Star-Portrait Geheimnisvolle Aura

Die Schriftstellerin über Privates und ihr erstes Buch für Erwachsene

J.K. Rowling Buch - hoch

"Schreiben ist mein Leben"

Nun ist Harry Potter Vergangenheit. Aber wie lebt es sich weiter nach dem Ende? Wie sieht ein Anfang aus, wenn der Horizont grenzenlos ist? Sie könnte ein Luxushotel an der Riviera kaufen oder eine Südseeinsel. Sie könnte den Regenwald retten oder aus jedem Land ein Kind adoptieren. Und was tut sie? Schreibt einen Roman für Erwachsene. Und geht damit das Risiko ein, dass es ein Flop wird. "Mein erstes Buch nach Potter könnte richtig schlecht werden", befürchtet sie selbst. "Die Leute werden es trotzdem kaufen. Das macht mich ganz schön unsicher." Warum sie es dennoch tut? "Weil ich nichts anderes kann", sagt die 46-Jährige, "Schreiben ist mein Leben." Wie dieses Leben konkret aussieht, davon weiß man nur wenig. Ein Team aus Assistenten, Beratern und Anwälten wacht wie ein wütender Zerberus über sie. Man weiß, dass Jessica, ihre Tochter aus erster Ehe, inzwischen 18 Jahre alt ist. Dass Rowling seit elf Jahren glücklich mit Neil Murray, einem Arzt, verheiratet ist, der optisch als Harrys älterer Bruder durchginge. Dass sie mit ihm zwei Kinder, David, 9, und Mackenzie, 7, hat. Ein spätes Eheglück, mit dem sie nicht gerechnet hat, aus Sorge, für Männer nur noch als Goldmarie reizvoll zu sein. "Ich habe gar nicht gemerkt, wie einsam und unter Druck ich mich fühlte. Und hatte dann das Riesenglück, einen Mann zu treffen, dem mein Geld völlig egal ist." Man weiß, dass sie in England und Schottland drei Anwesen besitzt, sich von Leibwächtern schützen lässt und beim Geldausgeben eine "mentale Grenze von 500 Pfund" hat. Dass sie nach all den Jahren, in denen Paparazzi ihr auflauerten, ihre Autogramme gefälscht wurden, nur noch ihre Ruhe haben wollte. "Ich bin ja keine Schauspielerin, die es in die Öffentlichkeit drängt", sagt sie, "ich bin Schriftstellerin, ich brauche Stille und Konzentration." Nach dem Abschiedsrummel zog sie sich deshalb zurück und schaffte es auch tatsächlich, dass nur ein privates Urlaubsfoto von ihr veröffentlicht wurde, auf dem sie in einem schwarzen Badeanzug im Meer planscht. Dass sie viele Millionen für die Anne Rowling Regenerative Neurology Clinic und für karitative Zwecke gespendet hat, hält sie am liebsten geheim.

Die Frau kann es sich leisten, tieferzustapeln als andere

"Es entspannt mich ungemein, dass ich die Abschlussrede, die an meinem College gehalten wurde, vergessen habe", kokettierte sie, als sie 2008 die Abschlussrede vor Studenten der Elite-Universität Harvard hielt. Wohl wissend, dass ihr Auftritt später bei Youtube millionenfach angeklickt werden würde. Als mittlerweile ziemlich gewiefte Geschäftsfrau hat sie dafür gesorgt, dass es den Zauberlehrling jetzt auf ihrer Website (pottermore.com) als Spiel und als Event in Disneyland gibt. Um im digitalen Zeitalter optimal gerüstet zu sein, hat sie 2011 ihren "Entdecker", den 70-jährigen Agenten Christopher Little, kurzerhand gegen den jüngeren Neil Blair ausgetauscht. Und obwohl die auf mehr als 150 Millionen geschätzten Potter-Prozente, die Little an Rowling verdient haben soll, eine gewisse Dankbarkeit voraussetzen müssten, gab es natürlich Streit. Erst in diesem Jahr kam es zu einer außergerichtlichen Einigung.

"Ich muss meine Marke schützen"

Gar nicht so leicht, J. K. Rowling zu sein. Jeder Atemzug löst einen Orkan aus, alles, was man anfasst, wird zu Gold. In der Branche ist sie als copyright hog (Urheberrechtsschwein) verschrien - ein weltweites Netz von Anwälten droht jedem, der sich in nicht genehmer Art über Harry Potter äußert. "Ich muss meine Marke schützen", mehr sagt sie dazu nicht. Auch ihr Umfeld lässt vorsichtshalber Informationen bezüglich des neuen Buchprojekts nur in homöopathischen Dosen durchsickern. Man könne noch nicht viel sagen, antwortet die Presseabteilung des Ullstein Verlags und verweist auf Rowlings Homepage. Immerhin bringt Ullstein das Buch zusammen mit Carlsen, dem Verlag der Potter-Bücher, bereits Ende September heraus. "Derselbe Stress wie bei Harry Potter! Wir wissen nur, wie das Buch heißt", sagt eine Verlagsmitarbeiterin. "The Casual Vacancy" (wörtlich übersetzt: "zufällig frei gewordene Stelle") lautet der Titel im Original, angekündigt als Weltbestseller. Es soll von einer englischen Kleinstadt handeln, hinter deren idyllischer Fassade durch den Tod eines Gemeindemitglieds ein Krieg ausgelöst wird. Politik statt Hokuspokus? Man darf auf den 27. September gespannt sein.

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von Evelyn Holst

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