Frau-TV Damenprogramm: Die neuen Bosse

Falls Sie sich mal wieder übers Fernsehen beschweren wollen - inzwischen haben bei vielen TV-Sendern Frauen das Sagen

Katja Hofem - quer

Die Geschäftsführerin: Katja Hofem, 42, ist Chefin des Frauensenders sixx

Hand aufs Herz, als Mann hätten Sie diesen Job doch nie bekommen, oder?

Natürlich hätte auch ein Mann den Job machen können. Aber es wäre schwierig geworden. Das hat sich schon bei der ersten Präsentation gezeigt.  Angefangen beim ursprünglichen Namen des Senders: FEM – keine Frau würde ihren Sender so nennen.

Klingt nach Schwangerschaftstest.

Genau! Und das Logo war rosa mit Blümchen. Sie können sich vorstellen, was für einen Aufschrei es bei den Männern gegeben hat, als ich mit dem Huhn  als Testimonial ankam. Das sei diskriminierend, unmöglich usw.

Wieso ausgerechnet ein Huhn?

Andere Kampagnenvorschläge wie Frau mit Gurkenmaske und Prosecco in der Hand, das waren die üblichen Klischees für mich. Wir mussten da noch was  draufsetzen, um Aufmerksamkeit zu erreichen und um zu zeigen, dass wir über uns selbst lachen können.

Wie viel Huhn steckt in Ihnen?

Eine Menge, wie in fast jeder Frau.

Ist die Sixx-Zuschauerin emanzipiert?

Natürlich, wir sind alle emanzipiert. Nur die Gesellschaft ist es noch nicht.

Wir sind die Gesellschaft – zumindest die eine Hälfte davon.

Frauen können heute theoretisch alles machen. Das Problem ist nur, dass Jobs immer noch auf männliche Lebenswelten zugeschnitten sind. Wer um 22 Uhr das Licht ausmacht, ist ein toller Hecht. Es gilt: Wer viel da ist, kann viel erreichen. Ich sehe das anders. Es gibt in Teilzeit arbeitende Frauen, die schaffen in einer Stunde, was andere in fünf Tagen nicht hinkriegen.

Fördern Sie Frauen?

Ja. Ich engagiere mich als Mentor. Wir können die gläserne Decke nur durchbrechen, indem wir die männlichen Codes knacken. Seit kurzem haben wir  den ersten weiblichen Vorstand bei ProSiebenSat.1. Es geht also in die richtige Richtung.

Woher kommt Ihr Selbstbewusstsein?

Das hatte ich nicht immer. Es beruht auf Erfahrungen und Erfolgen, auf Ideen, die funktioniert haben. Ich habe als Unterhaltungschefin von RTL 2 "Big Brother" nach Deutschland geholt. Das war damals eine echte Revolution. Allerdings hatten wir viel Gegenwind.

Warum merkt man bei Sixx so wenig von diesem revolutionären Gespür?

Mir geht es darum, zu unterhalten. Ich will das Fernsehen weder neu erfinden noch mit erhobenem Zeigefinger vor den Frauen stehen nach dem Motto: Ihr müsst alles hinkriegen! Den ganzen Stress mit Familie, Job – also die Mehrfachbelastung haben wir im Alltag sowieso. Außerdem haben wir bei Sixx gar nicht das Personal, um Sendungen wie "Mona Lisa" oder "Frau TV", die ich sensationell finde, zu produzieren.

Stattdessen berieseln Sie uns in Endlosschleife mit Wiederholungen von "Sex and the City" und "Grey’s Anatomy" …

Ich empfinde es nicht als ehrenrührig, die US-Frauenkultserien zu zeigen. Unser Programm soll einfach entspannen. Ich kann jederzeit einschalten. Es kommt immer etwas, das mir gefällt.

Sie waren vorher Chefin des Männerkanals DMAX. Worin besteht der Unterschied?

Frauenfernsehen ist einen Tick anspruchsvoller. Frauen sind nicht ganz so einfach gestrickt in ihren primären Fernsehinstinkten. Bei Männern geht es  um starke Bilder, Action, um den Effekt. Bei Frauen zählen die Geschichte, die Gefühle – und die Übertragbarkeit auf ihr eigenes Leben. Deswegen sind starke Frauenfiguren so wichtig.

Gibt es Männer, die Sixx schauen?

Wir haben etwa ein Viertel männliche Zuschauer. Den höchsten Anteil erreichen wir bei einem Kochformat: Jamie Oliver. Das schauen sogar mehr  Männer als Frauen.

Wissen Sie, dass laut einer Studie über die Hälfte aller Frauen lieber ein Jahr lang auf Sex als auf Fernsehen verzichten würde?

Wow! Ich würde gern mal die Männer dieser Frauen sehen.

Wer hat bei Ihnen zu Hause die Fernbedienung in der Hand?

Meistens ich, aber wir sind ja auch erst ein halbes Jahr verheiratet.

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von Nike Vlachos

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