Mads Mikkelsen Liebeserklärung an den schönsten Dänen

Uneitel, lässig, großartig. Warum ist der dänische Schauspieler immer noch ein Geheimtipp?

Mads Mikkelsen Kinoplakat "Jagten" hoch

In "Jagten" ist Mads Mikkelsen das nächste Mal auf den deutschen Kinoleinwänden zu sehen. Filmstart: 28. März 2013

Lieber Mads,

ich muss mich bei dir bedanken. Heute war einer dieser Tage. Ein Tag, an dem es dauerregnet, das Fahrrad einen Platten hat und im Büro nur doofe Arbeit wartet. Aber dann fiel mir dieses Foto von dir in die Hände. Himmel! Dieser Blick. Geradeaus, durchdringend, scheiß drauf. So ein Blick, bei dem Frauen jegliche Gegenwehr vergessen – und den Regen erst recht. Dabei sieht es aus, als hättest du zufällig vor dem Fotografen gestanden: null Pose, pure Haltung. Wangenknochen, mit denen man Steaks schneiden könnte, ein Dreitagebart, der dir vermutlich innerhalb von fünf Minuten wächst, und ein Grinsen, so spöttisch, dass man sich sofort schmutzige Witze für dich einfallen lassen will.

Ich schätze, wenn du trinkst, dann nur Klares. Dabei fällt mir deine Dankesrede in Cannes ein, als du im Mai den Preis als bester Darsteller für "Jagten" bekommen hast: "Ich spreche kein Französisch. Außer ich trinke, aber das geht jetzt ja nicht", fingst du an, in einwandfreiem Französisch. Du nimmst dich nicht furchtbar ernst. Nie käme es dir in den Sinn, dich in den Vordergrund zu stellen, Dich aufzuplustern, Lob einzufordern. Mit dem Ergebnis, dass man dich selbst in kleinen Rollen sofort bemerkt. Auch das macht dich zu einem großen Schauspieler.

Am besten bist du immer dann, wenn es an die Nieren geht, dir und uns. Weil du keine Angst davor hast, zu erforschen, was uns Angst macht. In "Jagten" spielst du einen Kindergärtner, der fälschlicherweise für einen Pädophilen gehalten wird. Der Film wird erst im Frühjahr ins Kino kommen. Bis dahin schaue ich "Dänische Delikatessen" an, "Für immer und ewig" oder "Casino Royale".

Bei einer Filmpremiere habe ich dich vor zwei Jahren mal interviewt. Der Film war schlecht, kann vorkommen, aber du warst wie immer gut. Du bist in einem überdekorierten Berliner Hotel gesessen, lässig, in irgendeiner Jeans, und hast von jeder Kippe vorm Anzünden den Filter auf eine so unwiderstehliche Art abgerissen, dass der Vorschlag, Filterlose zu kaufen, lächerlich gewesen wäre. Weil du so kluge Dinge über Dänemark zu sagen hattest, haben wir 20 Minuten über dieses Land geredet, aus dem wir beide kommen. Am Ende sagtest du: "Grüß deine Mutter schön von mir."

Ach, die Dänen! Vielleicht sind sie das glücklichste Volk der Welt, weil dort Männer wie du leben.

von Marlene Sørensen

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