Depression Wer bin ich ohne dich

Ursula Nuber hat ein wertvolles Buch über und für Frauen geschrieben, die unter Depressionen leiden oder aber geradewegs in die Krankheit hineinsteuern. Es ist kein klassischer Ratgeber, sondern eine umfassende Bestandaufnahme zu einer Krankheit, die in der Gesellschaft noch immer tabuisiert wird. Das Buch wird den betroffenen Frauen helfen, das Schweigegelübde zur eigenen Depression zu brechen.

Ursula Nuber - Wer bin ich ohne dich? - quer

Wenn die weibliche Seele zerbricht

In ihrem Buch "Wer bin ich ohne dich" geht Ursula Nuber der Frage nach, warum Frauen doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Männer. Akribisch deckt die Diplom-Psychologin und stellvertretende Chefredakteurin von "Psychologie heute" die krankmachenden Faktoren im sozialen Umfeld der Betroffenen auf. Und kommt zum Schluss, dass vor allem Beziehungsprobleme ursächlich sind.

Märchen statt Mythen

Der Beginn des Buches ist im Wortsinne märchenhaft. Alspassende Analogie für depressive Erkrankungen von Frauen zitiert Nuber das Grimm-Märchen "Rumpelstilzchen". So wie die Müllerstochter sich den Forderungen des eigenen Vaters, des Königs und vor allem des bösen Männchens hoffnungslos ausgeliefert sieht, so ohnmächtig stehen viele Frauen heutzutage den Anforderungen und Verpflichtungen in Job und Familie gegenüber.

Das Märchen vom Mädchen, das Stroh zu Gold spinnen soll, ist in "Wer bin ich ohne dich?" aber weit mehr als nur ein bildlicher Einstieg. Es dient als roter Faden, anhand dessen Nuber ihre Argumentationskette aufzieht – von der Ursachenforschung bis hin zu den Auswegen aus der Krise gegen Ende des Buches. Dazwischen entzaubert sie viele Mythen zum Thema "Depression", wie beispielsweise die "Modekrankheit" Burn-out, deren einziger Unterschied zur Depression in der wohlwollenden Bezeichnung liegt ("Burnout adelt, Depression stigmatisiert").

Schlechte Beziehungen machen krank

Die wichtigste Erkenntnis des Buches lautet: Nicht Stress, hormonelle Veränderungen oder genetische Veranlagung sind die Triebfeder für depressive Erkrankungen. Sie sind nur verstärkende Elemente, so Nuber. Vielmehr führen dauerhafte schlechte Beziehungen und traumatische Erfahrungen der Kindheit, die scheinbar plötzlich zum Ausbruch kommen, zur seelischen Erschöpfung. Dass es sich bei dem "Plötzlich" um einen langen Prozess handelt, bleibt Außenstehenden meist verborgen. Nuber aber kennt die Gemeinsamkeiten der Krankengeschichten. Fehlendes Vertrauen in andere und in die eigene Stärke spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Wege aus der Krise

Sachlich und überzeugend zeigt Nuber in ihrem Buch, wie Frauen in die seelische Sackgasse geraten und wie sie auch wieder hinausfinden. Der erste Schritt dazu heißt: Die Krankheit annehmen und als Impuls für Veränderungen heranziehen. Dafür ist es wesentlich, so Nuber, dass sich Frauen als wertvoll und leistungsfähig annehmen: "Frauen, die depressiv erkranken, sind im Grund starke Frauen".

 

von Oliver Ibelshäuser

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