Guten Tag, ich bin eine Eule und mag die Nacht. Das ist an sich kein Problem. Man schläft eben später ein. Das Problem beginnt, sobald auch das nicht klappt. Es ging schon in der Schule los. Ich fand es grausam, um sieben Uhr morgens aktiv zu sein. Es war mein erster Konflikt mit den Öffnungszeiten dieser Welt. Wer gegen seine innere Uhr aufstehen muss, muss nämlich auch dagegen einschlafen.
Wenn das nicht auf Anhieb funktioniert, entwickelt man ein Einschlafbeobachter-Ich, das bald kontraproduktive Klassiker denkt wie: "Verdammt, ich sollte dringend schlafen." Auf Druck, schon leicht gereizt - fast ein guter Witz, wenn es keine Plage wäre. Denn schwer einzuschlafen bedeutet, dass man weniger schläft. Weniger gut, weniger tief. Das führt zu Erschöpfung - schließlich ist Schlaf ein Lebenselixier.
Mit den Jahren wurde es schlimmer. Ich legte mich mit den besten Absichten hin, weil scheinbar alles stimmte: Müdigkeit und Schlaflust. Kaum in der Horizontalen, war ich wieder in der Warteschleife. Auf den Schlaf warten wie auf einen Zug. Einerseits entspannen, andererseits nicht die Durchsage verpennen, dass der Zug bald fährt. So fühlte sich das an. Da ich öfter durch Schlafstörungs-Seiten surfte, wusste ich, dass ich damit nicht allein bin. Viele kennen diese Angst vor den uferlosen Minuten.
Es gab Nächte, in denen ich erst mit dem Zwitschern der Vögel schlief. Das mag romantisch klingen, wenn man Romeo ist, aber letztlich wurde ich deshalb Freiberufler. So konnte ich die Vormittage verschlafen, aber in Sachen Lebensqualität gab es Verluste. Kein Termin vor zwölf Uhr möglich. Dazu ein schlechtes Gewissen beim Frühstück, weil die halbe Menschheit gerade aus der Mittagspause kommt. Als würde man hinterherrudern. Also habe ich diverse Strategien entwickelt, verworfen und auf neue gesetzt. Ich habe Wecker zur Wand gedreht, indische Mantras gebetet oder Wolkenbetten visualisiert. Sogar Schafe gezählt, weiße, schwarze, geschorene. Alles vergeblich.
