Tatjana Strobel im Interview Partnersuche für Fortgeschrittene

Über Liebescharaktere, Charisma-Quotienten und andere Geheimnisse der Liebe

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Liebe fängt mit Selbstliebe an, das ist die vielleicht wichtigste These Ihres Buches.

Genau, deshalb befasst sich auch gleich das erste Kapitel damit. Selbstliebe wird häufig mit Narzissmus verwechselt, das ist es aber nicht. Es geht nicht darum, dass man denkt, man sei der Größte, der Tollste, der Beste, sondern darum, realistisch zu bleiben und mit sich selbst im Einklang zu sein.

Wie erkenne ich denn, ob ich mich selbst liebe und es wert bin, von anderen wahrgenommen und geschätzt zu werden?

Indem Sie Ihre inneren Dialoge überprüfen. Es gibt eine Studie, die besagt, dass wir täglich circa 60.000 Gedanken haben. Und viele davon drehen sich um uns selbst. Da stellt sich die Frage: Wie gehe ich mit mir um? Wenn ich jetzt diesen Kaffee hier umschütte, bin ich dann wohlwollend mit mir und sage "Strobel, Mensch, zu wenig geschlafen, kann ja immer mal passieren!" oder sage ich "Du dumme Kuh, du bist doch zu blöd zu …". Die meisten Menschen gehen leider mit sich selber um, wie sie niemals mit anderen Menschen umgehen würden. 

Und das kann man lernen?

Natürlich. Zum Beispiel indem man gleich dagegen steuert, wenn so etwas hochkommt wie der letzte Satz eben - etwa mit Sätzen wie  "Das kann jedem mal passieren", "Kein Mensch ist perfekt", "Fehler sind etwas ganz Legitimes".

Was genau macht denn eine Person für andere interessant? Muss man seine Vorzüge erkennen und diese bewusst in Szene setzen, um Interesse zu wecken? 

In dieser Hinsicht passiert vieles unbewusst. Wenn ich zum Beispiel glaube – und da sind wir wieder bei der Selbstliebe – ich bin nicht liebenswert, nicht hübsch, zu dick oder wie auch immer, dann strahle ich das aus. Dann kann ich mich inszenieren, wie ich will, ich könnte das teuerste Designerkleid anziehen und die tollsten Schuhe dazu – wenn ich das von mir glaube, dann bin ich nicht schön und dann werde ich auch von meiner Umwelt nicht als schön wahrgenommen. Es fängt immer bei mir selber an.

Schönheit ist also Zufriedenheit mit sich selbst?

Ja, absolut. Aber lassen Sie es uns vielleicht nicht Schönheit nennen, es gibt den so genannten Charisma-Quotienten. Manche Menschen sind auf den ersten Blick schön, unterhält man sich aber mit ihnen, stellt man oft fest, dass die Stimme vielleicht nicht passt, der Inhalt nicht stimmt, oder die Person einfach nur langweilig ist. Und dann verliert dieser Mensch plötzlich, obwohl er augenscheinlich  attraktiv ist - er verliert, weil er nichts hat außer seiner Schönheit. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Charisma nicht unmittelbar an Schönheit gekoppelt ist. Ausstrahlung ist es, die den Charisma-Quotienten ausmacht.

Das berühmte gewisse Etwas?

Exakt. Wir können viele Dinge an uns ändern. Wenn ich beispielsweise zu dick bin, kann ich abnehmen, oder wenn ich denke, ich bin nicht schlau genug, dann kann ich mich weiterbilden. Wichtig ist nur: Alles was ich an mir nicht ändern kann, muss ich akzeptieren. Wenn ich etwa Cellulite habe oder mit meinen Proportionen unzufrieden bin - diese Dinge kann ich nicht ändern. Also heißt es im Umkehrschluss: Ich sollte sie akzeptieren oder ich werde ein Leben lang ein Problem damit und letztlich auch mit meiner Ausstrahlung haben. Stattdessen sollten Sie sich bewusst machen, was Sie können und was Sie einzigartig macht. Menschen, die das tun, haben eine Aura.

Man kann sich also eine Aura antrainieren?

Ja, das können Sie. Ihre Außenwirkung  hängt immer damit zusammen, wie glücklich Sie mit sich selber sind.

Es geht also auch um die Kraft positiver Gedanken, die nach außen wirken?

Ganz genau.

Wie sieht so etwas konkret aus? Wenn ich mir nun vornehme, an meiner Ausstrahlung zu arbeiten, wie muss ich da vorgehen?

Wissenschaftler haben hier mehrere Punkte festgemacht. Der wichtigste Punkt ist, zwischen den Zeilen zu lesen und neugierig zu sein auf den Anderen, Fragen zu stellen. Wir sind alle Selbstdarstellungskünstler und freuen uns, wenn wir eine Plattform bekommen, aber hier geht es auch darum, sich zurückzunehmen. Gerade in einem Gespräch, bei dem man sich neu kennenlernt, sollte man dem Anderen Raum geben – statt sich selbst in den Vordergrund zu stellen, sollte man über den Anderen etwas erfahren wollen. Noch besser als eine 50-50-Verteilung im Gespräch wäre sogar ein Verhältnis 70-30 oder sogar 80-20. Aber nur wenn Sie denjenigen wirklich toll finden. 

Man wickelt den Mann also um den Finger, indem man sich zurücknimmt und zuhört, ihn erzählen lässt und, salopp gesagt, die Klappe hält?

Natürlich. So gibt man dem Anderen ein gutes Gefühl, vor allem wenn man interessiert nachfragt und bestärkt. Obwohl man hier anmerken muss, dass nicht jeder im Thema Bestärkung und Lob auf der gleichen Ebene ist. Wenn Sie beispielsweise zu mir sagen "Sie sind eine ganz tolle Persönlichkeit", dann bringt mir das nichts. Wenn Sie mir aber sagen "Erstaunlich, wie kann man solche Bücher schreiben und auch noch erfolgreich damit sein in so kurzer Zeit?", dann würden Sie mich kriegen. Sie kriegen mich nicht über die Persönlichkeitsebene, denn ich bin nicht emotional veranlagt. Ich bin eher über die Leistung zu kriegen. Und so tickt jeder anders.

Was gibt es da für Typen?

Es gibt vier Liebescharaktere: den Visionär, den Macher, den Emotionalen und den Rationalen. Der Visionär und der Macher sind sich recht ähnlich. Sie brennen beide, wollen etwas erreichen, sind zielorientiert. Das sind zum Beispiel Menschen, die in der Sache gelobt werden möchten - für das, was sie Tolles geleistet haben, für die Idee, die sie verrückterweise hatten.

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