Yes, I can! Mehr Selbstbewusstsein

Panik, wenn ein Hund die Zähne fletscht, oder feuchte Hände, sobald man einen Flieger betritt? Solche Situationen entschärfen Sie ab sofort mit links – um sich danach unschlagbar zu fühlen

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Angst vor Hunden, Panik im Flugzeug oder Sprachlosigkeit in ungünstigen Momenten? Mit den richtigen Tipps meistern Sie jede Situation

Ein Hund knurrt sie an

Viele Menschen sind geborene Hundefreunde. Einige genau das Gegenteil. Wenn Sie zu Letzteren gehören, denen schon eine mittelgroße Promenadenmischung Respekt einflößt, wäre es sinnvoll, sich mit Hunde-Know-how zu wappnen. Claudia Söchting schult normalerweise Frauchen und Hund, damit beide besser miteinander klarkommen. Ihre Tipps für Zufallsbegegnungen der latent bissigen Art: Blickkontakt vermeiden, ruhig in einem großen Bogen am Hund vorbeigehen und ihn aus den Augenwinkeln beobachten. Den knurrenden Zeitgenossen so gut wie möglich ignorieren, denn das gilt in der Hundesprache als höflich. Schau mir in die Augen, Kleiner? Wäre bei Hunden genau die falsche Taktik. Und wenn Sie jemanden besuchen, dessen Liebling es ausgerechnet auf Ihre neue weiße Jeans abgesehen hat, ist auch die Kunst der Nichtbeachtung gefragt – wahlweise von Hund, Herrchen oder beiden.
Expertin: Claudia Söchting, 44, Hundetrainerin in Hamburg

Plötzlich Panik, wenn Sie in ein Flugzeug steigen

Damit sind Sie nicht allein. Die Lufthansa bietet seit fast 30 Jahren Seminare gegen Flugangst an, an denen bisher mehr als 11 000 Menschen teilgenommen haben. Und das sind nur die Extremfälle. Geschätzt fühlt sich jeder dritte Passagier im Flieger unwohl. Ist einem schon beim Einsteigen schlecht, setzt ein Phänomen ein, das Experten "die Angst vor der eigenen Angst" nennen: Man fürchtet, an Bord die Kontrolle über sich zu verlieren, zum Beispiel zu zittern, zu schreien oder sich auf andere Weise zu blamieren. Wissen sei das beste Gegenmittel, sagt Seminarleiterin Antonia Arboleda-Hahnemann. Fach- und Hörbücher erklären, wie ein Flugzeug funktioniert, welche Geräusche normal sind und dass es Dinge wie "Luftlöcher" gar nicht gibt. Zweites Gegenmittel: Lernen, mit der Angst so umzugehen, dass man sie kontrolliert und nicht umgekehrt, sagt die Expertin. Bewegung und Atmung helfen dabei: Schultern und Füße rollen, Bauch entspannen, tief atmen – das löst Verkrampfungen. Nicht zufällig ist die Frau auch Tanztherapeutin. Ihr Rat: Am besten vorab im Internet einen angenehmen Sitzplatz reservieren (über den Tragflächen wackelt es weniger) und im Sitzen Tanzschrittchen machen. "Klingt seltsam, aber funktioniert."
Expertin: Antonia Arboleda-Hahnemann, 42, Diplompsychologin, leitet Lufthansa-Seminare gegen Flugangst

Sie haben den Verdacht, in der Autowerkstatt übers Ohr gehauen zu werden

Sie gehen seit Jahren zu dem VW/Audi/Opel/Mini-Händler Ihres Vertrauens. Ihr Auto ist scheckheftgepflegt, trotzdem werden Sie das Gefühl nicht los, zu viel zu zahlen. Oder Sie gehören zum Typ Nummer zwei, der über Vertragshändler längst hinaus ist. Bei Ihnen ist es Manni, der Hinterhof-Bastler, der sich um Ihr Auto kümmert. Manni kann fast alles und ist günstig. Obwohl, letztens, bei den Bremsbelägen, da waren Sie 300 Euro los und haben sich gefragt, ob Manni es noch gut mit Ihnen meint. Sie haben jetzt drei Möglichkeiten: Sie kehren zu den VW/Audi/Opel/Mini-Apotheken zurück. Sie wenden sich an eine von 130 Kfz-Schiedsstellen, denen fast 40 000 Kfz-Meister in Deutschland angeschlossen sind und die Streitigkeiten zwischen Kunden und Werkstatt schlichten (www.kfz-schiedsstellen.de). Oder Sie versteigern Ihre Reparatur im Internet, zum Beispiel bei www.blauarbeit.de. Sie geben Ihren Reparaturwunsch ein, daraufhin machen Ihnen Mechaniker Ihrer Region ein Angebot und Sie können gleichzeitig deren Qualitätsprofile sehen. "Unser Dienst ist besser als ein Branchenbuch, weil der Benutzer direkt Preise und Qualität vergleichen kann", sagt Geschäftsführer John Minah. Danach wissen Sie, ob Manni noch Ihr Kumpel ist.
Experte: John Minah, 31, Geschäftsführer von Blauarbeit

Sie stehen in Ihrer Traumwohnung mit 30 Mitbewerbern

Sammelbesichtigungen haben was Erniedrigendes, sagt einer, der es wissen muss: Immobilienmakler Peter Ehlers. Bei Highclass-Wohnungen sind solche Termine deshalb so gut wie ausgeschlossen. Dennoch: Wenn man nun mal einer von vielen Interessenten ist, wie sticht man aus der Masse heraus? "Durch Rollenwechsel", so Ehlers. Stellen Sie sich vor, Sie seien Vermieter. Wen würden Sie wollen? Zunächst mal den, den Sie klar vor sich sehen. Bereiten Sie also ein Mäppchen vor mit Unterlagen für die Bonitätsprüfung, Foto obenauf, Visitenkarte und gut lesbare Farbkopie des Personalausweises. Zweitens: Auffallen! Stumm durch die Wohnung schleichen und die Selbstauskunft ausfüllen – damit kann niemand punkten. "Suchen Sie den Kontakt zum Makler, denn er gibt dem Vermieter seinen Eindruck weiter." Drittens: Am selben Tag noch mal anrufen. Meist fällt die Entscheidung für eine Vermietung innerhalb von 24 Stunden.
Experte: Peter Ehlers, 47, Vertriebsleiter von Engel & Völkers in Hamburg

Sie werden schnell mal rot

Halb so wild, sobald man das Problem offen anspricht. Ruhig kommentieren, was gerade passiert, raten Experten. Selbst bei Hitzewallungen einfach darüber sprechen. "Pardon, mir wird gerade ganz heiß" – und siehe da: Was einem so furchtbar vorkam, verliert seinen Schrecken. Ähnlich ist es, wenn einem die Farbe ins Gesicht schießt. "Sobald ich die eigene Schwäche benenne, wird sie objektiviert, verliert an Macht. Versuche ich jedoch, sie zu vermeiden, tritt das Gegenteil ein und sie überkommt mich noch viel stärker", weiß Ilona Bürgel. Ihr Tipp: Mal versuchen, absichtlich rot zu werden. Funktioniert meistens nicht, vertreibt aber überraschenderweise die Angst davor. Außerdem beruhigend zu wissen: Die anderen machen sich viel weniger Gedanken über uns, als wir befürchten. Weil sie ebenfalls mit ihren kleinen Dämonen beschäftigt sind.
Expertin: Dr. Ilona Bürgel, 46, Diplompsychologin in Dresden. Spezialgebiete: Entspannungstechniken, Verhaltenstraining, Energetische Psychologie

Im Job kommen Ihnen die Tränen

Frauen weinen 30- bis 64-mal im Jahr, Männer 6- bis 17-mal. Nur bei sechs Prozent der Männer geht Weinen in Schluchzen über, bei Frauen sind es zwei Drittel. Die Zahlen über die Heul-Häufigkeit in Deutschland haben nicht etwa Psychologen, sondern Augenärzte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) zusammengetragen. Die Ursachen für emotionales Weinen sind nach wie vor rätselhaft. Erst recht im Job. Doof, wenn einem das Wasser in die Augen schießt, obwohl man sachliche Argumente vorbringen wollte. Doch bevor man das als persönliche Niederlage verbucht – dran denken, dass sich schon viele kluge Leute über Tränen im Job Gedanken gemacht haben. Sind sie hilfreich oder schädlich? Zeugen sie von Schwäche oder Berechnung? Sind empfindsame Seelchen zu emotional, um Karriere zu machen? Alles noch nicht ausdiskutiert. Betrachten wir's mal andersherum: Auch im Job ist Leidenschaft gefragt. "Wer Emotionen zeigt, wirkt authentisch. Und wer authentisch rüberkommt, überzeugt leichter“, sagen die Experten. Sie haben emotionales Einfühlungsvermögen? Nutzen Sie es – nicht zuletzt um die eigene Befindlichkeit zu steuern. Unkontrollierte Ausbrüche haben im Job nichts zu suchen. Seiner Wut freien Lauf zu lassen kommt dort genauso komisch an wie ständige Tränen. Wer daran denkt, weint weniger.
Experten: Ralf Schmitt, 34, und Torsten Voller, 41, Theatermacher, Autoren und Management-Trainer, Hamburg

Sie fühlen sich angesichts einer 30-seitigen Weinkarte überfordert

Lassen Sie den Fachmann ran! "Ein Sommelier nimmt Ihnen die Entscheidung ab", beruhigt Andreas März von der Deutschen Wein- und Sommelierschule. In einem guten Restaurant heißt das: Sie können sich entspannen und ausprobieren, was man Ihnen vorschlägt. Immer öfter werden Menüs mit korrespondierenden Weinempfehlungen angeboten. Faustregel für mehrere Gänge: Im Lauf des Menüs wird der Wein immer exklusiver. Wenn kein Sommelier da ist und die Weinkarte so dick wie ein Buch – was hält Sie davon ab, in aller Ruhe darin zu schmökern? Irgendwas findet man meistens, und sei es ein Wein, der an ein Rendezvous vor vielen Jahren erinnert. Nur zu! 
Experte: Andreas März, 40, Leiter der Hamburger Filiale der Deutschen Wein- und Sommelierschule

Sie hätten gern mal eine Affäre

Was versprechen Sie sich davon? Genau das ist für Fachleute der springende Punkt. Ilona Bürgel schlägt vor, "das Ziel hinter dem Ziel zu suchen". Soll der Seitensprung einfach (nur) Spaß machen – endlich mal wilder Sex statt der üblichen Nummer? Oder geht es Ihnen um mehr Anerkennung, Wertschätzung? "Viele Frauen sagen, sie wünschen sich eine Affäre, doch in Wahrheit suchen sie einen Partner." Sie nicht? Okay, dann haben Sie sich über die Konsequenzen längst hinreichend Gedanken gemacht. Paarberaterin Berit Brockhausen gibt zu bedenken: "Eine Affäre soll Genuss, Bestätigung, Leidenschaft, Abenteuer, Leichtigkeit in den Alltag bringen. Wenn das Ganze aber auffliegt, ist das Leben nicht mehr öde, sondern plötzlich von intensiven Gefühlen und existenziellen Entscheidungen geprägt." Manchmal könne es das wert sein, so die Psychologin, egal, ob das Ergebnis Trennung oder Neubeginn ist. Die Alternative wäre eine "Test-Affäre": Sie schauen sich um, flirten, genießen die Aufmerksamkeit. Wenn er nett ist, darf er sie auch mal einladen, aber bevor es ernst wird, pfeifen Sie ab. Der Gewinn dabei: Sie können das Kribbeln wiederentdecken und beweisen Klasse. In jeder Hinsicht.
Experten: Dr. Ilona Bürgel und Berit Brockhausen, 50, Diplompsychologin und Paartherapeutin in Berlin

Plötzlich fehlen Ihnen die Worte

Der Chef beleidigt Sie, bei einer Rede hat man einen Blackout und die Nachbarin redet Unsinn? Ärgerlich, wenn einem die Retourkutsche zu spät einfällt. "Halb so wild", beruhigt Diplompsychologin Ilona Bürgel. "Wenn die Situation vorbei ist, haken Sie das Ganze einfach komplett ab." Sehen Sie's mal positiv: "Wer gar nichts sagt, verhindert manchmal Schlimmeres." Das heißt: Wem nichts einfällt, der hat zumindest nichts vermasselt. Außerdem hat ein ehrliches "Jetzt bin ich ganz aus dem Konzept" noch keinem Redner geschadet. Im Gegenteil: Mal ins Stocken zu geraten mache sogar sympathisch, sagen die Theatermacher und Businesstrainer Ralf Schmitt und Torsten Voller. Die Meister des Improvisationstheaters geben chronisch Auf-den-Mund-Gefallenen einen Trost mit auf den Weg: "Zu viel Schlagfertigkeit artet schnell in Beschimpfung aus."
Experten: Dr. Ilona Bürgel, Ralf Schmitt und Torsten Voller

von Andrea Tapper

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