Fitness-Trend Pole Dance Schönheit von der Stange

Es gilt als das sinnlichste Fitnesstraining. Unsere Autorin beim Pole Dance

Schönheit von der Stange - quer

Mein neues Hobby begann mit einem Kampf: ich gegen die Stange, menschliche Knochen gegen kaltes Eisen, zitternde Muskeln gegen "Haaalten"-Rufe,  55 Kilo Körpergewicht gegen die Schwerkraft. Und ich kämpfe immer noch, und trotzdem: Pole Dance ist das effektivste, abwechslungsreichste und  unterhaltsamste Ganzkörper-Workout, das ich bislang ausprobiert habe.

Pole Dance, klar, verbindet man erst mal mit dem Rotlichtmilieu. Dabei hat der erotische Tanz an der Stange seinen seriösen Ursprung in der chinesischen Akrobatik. Wie er seinen Weg auf die Tanzflächen von Tabledance-Bars fand, wo halbnackte Mädchen in Stringtangas Dollars sammeln, ist ungeklärt. 

Diese Assoziation hatten wohl auch meine Eltern. Mein Vater fragte beim Anblick des Trainingsgeräts, ob es im Journalismus gerade nicht so gut laufe. Was er nicht weiß: In den USA ist Pole Dance ein ziemlich populäres Fitnesstraining, und inzwischen eröffnen auch in Deutschland immer mehr Studios. Eines davon leitet die 33-jährige Alexandra Hempel in München. Bei ihr trainieren Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, "von 14 bis 52, von der  Studentin bis zur Rechtsanwältin". Und seit einem halben Jahr auch ich.

Schon bei der ersten Übung, dem Aufsteigen an der Stange, war mir klar, hier braucht man vor allem – Kraft. Es gebe keinen Muskel, der nicht zum Einsatz  käme, erklärt Alexandra. Bei diesem Sport geht es an die Tiefenmuskulatur. Es werden Körperspannung, Haltung, Koordination, Flexibilität, Kraft, Ausdauer verbessert. Bei manchen Spins, den akrobatischen Figuren an der drehenden Stange, muss man das eigene Körpergewicht sekundenlang halten. Wie etwa  beim Pen, für meine Trainerin das beste Armmuskeltraining überhaupt, bei dem der Körper kerzengerade, wie ein Stift, parallel zur Pole schwebt. Oder der  Flag, eine der Königsfiguren, bei der sich der Körper im 90-Grad-Winkel zur Stange befindet – gehalten von den ausgestreckten Armen. Ja, jetzt zahlen sich meine Yoga-Stunden aus, spätestens als mich Alexandra zu einem Kopfstand an der Pole animiert. Dabei kommt auch der Hintern zum Einsatz, irgendwie müssen ja die Bewegungen in einer Choreografie miteinander verbunden werden.

Harmlose Figuren übe ich zu Hause an meiner eigenen Stange, die aus Platzgründen im Arbeits- und Gästezimmer untergebracht ist, einem eher unsinnlichen Ort. Mein Körper ist straffer als vor sechs Monaten. Blaue Flecken oder leichte Brandwunden (Haut reibt an Chrom) kommen vor, aber  meistens sind meine Pole und mein Körper ein Dreamteam. Nur eine steht – beziehungsweise hängt – zwischen uns: die Deckenlampe.

Fitness-Special 2014
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Tipps und Tricks rund um Sport und Wellness

von Lara Gonschorowski

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