Hommage Oh, der Po!

Schlanke Fesseln, großer Busen? Wenn Sie wissen wollen, was eine Frau zur Frau macht, lesen Sie diese Liebeserklärung

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Okay, fangen wir mit der Geschichte mal ganz von Hintern an. Was ist am Hintern so toll? Warum stehen wir Männer auf das, worauf ihr sitzt? Erst mal: Wenn man über Männer sagt: "Der hat aber einen Arsch in der Hose", dann ist das positiv. Und in Wahrheit ist das bei Frauen genau dasselbe. "Die hat aber einen Arsch im Rock" oder von mir aus "in der Hose" - das ist es, was ich gern sagen würde, was man sich aber natürlich nicht traut.

Der Hintern ist das Zentrum, der Po mit Niveau das Schönste, was eine Frau zu bieten hat. Eine Frau mit Hintern ist eine Frau, mit der man was anfangen kann. Es muss was da sein. Größe null, diese freiwillige Selbstentleibung, ist was für Nullen. Ohne Frauenhintern keine Frau. Ich denke, dass der Po deshalb so verzückt, weil er die Proportionen so aufregend macht.

Der Hintern ist das Zentrum, der Po mit Niveau das Schönste, was eine Frau zu bieten hat

Sind nicht schlanke Fesseln noch interessanter, wenn der Blick über schöne Beine bis hin zu Becken und Po gleitet oder umgekehrt von den schmalen Schultern hinunter zum Hintern? Er ist es, um den sich alles dreht. Es ist diese geschwungene Linie, die Frauen zu Frauen macht. Einen Knackarsch haben wir selber - aber einen richtigen Po, einen geschwungenen Körper, den habt nur ihr. Bei Männern schwingt nichts, und Männer tun auch noch alles, um an traurigen Orten wie Sportstudios Beton aus ihrem Körper zu machen. Aber ein Frauenkörper, der hat Swing. Der Künstler Man Ray hat das mit der Musikalität des Pos wie kaum ein anderer kapiert. Er malte auf einen von hinten fotografierten Frauenkörper diese zwei wie Notenschlüssel aussehenden Öffnungen, was deutlich machte: Der Po formt den weiblichen Körper zu einem geschwungenen, instrumentenartigen Bild. Ich will jetzt nicht kitschig werden und von Sinfonie sprechen. Aber ein bisschen wie eine Violine sieht das schon aus. Ihr selbst redet ja oft von Birnen - dabei wäre es doch viel schöner, den eigenen Körper als wunderbares Instrument zu sehen.

Und manchmal ist sogar Sommer in Deutschland. Dann gibt es auch Sommerkleider. Dann wird es aufregend. Dann ist zwischen Po und dem Rest nur noch ein dünnes Stück Stoff. Das ist schöner, als wenn da nur ein Bikinihöschen ist, denn das betont nichts. Ein Kleid betont alles, macht den Körper erst zum Körper.

Was Männer bei diesem Anblick denken? Anders gefragt: Können Männer bei diesem Anblick überhaupt noch denken?

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Po. Die Hintern-Wissenschaft geht so: Männer stehen angeblich auf ordentliche Frauenhintern, weil sie in Wahrheit keine Ästheten sind, sondern - Achtung - ausschließlich auf die Möglichkeiten der Weiterverbreitung ihres eigenen Erbmaterials aus sind und deshalb allzeit die dazu notwendigen technischen Voraussetzungen überprüfen. Sagt die Wissenschaft. Und hier gilt in Bezug auf den Po: Die sogenannte Gebärfähigkeit (liebe Frauen, entschuldigt dieses schreckliche Wort) drückt sich nicht zuletzt in einem breiten Becken und damit automatisch in der Beschaffenheit des Pos aus. Der Po ist sozusagen die rückseitige Spiegelung dessen, was sich vorn dem Mann zur Fortpflanzung präsentiert. Und ein bisschen breit ist ganz gut. Sagt die Wissenschaft. Weit und breit keine Romantik, keine Begierde um der Begierde willen. Alles funktional. Eine andere Theorie, die "von der Wissenschaft" gern kolpotiert, Entschuldigung, kolportiert wird, besagt, dass der Po uns deshalb so beschäftigt, weil er im Aussehen der weiblichen Brust, na ja, irgendwie ähnlich sähe, und wegen dieser Ähnlichkeit seien manche Herren dann von der Brust abgekommen und ebenso in den Po vernarrt gewesen im Laufe der Evolution und so weiter. Ja, kann es das sein, ist das alles? Nein, wir Männer sollten uns mit der sogenannten Wissenschaft nicht in solche Niederungen der Po-Ebene begeben - und Frauen auch nicht. Denn wir kommen doch, liebe Frauen, in diesen seltsamen Konstruktionen der Wissenschaft nur noch vor als Opfer unseres Sexualtriebes. Und ihr als raffiniert gebaute Männerverführungsmaschinen, made by Evolution.

Ein Po mit Niveau ist das Schönste, was eine Frau zu bieten hat

Wir sollten den Po vom Kopf auf die Beine stellen. Und diese dann in hohe Schuhe stecken. Wenn ihr in diesen Dingern steckt, dann gibt es kein Halten mehr. Ich habe keine Ahnung, ob da nicht doch die Sache mit dem Vermehrungswillen mit einem durchgeht, wenn man sich eingesteht, dass man sich das gern anguckt, es ist auch egal. Nur ihr kapiert das nicht.

Was soll man zu eurem Po noch sagen? Ihr macht euch viel zu viel Sorgen. Wenn ihr wieder mal abnehmt, findet das leider immer obenrum und am Po statt. Was nie abnimmt sind Zweifel. An euch, euren Beinen, eurem Bauch, eurem Po. Das ist sogar zu einer Art Dreiklang des Zweifels und Selbsthasses geworden, wenn ihr euch Personal Trainern im Gym an den Hals werft. Was sagt ihr dann? Bauch-Beine-Po. Lasst das. Lasst den Po in Ruhe. Er ist gut so. Er darf auch rund sein. Grundsätzlich muss man sagen: Es ist besser geworden mit dem Ansehen des Pos. Früher war size zero so eine Art weibliches Ziel schlechthin. Das liegt zum Glück hinter euch. Ich weiß nicht, wer da seine lackierten Finger im Spiel hatte, aber ich glaube, bei der Rehabilitation des Pos hat J.Lo viel Gutes bewirkt. Sie hat hinterrücks den Po aus der Verbannung befreit und zum Sexsymbol gemacht - danke, J.Lo. Wie auch immer: Steht zu eurem Po - bitte nicht, ohne zwölf Zentimeter hohe Schuhe angezogen zu haben. Ja, ich geb’s zu, das gefällt uns. So einfach ist das.

von Jost Kaiser

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