Schönheits-OPs Im Einsatz für die Schönheit

In München strafft sie Augenlider und operiert Busen. In der Dritten Welt nutzt Schönheitschirurgin Constance Neuhann-Lorenz ihr Wissen für besondere Patienten

Constance Neuhann-Lorenz, Münchner Schönheitschirurgin, ist das, was man als
adrett bezeichnet. Um die Augen trägt sie Lachfalten, an den Ohren Perlenstecker
und an den Füßen Lackballerinas. Ihr Büro ist stilvoll eingerichtet, ein Mix aus moderner Kunst und Antiquitäten. Auf ihrem Schreibtisch steht eine Vase mit rosa Tulpen.

Constance Neuhann-Lorenz im Interview

myself: Schön haben Sie es hier. Was zieht Sie in die Dritte Welt?

Constance Neuhann-Lorenz:Es geht mir nicht darum, ein besserer Mensch zu werden. Ich mache diese Einsätze, weil sie gemacht werden müssen und weil ich es kann. Letztlich tue ich dort nichts anderes als hier: Ich verbessere das äußere Erscheinungsbild von Menschen.

 Kann man das Ergebnis einer brutalen Misshandlung mit einer Busen-OP vergleichen?

Ich habe nie zwischen einer Lidstraffung und der Korrektur einer entstellenden Narbe unterschieden. Aber ich operiere auch in Deutschland keine Patienten, die einfach nur Lust auf eine Veränderung
haben. Schönheits-Shopping gibt es bei mir nicht. Ich forme nicht aus einem tollen Busen einen noch tolleren. Es muss für mich nachvollziehbar sein, dass der Patient leidet. Entstellte Gesichter treffen Frauen in Entwicklungsländern manchmal sogar mehr als ein körperliches Handicap.

 Wie kam es zu Ihren Einsätzen in Dritte-Welt-Ländern?

Viele Hilfsprogramme erreichen keine Frauen, weil Männer und Kinder Priorität haben. Aber wir wissen: Geht es den Frauen gut, geht es der Familie gut. Deshalb haben Mitglieder der Internationalen Fachorganisation der Plastischen Chirurgen (IPRAS) überlegt, was sinnvoll sein könnte, und ein Projekt gestartet, das gezielt Frauen anspricht.

 Das Projekt "Women for Women".

Seit 2006 schicken wir weibliche plastische Chirurgen in Dritte-Welt-Länder zu Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen entstellt sind.

 Warum keine männlichen Ärzte?

Frauen aus diesen Ländern lassen sich nicht ohne Weiteres behandeln, schon gar nicht von einem Mann. Es war mir aber auch wichtig, dass sich Ärztinnen mit eigener Familie für das Projekt engagieren können. Ein Einsatz für "Women for Women" dauert maximal zwei Wochen.

 Worunter leiden die Frauen, die Sie behandeln?

In Pakistan werden ihnen aus Strafe oder Rache die Nasen abgeschnitten, in Indien und Kambodscha Verbrennungen zugefügt, in Bangladesch Verätzungen. Und in Afrika geht es hauptsächlich um genitale Verstümmelungen.

 Gibt es keine Ärzte vor Ort, die sich darum kümmern könnten?

Doch, aber wir operieren oft fünf Stunden lang eine Patientin. Wenn das die einheimischen Ärzte für alle Frauen dort machen würden, könnten sie niemals davon leben.

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von Kerstin Weng

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