Schönheits-OPs Women for Women

In München strafft sie Augenlider und operiert Busen. In der Dritten Welt nutzt Schönheitschirurgin Constance Neuhann-Lorenz ihr Wissen für besondere Patienten

 Wie läuft so ein Einsatz von "Women for Women" ab?

Wir fahren nie ungefragt, sondern werden gebeten, zu kommen. Ein Team besteht aus zwei bis drei Chirurginnen, den Rest der Gruppe versuchen wir mit lokalen Ärzten, Anästhesisten und Krankenschwestern zu besetzen. Innerhalb von fünf bis zehn Tagen operieren wir 25 bis 40 Frauen.

 Wer entscheidet, wem geholfen wird?

Unsere Kontaktpersonen vor Ort übernehmen die Screenings. Oder sie schicken vorab Bilder, damit wir die Frauen sehen. Im Schnitt werden hundert Personen voruntersucht. Dann entscheiden wir nach Machbarkeit und Schweregrad, wen und wie viele wir operieren. Es sind immer zu wenige, aber noch mehr zu behandeln, wäre dem Team in der kurzen Zeit nicht zuzumuten.

 Die schlimmsten Operationen …

… sind hauptsächlich die von Brandverletzungen. Wenn der Kopf am Oberkörper festgewachsen ist, weil die Haut am Hals so vernarbt ist.

 Bei manchen Einsätzen begleitet Sie Ihre Tochter, die ebenfalls Ärztin ist. Wie geht sie damit um?

Sarah ist 29 und arbeitet in München auf einer Schwerbrandverletzten-Intensivstation. Vom Schweregrad der Verletzungen her ist das durchaus vergleichbar. Schlimm ist eher, wie unterversorgt die Patienten an unseren Einsatzorten sind und wie es zu den Verletzungen kam.

 Gab es ein Schicksal, das Sie besonders bewegt hat?

Einige. Vor allem eine schrecklich entstellte Frau, die auf die Frage, was ihr passiert sei, antwortete: "I have a very bad husband." Und dann hat sie uns ihr Bild kurz vor der Hochzeit gezeigt. Mich rührt es zu Tränen, wenn ich höre, was Frauen wie sie erleben mussten.

 Werden die Patientinnen psychologisch betreut?

Als Fachärztin für Plastische Chirurgie habe ich ständig damit zu tun, die relevanten psychologischen Fragestellungen sind Teil meiner Ausbildung. Aber die unterschiedliche Mentalität der Leute in den Einsatzorten macht es uns nicht leicht, örtliche Helfer unterstützen uns.

 Und Ihre eigene Psyche?

Wenn ich psychologische Betreuung bräuchte, hätte ich den falschen Beruf. Ich bin zufrieden, wenn mir die Leute nach einer Operation glücklich um den Hals fallen.

  1. 1Im Einsatz für die Schönheit
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  3. 3Ein besonderes Projekt

von Kerstin Weng

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