Starfriseur Shan Rahimkhan Unser Mann in Berlin

Waschen, schneiden, reden: Shan Rahimkhan, DER Hauptstadtfriseur, über Party-Frisuren und Pferdeschwanz

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Der Gendarmenmarkt in Berlin ist nicht gerade arm an Reizen. Im Konzerthaus kann man Bach hören, bei The Corner einen Mantel von Céline kaufen und im  "Borchardt" ein Schnitzel essen. Aber am schönsten ist es bei Shan Rahimkhan, dem derzeit angesagtesten Coiffeur der Hauptstadt. Wer sich bei ihm die  Haare schneiden lässt, sitzt neben einem gläsernen Wasserfall, sieht Fischen beim Ballett zu und bekommt, wonach wir uns alle sehnen: einen perfekten Schnitt und beste Unterhaltung.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Friseurbesuch?

Natürlich. Ich war ein kleiner Junge, mein Vater hatte mich mitgenommen. Der Nacken wurde mit einem Elektrorasierer bearbeitet, ich mochte den  Geruch nicht, ich mochte meine Frisur nicht, habe mich geweigert, in den Spiegel zu schauen, und gepikst hat es hinterher auch. Ich habe es gehasst.  Nein, ich wollte nie Friseur werden.

Sondern?

In einer gut situierten Mittelstandsfamilie in Persien wird der erste Sohn in der Regel Arzt, also hatte ich eigentlich keine Wahl. Aber dann kam die  Revolution, ich ging nach Österreich, meine Eltern nach Amerika, und erst als ich für einen Freund, der in Wien eine Friseurlehre machte, Modell saß und die 22 schönen Mädels in seiner Klasse sah, wusste ich: Das wird mein Beruf.

Wie oft muss eine Frau zum Friseur?

So oft sie möchte. Nein, im Ernst, Schneiden reicht alle sechs bis acht Wochen. Wenn die Haare gefärbt sind und der Ansatz sichtbar wird, dann  vielleicht etwas häufiger. Ich habe aber auch Kundinnen, die zweimal die Woche kommen.

Wie oft hat der Friseurbesuch einer Frau nicht das Geringste mit Haaren zu tun?

Die Haare sind tatsächlich nicht immer die Hauptsache, entscheidend ist das Gefühl. Fühle ich mich noch wohl mit meinem Aussehen? Außerdem  kommen viele auch einfach so hierher. Man kennt sich, trifft Leute, geht danach noch in unser Café. Die meisten meiner Kundinnen sehe ich öfter als  meine Freunde, und so entsteht natürlich auch Freundschaft. Im Idealfall kommen die Frauen, weil sie gern hier sind und weil sie einen Haarschnitt brauchen.

Es wird also zur schönen Gewohnheit?

Oh nein, das darf keinesfalls passieren. Ich sage meinen Leuten immer wieder: Rituale ja, Routine nein. Das wird oft verwechselt. Nichts gegen Bewährtes, aber wenn jemand vier-, fünfmal dieselbe Farbe wählt, schlagen wir ihm durchaus eine Alternative vor. So probiert man mal was Neues  aus und es kommt Abwechslung ins Leben.

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von Kristin Rübesamen

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