Endometriose Alarm im Bauch

Nun gibt es gute Nachrichten: Mit einer Ernährungsumstellung kann man Endometriose in den Griff bekommen

Alarm im Bauch - Frau

Nicole von Hoerschelmann litt 15 Jahre unter starken, unerträglichen Schmerzen. Schuld waren Wucherungen im Unterleib. Auch mehrere Operationen brachten keine Besserung. Die 42-jährige Psychologin aus Kiel zog sich von Freunden zurück, fühlte sich oft antriebslos. Der Alltag kostete sie enorme Kraft, und diese Kraft wurde immer weniger. Eine Frauenärztin erklärte ihr, die Beschwerden würden sich durch eine Schwangerschaft sehr wahrscheinlich eine Zeit lang bessern. Ein Kind kriegen, damit die Schmerzen aufhören? Das konnte ja nicht die Lösung sein, das schien ihr geradezu absurd. In ihrer Verzweiflung besorgte sich Nicole von Hoerschelmann Fachliteratur. Und machte eine interessante Entdeckung: Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen Endometriose und Ernährung. Eine Studie wies nach, dass Endometriose-Patientinnen bis zu einem Drittel weniger Obst und Gemüse essen und gleichzeitig doppelt so viel tierische Fette zu sich nehmen. Nicole von Hoerschelmann überprüfte ihr eigenes Essverhalten. Und tatsächlich, Obst und Gemüse kamen bei ihr äußerst selten auf den Tisch, dafür überwiegend Weizenprodukte und Zucker. Eine andere Studie ergab, dass bei 80 Prozent der Frauen, die auf Weizen verzichteten, die Bauchschmerzen entweder schwächer wurden oder sogar ganz ausblieben. Warum gerade Weizenabstinenz eine solch durchschlagende Wirkung zeigt – unklar.

Nahezu ohne Beschwerden

Nicole von Hoerschelmann zog die Konsequenzen und stellte ihre Ernährung um: Sie strich Weizenprodukte von ihrem Speiseplan, aß stattdessen Brot aus Buchweizen, Roggen oder Hafer sowie deutlich mehr Obst und Gemüse. Sie reduzierte ihren Zuckerkonsum und trank kaum noch Kaffee und Alkohol. Klingt nicht gerade verlockend, aber die Strategie zeigte Erfolg: Bereits nach wenigen Wochen ließen die Schmerzen kontinuierlich nach, bis sie schließlich ganz auf Medikamente verzichten konnte. Obwohl Nicole von Hoerschelmann zu den "schweren" Fällen (EEC-Grad III bis IV) gehörte, ist sie heute nahezu beschwerdefrei. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben. "Vor der Ernährungsumstellung fühlte ich mich der Schulmedizin und den Schmerzen hilflos ausgeliefert. Aktiv zu werden hat neben meinem Wohlbefinden auch mein Selbstwertgefühl gesteigert." In Seminaren versucht sie inzwischen, anderen Betroffenen zu helfen, indem sie ihr Wissen weitergibt und aufklärt über ein (noch immer) ziemlich rätselhaftes Phänomen. Hier noch mal die wichtigsten medizinischen Fakten:

Ist Übergewicht ein Risikofaktor?

Endometriose kann bei allen Frauen im gebärfähigen Alter entstehen. Für manche ist sie bereits während der Pubertät ein Thema, andere bekommen erst mit über 30 nach der Geburt ihrer Kinder Probleme. Bei fünf Prozent geht man von einer genetischen Ursache aus. Inzwischen vermutet man jedoch auch, dass Übergewicht die Wucherungen fördert, da Bauchfett die Hormonproduktion pusht. Diskutiert werden zudem Umweltfaktoren: Studien zeigen, dass Umweltgifte wie Metalle und Pestizide den Hormonhaushalt beeinflussen, und "die stecken besonders in den tierischen Fetten von Fleisch und Fisch und gelangen über die Nahrung in den menschlichen Organismus", erklärt der Münchner Gynäkologe und Umweltmediziner Professor Dr. Claus Schulte-Uebbing. Sie lagern sich vor allem im Fettgewebe ab und bewirken eine sogenannte Östrogendominanz – und damit eine Ausweitung der Endometriose. Dass man mit einer Ernährungsumstellung die Beschwerden in den Griff bekommt, davon sind immer mehr Spezialisten überzeugt. Auch Claus Schulte-Uebbing rät den Betroffenen, ihr Essverhalten zu ändern.

  1. 1Alarm im Bauch
  2. 2Ursachen und Behandlungsmethoden

von Almut Siegert

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