Gesundheit Pfusch an der Brust

Der Skandal um Silikon-Implantate hat Frauen aufgeschreckt. Jetzt stellt sich heraus: Wer den Busen aufpolstert, geht mehr Risiken ein, als viele glaubten

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Schlanker, straffer, vollbusiger: Hollywood und Haute Couture haben falsche Vorbilder in
unsere Köpfe implantiert

Es ist die größte und ungewöhnlichste Rückruf-Aktion aller Zeiten: 30 000* Frauen in Frankreich sollen sich ihre fehlerhaften Brustimplantate entfernen lassen - auf Staatskosten. In Holland sind es 1000, bei uns geht man von 10 000 aus. Was bisher höchstens mal bei belastetem Kinderspielzeug oder bei Autos mit Produktionsmängeln praktiziert wurde, ist in der menschlichen Anatomie angekommen.

Nach Bekanntwerden des Skandals reagierten Ärzte und Behörden in Deutschland zunächst zurückhaltend. Doch inzwischen ist man auch bei uns auf einen offensiveren Kurs umgeschwenkt und empfiehlt, Billig-Implantate herausnehmen zu lassen. Wie viele Frauen tatsächlich betroffen sind und wer die Kosten trägt, ist noch unklar. 25 Fälle von gerissenen Silikonkissen sind in Deutschland bislang dokumentiert - aber sie könnten leicht in die tausende gehen. Allein in Nordrhein-Westfalen haben 25 medizinische Einrichtungen die schadhaften Implantate verwendet. "Entfernung ohne Eile, in Absprache mit dem Arzt, der das Implantat eingesetzt hat", rät Professor Peter M. Vogt, Direktor der Plastischen Chirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover und Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). "Die mangelhaften Silikoneinlagen können nicht nur reißen, sondern auch 'ausschwitzen' “, warnt er. Dabei würde Silikon langsam durch die Hülle in den Körper abgegeben. Eine tickende Zeitbombe.

Der Medizinskandal zieht eine beunruhigende Spur von Venezuela bis Venlo, von Los Angeles bis Hamburg. Besonders in Südamerika seien Brustvergrößerungen sehr verbreitet, in den USA bei Frauen Ende dreißig nach der Stillzeit schon fast üblich, weiß Dr. Regina Wagner, Plastische Chirurgin aus Hamburg. Sie selbst hat bereits hunderte von Brust-OPs durchgeführt. "Im Schnitt sind die Frauen 25 bis 40 Jahre alt", sagt sie, "normale Frauen, die etwa nach Geburten wieder einen schönen Busen wollen." Weltweit haben sich nach amerikanischen Schätzungen mindestens zehn Millionen Frauen die Brust vergrößern lassen, in Deutschland sollen es pro Jahr 60 000 sein. Exakte Zahlen gibt es nicht, viele lassen sich im Ausland operieren. Einer halben Million Frauen weltweit, so vermutet man, wurden die Pannen-Implantate eingesetzt.

  1. 1Pfusch an der Brust
  2. 2Risikofaktor Brustvergrößerung
  3. 3"Meine Implantate entpuppten sich als Billig-Silikon"

von Andrea Tapper

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