Medizin gegen Erschöpfung Bloß kein Stress

Wer am Anschlag ist, dem ist (fast) jedes Mittel recht. Immer mehr nehmen Baldrian oder Bachblüten. Nur: Hilft’s?

Bloß kein Stress 01

Meist sind pflanzliche Mittel die erste Wahl um zur Ruhe zu kommen.

Die Anforderungen im Job steigen, der Stress nimmt zu. Wissen wir alles. Neue Zahlen liefern eine entsprechend dramatische Diagnose: Deutschland, die erschöpfte Republik. Immer mehr Leute greifen zu Anti-Stress-Mitteln. 2011 stieg der Umsatz von Schlaf- und Beruhigungsmitteln insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent, bei homöopathischen Mitteln sogar um 31,2 Prozent. Auf die Betroffenen wartet ein gigantisches Angebot. Inzwischen kennt man eine Vielzahl von Wirkstoffen, die Anspannungen lösen, beruhigen und gegen Schlaflosigkeit helfen sollen. Zumindest versprechen das die Hersteller. Doch wie gut ist das Stressmanagement aus der Apotheke wirklich - und wann hilft was?

Pflanzliche Mittel

Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Lavendel sind als Entspannungshelfer die erste Wahl, vor allem bei leichten und chronischen Beschwerden. Ihre konzentrierten Extrakte bremsen nervöse Unruhe, fördern den Schlaf und bauen im Fall von Johanniskraut und Lavendel Ängste ab. Hoch dosiert toppen die nebenwirkungsarmen pflanzlichen Mittel manchmal sogar chemische Monopräparate. Die meisten Pflanzen enthalten nämlich gleich mehrere pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe - echte Multitasker also, die an verschiedenen Prozessen im Körper beteiligt sind, insbesondere am Stoffwechsel von Nervenzellen. Allerdings dauert es zwei bis vier Wochen, bis eine Wirkung spürbar ist. Phyto-Medikamente gibt es als Tabletten oder Kapseln. Am besten besorgt man sie sich im Reformhaus oder der Apotheke. Präparate aus dem Supermarkt sind meist viel zu schwach dosiert.

Baldrian
Wer nicht einschlafen kann und nervös ist, macht mit Baldrian nichts falsch. Die Tagesdosis sollte zwei bis drei Gramm getrockneter Baldrianwurzel entsprechen. Präparate aus Trockenextrakt gibt es als Dragees, Tabletten und Tinkturen (zum Beispiel Baldriparan, Euvegal, Abtei Baldrian forte). Wichtig: Weil die Reaktionsfähigkeit leiden kann, sollte man ein bis zwei Stunden nach der Einnahme lieber nicht Auto fahren.

Hopfen
Als hoch dosiertes Monopräparat (zum Beispiel Klosterfrau Nervenruh Beruhigungs-Dragées) lindern die Extrakte aus den weiblichen Blütenständen nervöse Anspannungen - ohne müde zu machen. Mit Baldrian kombiniert ist Hopfen dagegen ein gutes Schlafmittel (zum Beispiel Baldrian-Dispert, Luvased Nacht).

Johanniskraut
Bei chronisch schlechter Stimmung kann Johanniskraut helfen. Es wirkt nicht nur bei nervöser Unruhe, sondern sogar bei leichten bis mittelschweren depressiven Störungen. Sein Inhaltsstoff Hyperforin stellt - unterstützt von anderen Pflanzenbestandteilen - das Gleichgewicht der Gehirnbotenstoffe wieder her. Die Tagesdosis sollte bei etwa 500 bis 1000 Milligramm liegen. Obwohl Johanniskraut (zum Beispiel Tetesept Johanniskraut, Neuroplant Aktiv, Laif 900 Balance) wenig Nebenwirkungen hat, kann es die Wirkung von anderen Medikamenten abschwächen. Vorher also mit einem Arzt reden.

Lavendel
Die ätherischen Öle bremsen die Ausschüttung von erregenden Botenstoffen wie Noradrenalin und Serotonin. In nervösen, ängstlichen Phasen ist Lavendel daher ein bewährtes Mittel. Laut Studien helfen Präparate wie zum Beispiel Lasea ebenso gut gegen leichte Angstzustände wie synthetische Beruhigungsmittel.

  1. 1Bloß kein Stress
  2. 2Globuli, Bachblüten, Schüßler-Salze
  3. 3Synthetische Beruhigungsmittel
  4. 4Verschreibungs- pflichtige Medikamente

von Bernhard Hobelsberger

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