Sportschuhe Darauf steht man jetzt?

Plötzlich laufen alle in seltsamen Sportschuhen rum, die den Hintern trainieren sollen. Haben wir ausprobiert

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Durch eine unebene Luftkissensohle aktiviert der Easytone Muskeln. Von Reebok, 130 Euro.

Neunzehn knackige Hintern in Großaufnahme, die in Hotpants durchs Bild wackeln. Nein, das ist keine Szene aus einem Erwachsenenfilm, sondern der TV-Spot der Easytone-Sportschuhe von Reebok – und ein Anschlag auf die weibliche Psyche.
Akuter Po-Neid, schlechtes Gewissen wegen Brachliegenlassens des eigenen Bindegewebes und ein sofort ausgelöster Die-brauche-ich-auch-Impuls führten dazu, dass meine Chucks nun in der Ecke stehen und ich die neuen Wunderschuhe trage. Das Versprechen: Durch eine spezielle Sohle aktiviert der Körper mehr Muskeln als mit normalen Schuhen, um beim Stehen und Laufen Balance zu halten.

Kennt man von Übungen aus dem Fitnessstudio: Stellt man sich auf eine voluminöse Gummimatte, ist die Übung doppelt so anstrengend. Tatsächlich läuft man mit den Easytones wie auf Eiern. An den Fersen und am Fußballen sind Luftkissen eingearbeitet, die Zehenpartie berührt den Boden nicht. Höchste Konzentration, um nicht nach vorn zu kippen. Nach einigen Minuten hat man den Dreh zwar raus, aber elegantes Laufen geht anders. Elegantes Aussehen auch – es sind nun mal Sportschuhe. Für den Einkauf bei Rewe ist das okay, auch wer am Arbeitsplatz Sneakers tragen darf, fällt mit den “Po-Schuhen“ nicht weiter auf. Einen Trainingseffekt bemerkt man beim täglichen Tragen aber nicht. Ich bin enttäuscht.

Andererseits: Was hatte ich erwartet? Einen Knackhintern durch bloßes Laufen vom Bürostuhl zur Kaffeemaschine und zurück? Es ist bei diesen Schuhen eben wie mit Vitamintabletten: als Zusatz super, allein zu wenig. Heißt: Ich probiere die Schuhe im Fitnessstudio aus, Bauch-Beine-Po-Training. Meine Kursleiterin muss mich für betrunken halten, beim Ausfallschritt wackelt mein ganzer Körper, bei Trippelschritten auf der Stelle falle ich fast um. Die blamable Vorstellung lohnt sich aber, ich habe einen Muskelkater, als wäre die BBP-Stunde eine BBP-Woche gewesen. Demnächst werde ich mir den Nachfolger des Easytone kaufen: Train-tone, speziell fürs Workout. Weniger
Rumeiern, aber angeblich mit genauso gutem Effekt.
Meinen Hintern würde ich zwar immer noch nicht in Großaufnahme im Fernsehen zeigen, aber die Werbung ertrage ich inzwischen ohne Neid und Bindegewebe-Sorgen, relaxt auf dem Sofa liegend. Morgen gehen meine Schuhe und ich ja wieder ins Fitnessstudio.

von Kerstin Weng

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