Buchtipps Der Rabbi und der CEO

Man kann Führungsmethoden lernen (und muss das auch) und ist deshalb noch lange keine gute Führungskraft. Denn was die Besseren von den Guten unterscheidet, ist der Kompass. Einen solchen liefern ein CEO zusammen mit einem Rabbi. "Was Führungskräfte von den zehn Geboten lernen können" heißt das Buch im Untertitel

Buchtipp: der Rabbi und der CEO hoch

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Was ist eigentlich der Kompass, an dem sich Führungskräfte ausrichten (sollten)? Der Unternehmensgewinn? Das persönliche Vorankommen? Das Gemeinwohl? Eine schwierige und zugleich entscheidende Frage. Und eine Frage, auf die es nicht die eine einzige, gültige Antwort gibt. Es geht vielmehr darum, sich überhaupt dieser Frage zu stellen. Darum, sich seiner Möglichkeiten und Grenzen bewusst zu werden. Eine hilfreiche und anregende Auseinandersetzung dazu bieten der CEO Thomas Zweifel und der Rabbi Aaron L. Raskin in ihrem Buch "Der Rabbi und der CEO". Entlang der Zehn Gebote und anhand vieler interessanter Beispiele aus der Business-Welt schärfen sie das Gespür für integres Führungshandeln.

Ein brauchbarer Kompass für Führungskräfte

Führung braucht mehr als Handwerk und Wissenschaft. Führung braucht etwas Drittes. Der große Management-Theoretiker Henry Mintzberg nennt es Kunst. Also etwas, das über bloßes Handwerk und Wissen hinausreicht. Die Autoren des anregenden Buches "Der Rabbi und der CEO" nennen es den "moralischen Kompass". Sie meinen damit eine Einstellung, die es Führungskräften ermöglicht, gerade in schwierigen Situationen quasi automatisch das Richtige zu tun. Um Führungskräften diesen Kompass an die Hand zu geben, greifen sie auf eine der wichtigsten und wirkmächtigsten Navigationshilfen der Geschichte zurück – auf die Zehn Gebote. Sie dienen den Autoren als Grundlage für die Beschreibung wesentlicher Richtlinien für gelungene Führungsarbeit. 

Es steht quasi geschrieben: Du sollst nicht mit einem Firmenwagen protzen

Was aber hat das Gebot, nicht fremdzugehen, im unternehmerischen Kontext zu suchen? Die beiden Autoren nehmen das Gebot als Lehre, sich auf die eigentliche Quelle von Macht zu stützen, nämlich auf die Integrität von Wort und Tat. Und eben nicht auf "Fremdes" wie Titel, Rang, Firmenwagen und noch nicht einmal auf Autorität! Genauso wichtig, was die beiden aus dem Gebot, keine Götzen zu verehren herauslesen – nämlich eine ureigene und authentische "Vision" für das Unternehmen zu entwickeln und zu leben, anstatt irgendwelchen Moden und vermeintlichen Marktvorgaben hinterher zu rennen. Bemerkenswert wird das Buch nicht nur wegen der kreativen Interpretation der Zehn Gebote, sondern weil die Autoren ihre Thesen anhand prominenter Beispiele aus der Business-Welt illustrieren. Toller Nachdenkstoff für alle Führungskräfte.

Die Sonne geht auch ohne Ihre Hilfe unter

Wer die Bibel konsultiert, kommt natürlich nicht um die Erkenntnis herum, nicht alles selbst in der Hand zu haben. Das Kapitel "Die Sonne geht auch ohne Ihre Hilfe unter" ist deshalb eine Mahnung zur Demut und ein Schutz vor Überlastung aus dem Gefühl heraus, für alles verantwortlich zu sein. Oder in den Worten des Rabbiners Yitzchak Ginsburgh: "Depression ist Ego. Wenn ich mein Ego zurücknehme, wenn mir nichts zusteht, dann verschwindet die Sorge." Managementbuch.de – Fazit: ein anregendes Buch für Führungskräfte. Es lädt zur Auseinandersetzung mit den grundlegenden Fragen des Führens ein. Und dadurch beantworten sich dann die vielen Fragen des Führungsalltags fast wie von selbst.

von Wolfgang Hanfstein

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