Paul Johannes Baumgartner Die Macht der weiblichen Stimme

Die Stimme ist ein Spiegelbild unserer Persönlichkeit. Täglich setzen wir sie ein – doch in den meisten Fällen beschäftigen wir uns viel zu wenig mit ihr. Oder gehören etwa Sie zu jenen Menschen, die wissen, wie ihre eigene Stimme klingt bzw. sind Sie mit Ihrer Klangfarbe zufrieden? In den meisten Fällen reagieren wir desillusioniert, wenn wir die eigene Stimme auf Tonband hören

Die Stimme - quer

Dass das schade ist, findet auch Paul Johannes Baumgartner. Bereits als 14-Jähriger faszinierte er sich für Stimmen und hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht: Der Seminarleiter, Vortragsredner und Radiomoderator ist auch Stimmtrainer und bietet u.a. "Die Macht der weiblichen Stimme an". Im Interview gibt er sich genauso lebhaft wie hinter dem Antenne Bayern Mikrofon:

Gibt es so etwas wie eine perfekte Stimme?

Nein, DIE perfekte Stimme gibt es nicht. Aber es gibt angenehme Stimmen. Dabei muss man allerdings beachten, dass Stimmen immer individuell beurteilt werden, d.h. eine Stimme, der Sie gerne zuhören, kann der Mann am Nachbartisch als störend empfinden .

Aber es gibt Stimmen, die vorwiegend positiv auffallen. Was verbindet diese Stimmen?

Das sind vor allem tiefe, ruhige Stimmen, da sie beruhigend wirken und Souveränität ausstrahlen. Allerdings ist es wichtig, dass man neben der Basisstimme, quasi der "Grundtonlage der Stimme", auch die höheren und tieferen Stimmebenen beachtet bzw. gezielt einsetzt. Die höheren Stimmlagen sind Sympathie stiftend, die tieferen erzeugen den Eindruck von Souveränität und Kompetenz und erzeugen somit Vertrauen. Ein guter Redner ist demnach einer, der alle Stimmbereiche ausschöpft. Bei Frauen werden besonders die mittleren Tonlagen als angenehm empfunden.

Weshalb ist die weibliche Stimme höher als die männliche?

Ursache dieser Unterschiede ist die unterschiedliche Größe des Kehlkopfes und damit die Länge der Stimmlippen. Ein kleinerer Kehlkopf bedeutet eine höhere Stimme, ebenso wie kürzere Stimmbänder.

Weshalb wirken weibliche Stimmen anders als männliche – was ist also die "Macht" der weiblichen Stimme?

Das sind verschiedene Faktoren, so z.B. das "unsichtbare Oder": Beim Präsentieren gehen Frauen gerne mit der Stimme nach oben – obwohl sie gerade ein Statement formuliert haben. Ich versuche daher meinen Seminarteilnehmerinnen neben dem Vertrauen in die eigene Autorität das "auf den Punkt Sprechen" nahezubringen. Männer wirken bei einem Vortrag oftmals auch deshalb viel souveräner, weil sie mit einem ganz anderen Selbstvertrauen präsentieren.

Warum wird eine Stimme in Stresssituationen überhaupt höher?

Die alltägliche Nervosität führt zu Anspannung, lässt auch die Stimmbänder stramm werden und resultiert in einer höheren Stimme.

Gibt es einen Grund, weshalb Frauen oftmals unsicherer wirken als Männer?

Eine Psychologin, die ich zu diesem Thema befragt habe, stellte die These auf, dass ein selbstbewusstes Auftreten einer guten Erziehung von Mädchen widerspricht. So lernen Frauen bereits im Kindesalter, dass vornehme Damen leise sind, dass sie sich zurückzunehmen haben, dass sie die Brust nicht nach vorne strecken sollen, dass alles, was sie sagen, höflich zu sein hat usw. Von Jungs hingegen wird regelrecht erwartet, dass sie laut sind, dass sie sich mit einem geraden Rücken präsentieren ... Das heißt: Männer lernen von Kindesbeinen neben einer anderen Köpersprache auch, ihre Stimme auf eine andere Art und Weise einzusetzen.

Stimme und Körpersprache hängen also zusammen?

Unbedingt! Die Körpersprache ist der Turbo der Stimme! Wenn Sie begeistert von einem Thema sind, hört man das ihrer Stimme sofort an - ebenso allerdings auch, wenn Sie nicht überzeugt sind von dem, was sie sagen. Forscher haben auch festgestellt, dass bei Präsentationen 55 Prozent der Wirkung durch Ihre Körpersprache bestimmt wird, d.h. Körperhaltung, Gestik und Augenkontakt. 38 Prozent des Effekts erzielen Sie durch Ihre Stimmlage und nur 7 Prozent durch den Inhalt Ihres Vortrags. Aufgrund dieser enormen und von Laien häufig unterschätzten Bedeutung von Körpersprache und Stimmqualität werden Bühnendarsteller so intensiv in Stimmmodulation und Körpersprache trainiert. Schauspieler wirken nicht wirklich mit Worten, sondern primär durch nonverbale Elemente.

Nun sind wir ja meist keine ausgebildeten Schauspieler, gibt es denn ein paar Tipps, wie wir uns bei einem Vortrag richtig präsentieren?

Meine erste Regel: Verstecken Sie sich nicht hinter dem Rednerpult, denn damit gehen zwei Drittel Ihrer Körpersprache verloren. Suchen Sie sich gleich zu Anfang auf der Bühne ihre "Garage", Ihren Standpunkt, von dem aus sie immer mal wieder ein paar Schritte nach links oder rechts machen können. Aber gehen Sie niemals ohne Ziel! Und denken Sie stets daran: so wie Sie sich fühlen, geben Sie sich auch. Geübte Redner inszenieren ihre Stimme positiv, indem sie neben ihrer Körpersprache auch ihre Stimme gezielt einsetzen, d.h. darauf achten, dass auch die hohen und tiefen Stimmlagen benutzt werden.

Ist es möglich, dass man seine Stimme etwas tiefer klingen lassen kann?

Erstmal die Frage: Wer sagt denn, dass die Stimme zu hoch ist? Und: Hat er/sie recht? Die zweite Frage ist: Ist die Stimme gesund? Oder sind eventuell die Stimmbänder verkürzt bzw. ist der Stimmverschluss angegriffen? Diese Fragen kann nur ein HNO-Arzt beantworten. Generell ist es jedoch schon so, dass man bei dem Gros der Stimmen durch gezieltes Training, die richtige Atmung und der richtige Haltung die Stimme um circa drei Töne nach unten ausrichten kann.

Wie kann man denn nun eine Stimme tiefere bekommen?

Bonnie Tyler hat mal gesagt: 1 Päckchen Zigaretten und 1 Flasche Whisky (lacht). Nein im Ernst: die besten Erfolge erzielt man durch die richtige Atemtechnik! Und durch die eben bereits erwähnte Körpersprache – je entspannter man ist, desto tiefer klingt die Stimme. Man spricht mit dem ganzen Körper und nicht nur mit den Stimmbändern. Zudem bringe ich meinen Seminarteilnehmern ein Stimmtraining bei, das lediglich 3 Minuten in Anspruch nimmt. Allerdings gilt auch hier – wie bei jeder Trainingsform: man muss beständig am Ball bleiben.

von Sabine Gaymann

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