Volkswirtschaft einfach erklärt Naked Economics. Entdecken Sie Ihre Liebe zur Ökonomie

Wer jemals wissen wollte, wie Märkte und Marketingmechanismen unser Denken und Handeln beeinflussen, warum eine Verkettung von Fehlurteilen unweigerlich die Finanzkrise hervorrufen musste und welche Einflussmöglichkeiten der Politik bleiben, wird die Antworten in diesem Buch finden. Selten war Volkswirtschaft so lebendig, so alltagsnah und greifbar.

Naked Economics - hoch

Wirtschaftswissenschaft so spannend wie das Leben selbst 

"Wirtschaftsmeldungen sind kompliziert, ermüdend und gehen mich nichts an." Dieses Vorurteil hat für die Mehrheit der Nicht-Ökonomen Bestand, da es doch scheinbar täglich durch langatmige Beiträge zu Staatspleiten, Euro-Krise und Haushaltsdebatten genährt wird. Mit "Naked Economics" beweist Autor Charles Wheelan das Gegenteil: Volkswirtschaftliche Zusammenhänge sind spannend, einleuchtend und gehen uns alle etwas an – wenn man sie denn ansprechend erläutert. Und genau dies gelingt dem Autor auf spielerische, teils humorvolle, immer aber sehr anschauliche Art, ohne sich jemals der Gefahr von Plattitüden oder Banalisierungen auszusetzen.

Das beste Lehrbuch, das keines sein will

"Naked Economics" will kein Lehrbuch für Volkswirtschaftsstudenten sein, obwohl es dafür sicher auch taugen würde. Wheelan erklärt die Gesetzmäßigkeiten des Marktes, des Wettbewerbs und die Beziehung von Kosten und Nutzen ohne Zuhilfenahme von Diagrammen, mathematischen Gleichungen oder zeilenfüllenden Definitionen. Stattdessen setzt er auf messerscharfe Alltagsbeobachtungen und Geschichten aus seinem persönlichen Umfeld, um die Grundprinzipien ökonomischen Handelns zu beschreiben. Das gelingt ihm mit derart leichter Feder, dass der Leser schnell vergisst, dass es sich bei "Naked Economics" eigentlich umein Sachbuch handelt.

Lustvolle Begegnungen mit Märkten und Moneten

Klassische Fehlannahmen und Stammtischargumente wie "Globalisierung kostet Arbeitsplätze" entzaubert er eindringlich und mit überzeugenden Belegen. Zu keiner Zeit aber argumentiert Wheelan mit dem erhobenen Zeigefinger: Der Leser wähnt sich mehr im Gespräch mit einem guten Freund als auf der Holzbank eines anonymen Uni-Hörsaals. Das macht den Charme des Buches aus und erhöht den Spaß beim Lesen. Wheelan findet Worte, die jeder versteht, der sich auf den lustvollen Diskurs um Geld, Tauschgeschäfte, Gewinne und Verluste einlässt.

Überraschungen gegen eingefahrene Denkmuster

Überraschungsmomente sind ein Stilmittel, das Wheelan sicher beherrscht. Wenn er beispielsweise zunächst die Luftverschmutzung von Mexiko City bedauert und dann unverhofft in das Thema "schädlicher Eingriffe des Staates in die freie Marktwirtschaft" überleitet, mag das zunächst irritieren. Aber auf diese Weise wendet er den Blick auf bislang verborgene Muster im Zusammenwirken zwischen Mensch, Umwelt und Politik. Konkret: Die Maßnahme der mexikanischen Regierung, ein eintägiges Fahrverbot pro Woche und Fahrzeug einzuführen, erwies sich kurzfristig alswirtschaftlicher Impuls, aber als ökologisches Desaster. Denn der Schadstoffanteil in der Luft wurde nicht vermindert, sondern erhöht, weil viele Mexikaner nicht auf Autofahrten verzichteten, sondern auf einen Zweitwagen setzten, um die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Darunter natürlich alte Modelle mit enormer Schadstoffemission. 

Querlesen erlaubt

Natürlich kann (und sollte) man dieses Buch chronologisch lesen – gerade weil zu Beginn der ersten beiden Kapitel zentrale Thesen und Begriffe eingeführt werden. Spaß und Verständnis leiden jedoch auch nicht, wenn man beispielsweise mit der Abhandlung (und Abrechnung) der Finanzmärkte einsteigt. Jederzeit gelingt es Wheelan, den Leser auf’s Neue "einzufangen" und für die offensichtlichen und verborgenen Zusammenhänge ökonomischen Handelns zu sensibilisieren.

Abstrakte Zusammenhänge konkret vermittelt

Keine Frage, mit Naked Economics ist dem Autor eine originelle, spannende, zeitweilig provozierende, vor allem aber aufschlussreiche Einführung in die Wirtschaftswissenschaft gelungen. Auch wenn der Leser nicht mit allen Aussagen übereinstimmen mag, denn Wheelan gewährt bei allen Literaturverweisen undstichhaltigen Argumenten auch tiefe Einblicke in seine persönliche Sichtweise, nach der Lektüre des Buches ist er einfach klüger.

von Oliver Ibelshäuser

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