Erfahrungsbericht Callboy: bei Anruf Sex

Frage: Was passiert, wenn sich eine Frau einen Callboy mietet? Eine wahre Geschichte über Lust. Und Liebe

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Bei Anruf Sex: Was passiert, wenn sich eine Frau einen Callboy mietet?

Acht Jahre keinen Sex mehr, davor eine zehnjährige Beziehung. Man könnte sagen: Ich war ein bisschen aus der Übung. Kein schöner Zustand, fand ich, und dass ich das dringend ändern müsste. Nur wie? Ich hatte keine Lust auf eine neue Beziehung, ich hatte Lust auf Sex. Allerdings tat ich mich schwer bei der Vorstellung, einem Mann sagen zu müssen, dass es mir nur darum ginge. Aber das Wichtigste: Ich wollte guten Sex, nicht irgendeinen Kerl, der auf mir herumrödelt. Irgendwann kam ich auf die Idee, es mit einem Callboy zu versuchen. Tun, was Männer seit Jahrtausenden tun: Sex kaufen. Und genau sagen, was der Typ mit meinem Körper anstellen soll und was nicht. Keine Weibchenspiele, kein eingezogener Bauch, keine Simulation von Ekstase. Aber würde ich mich trauen? Und was, wenn ich ihn nicht mögen würde? Ich könnte zwar jederzeit abbrechen, aber dann wären rund 500 Euro inklusive Hotelzimmer ein teures Nicht-Vergnügen.

Erst mal das Angebot sondieren – im Internet. Bei einer Agentur blieb ich hängen, es gab nur eine Handvoll Männer. Joes* Foto stach heraus: lässiger Dreitagebart, Brusthaare. Beim Einschlafen hatte ich sein Bild immer noch im Kopf. Erst ein paar Tage später hatte ich den Mut, die Agentur anzurufen und zu fragen. Eine Frau erklärte, ich könnte telefonisch oder per Mail buchen und den Treffpunkt selbst bestimmen. Ich erzählte, dass es mein erstes Mal sei und ich noch nicht sicher wäre, ob ich das alles wirklich wolle. Kein Problem, sagte sie, ich könne auch erst mal mit einem Essens-Date für 150 Euro anfangen.

Trotzdem wollte ich noch mal drüber schlafen. Würde der Typ denken, die Tussi kriegt wohl keinen ab? Hat er es sonst nur mit frustrierten Frauen zu tun, deren Männer ständig auf Geschäftsreise sind? Würde ich ihm gefallen? Gleichzeitig ärgerte ich mich über mich selbst: Wieso zerbrach ich mir darüber den Kopf? Männer haben da auch keine Bedenken. Kurzentschlossen vereinbarte ich ein Date für den nächsten Samstagabend in einem gemütlichen Hamburger Restaurant.

Das Blind Date

"Ich weiß genau, was eine Frau mag"

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"Höflich küsste er mich auf die Wangen, er roch nach "Kouros", einem Duft von Yves Saint Laurent."

Am Samstag raste mein Herz. Mantraartig wiederholte ich: Es ist nur ein Essen. Nur ein Essen. Er wartete schon vor dem Restaurant, ich erkannte ihn sofort. Er wusste nicht, wie ich aussehe, sah aber erwartungsvoll in meine Richtung. Mir knickten fast die Beine weg. Dann lächelte er mich an. Er gefiel mir, und sofort kam mir der absurde Gedanke, dass ich nicht gut genug für ihn aussehe. Verdammt, ich bezahle für diesen Mann! Warum müssen Frauen sich immer so klein machen? Höflich küsste er mich auf die Wangen, er roch nach "Kouros", einem Duft von Yves Saint Laurent. Am Tisch fragte er mich, wie ich den Tag bisher verbracht hatte, und machte mir Komplimente über meine Haare. Gehört zu seinem Job, dachte ich; trotzdem freute es mich. Irgendwann redeten wir über Sex. "Ich weiß genau, was eine Frau mag", sagte er. "Ich liebe es, Frauen zu lecken, ihre Brüste zu massieren und im richtigen Moment mal im Nacken zuzupacken." Ich hörte nur zu, aber was er da erzählte über dieses Spiel von Zärtlichkeit und Härte, löste irgendetwas in mir aus.

Der Abend ging langsam zu Ende. Vor lauter Aufregung hatte ich vergessen, ihm den Briefumschlag mit seinem Honorar zu geben. "Einfach überreichen", sagte er lachend, "fällt gar nicht auf." Und dass er sich freuen würde, wenn ich ihn über die Agentur kontaktieren würde. Glücklich fuhr ich heim – ich fühlte mich so unglaublich verwegen.

Eine Woche später verabredete ich mich erneut. Die Agenturdame erzählte mir, dass sie mit Joe bisher nur gute Erfahrungen gemacht hätten. Wie ernüchternd. Ich war eben nur eine von vielen Kundinnen. Aber ich wollte ihn unbedingt wiedersehen. Das Hotel, das ich ausgesucht hatte, war in einer Hamburger Stadthausvilla an der Außenalster untergebracht: englischer Stil, antike Möbel, Blumentapeten. Nachdem ich eingecheckt hatte, gab ich der Agentur die Zimmernummer durch. Noch zwei Stunden! Sollte ich den BH weglassen? Ständig schaute ich in den Spiegel, nach jedem Mal auf der Toilette wusch ich mich, wir hatten schließlich über Oralsex geredet. Herrgott noch mal. Würde ich mich überhaupt fallen lassen können?

Happy End?

"Hier passiert nur, wonach du dich sehnst"

Es klopfte. Wieder nahm mich sein Lächeln sofort für ihn ein. Wir redeten fast eine Stunde über alles Mögliche und tranken Wein, der mir langsam zu Kopf stieg. Die Zeit verrann, aber ich traute mich nicht, etwas einzufordern. Da rückte er plötzlich näher. Ich schluckte. Vorsichtig nahm er mein Gesicht in die Hände und küsste mich sanft, behutsam kam seine Zunge ins Spiel. Seine Hände streichelten meinen Hals, umkreisten meine Brüste. Wann fasst er sie endlich an? Er griff in mein Haar. Da kippte ein Schalter in mir um: Ich wollte ihn, unbedingt. Er zog mich aus, hob mich auf das Sideboard im Zimmer, küsste meine Brüste, spreizte meine Beine. Er kniete sich vor mich, tastete sich mit seiner Zunge zu meiner Klitoris. Müsste ich ihm etwa auch einen blasen? Dass ich mich das ernsthaft fragte, kommt mir heute lächerlich vor.

Er zog sich aus und legte mich einfach nur aufs Bett. Anscheinend hatte er meine Unsicherheit bemerkt: "Magst du mir sagen, was du willst, oder soll ich es herausfinden?" Obwohl ich mir vorgenommen hatte, alles bestimmen zu wollen, war ich erleichtert, passiv bleiben zu können. "Hier passiert nur, wonach du dich sehnst", sagte er, "aber ich will gern mit dir schlafen. Und zwar als Tom*" – nicht als Joe, wie er sich in der Agentur nannte. Es war sehr zärtlich.

Ich kam nicht zum Höhepunkt, er hielt seinen für mich zurück. Dass er sich so im Griff hatte, imponierte mir. Er schlug vor, den Abend abzubrechen, gab mir aber seine Telefonnummer. Obwohl er das nicht dürfe, wolle er mich wiedersehen. Wir konnten uns kaum voneinander trennen. Ich war aufgewühlt, aber was wollte er? War das ein Callboy-Trick oder hatte er ernsthaftes Interesse?

Beim nächsten Mal trafen wir uns im Restaurant vom ersten Abend, hinterher hatten wir Sex in meinem Auto. Und so ging es weiter: Wir sahen uns, wir schliefen miteinander. Ohne Geld. Dann passierte das Unglaubliche: Wir verliebten uns. Nach drei Wochen gab er seinen Job für mich auf. Trotzdem traute ich der Sache zunächst nicht – bis er mir sagte, dass es ihm von Anfang an ernst mit mir gewesen sei. Den Callboy-Job hätte er sowieso nur kurz und aus Spaß gemacht.

Wir sind jetzt seit zwei Jahren zusammen,Tom arbeitet inzwischen in der Werbebranche. Wenn jemand fragt, woher wir uns kennen, sagen wir einfach: "Aus dem Internet." Ist ja nicht gelogen.
(*Alle Namen wurden geändert)

von Protokoll: Frauke Poganatz

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