Partnerschaft Macht Erfolg einsam?

Wenn Frauen beruflich auf der großen Bühne stehen, geht nicht selten die Beziehung in die Brüche. Sind Männer neidisch? Oder die Chefinnen auch zu Hause der Boss?

Erinnern wir uns: Sechs Jahre ist es her, da schrieb eine Hausfrau aus dem oberpfälzischen Nittendorf bei Regensburg einen Bestseller. Und was für einen. "Tannöd" stand monatelang auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Der nahezu unbekannte Hamburger Verlag Edition Nautilus wurde ein big name und die Autorin eine gefragte Frau. Bis dahin hatte die Mutter dreier Kinder ihrem Mann in dessen Hals-Nasen-Ohren-Arztpraxis geholfen. Sie machte Abrechnungen für ihn – doch irgendwann, da war sie Anfang 40, machte sie noch etwas anderes: Wenn die Familie im Bett lag, schrieb sie. Es lief erstaunlich gut. Über eine Million Bücher wurden verkauft.

Und Andrea Maria Schenkel?

Schrieb weiter, ein Jahr später stand "Kalteis" auf den Bestsellerlisten. Auf die Frage einer Journalistin, wie denn der Ehemann mit der Macherin an seiner Seite umgehe, antwortete sie damals: "Er ist stolz auf mich und muss jetzt im Haushalt und bei der Erziehung der Kinder stärker anpacken. Aber ich glaube, das gefällt ihm." Hat es anscheinend nicht. Oder zumindest nicht dauerhaft. Im März dieses Jahres titelten die Zeitungen: "Ehe am Erfolg zerbrochen." Nichts sei mehr gewesen wie vorher, gestand die Autorin, die zwei Jahre lang auf Lesereise war, Interviews und Autogramme und ihr Äußerstes gab. Jahre, die Kraft gekostet hätten. Und ihre Ehe. Andrea Maria Schenkel befindet sich in bester Gesellschaft. Wenn erfolgreiche Frauen zu erfolgreich werden, haben sie neben Geld und Ruhm meist noch etwas – nämlich keinen Mann mehr.

Geht der Prominenz in Hollywood nicht anders: Auf dem roten Teppich flötete Sandra Bullocks Gatte Jesse James vor gut zwei Jahren noch, es sei eine großartige Chance für ihn, seine Frau und ihre Arbeit zu unterstützen, und niemand habe den Oscar mehr verdient als sie. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sie kurz darauf zu betrügen, öffentlich zu demütigen und ihr mit dem von ihm eingeleiteten Ehe-GAU mal eben den Erfolg zu versalzen.

Klingt irgendwie gestrig. Nach Rollenbildern, die es eigentlich gar nicht mehr geben sollte. Soziologen bestätigen allerdings, dass auch moderne Männer Frauen suchen, die maximal auf Augenhöhe, ihnen im Idealfall aber etwas unterlegen sind. Vor allem wenn sie in derselben Branche arbeiten wie einst Ryan Phillippe und Reese Witherspoon oder Kate Winslet und Sam Mendes. Die Männer gingen, als der Oscar ihrer Frau Herr im Haus wurde.

Natürlich gibt es Gegenbeispiele. Joachim Sauer, der Mann von Bundeskanzlerin Angela Merkel, hat sein Eigenleben als Chemie-Professor und tritt trotzdem allein unter Frauen beim Damenprogramm an. Maggie Thatcher war 50 Jahre lang mit einem Mann verheiratet, der nie müde wurde zu schwärmen: "Sie ist der Boss, ich bin ihr größter Fan."

  1. 1Macht Erfolg einsam?
  2. 2Fortbildung in Sachen Partnerschaft
  3. 3Konkurrenzdruck der Liebe

von Karina Lübke und Annette Hohberg

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