Sex-Expertin Diese Frau weiß alles über Sex

Ihre Bücher heißen "Vögelfrei" und "Fuck Your Friends", und sie sind Bestseller. Wir trafen Sophie Andresky, die alles beim Namen nennt (nur ihren richtigen Namen nicht)

Diese Frau weiß alles über Sex - quer

"Meine Geschichten sind intensiver, wenn man nicht weiß, wie ich aussehe." Und die Frau auf diesem Foto? Ist jedenfalls nicht Sophie Andresky.
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Es ist ein bisschen kompliziert, sich mit Sophie Andresky zu verabreden. Ihre Telefonnummer gibt sie nicht raus, ihren echten Namen erst recht nicht. Liest  man ihre Bücher, ahnt man, warum sie unter Pseudonym schreibt. Laut FAZ ist sie die "wohl erfolgreichste Pornoautorin Deutschlands". Was man weiß: Sie  ist 38 und lebt (natürlich) in Berlin. Treffpunkt ist ein Café in Kreuzberg. Erkennungszeichen: ein Buch auf dem Tisch. Und dann sitzt sie da, ganz in  Schwarz, das Gesicht blass, edel, als käme sie aus einer anderen Zeit. Und, nein, ihre Beine sind nicht so lang wie die der Frau auf dem Cover ihres Bestsellers "Vögelfrei", aber ihre Augen leuchten verschmitzt, und man hat sofort Lust, diese Frau alles, alles zu fragen, also:

Wie viel Sex muss man haben, um gut darüber schreiben zu können?

Ich glaube nicht, dass da ein Zusammenhang besteht. Mein Talent ist es, Geschichten zu erzählen – und nicht durch die Gegend zu ficken, aber ich bin Verbalerotikerin, das hilft.

Wann haben Sie das bemerkt?

Als ich mit 15 ein Buch für den Familienurlaub suchte. Ich habe im Supermarkt einen dieser Billigromane aus dem Wühltisch gefischt, eine Art Zuhälterbeichte eines Typen, der Ehefrauen reihenweise flachlegt, ziemlich grenzwertig und unglaublich vulgär, aber ich fand es wahnsinnig aufregend.

Was genau fanden Sie aufregend daran?

Die derben Ausdrücke, die schmutzigen Wörter. Ich bin ziemlich streng erzogen worden, aber dieses Buch ließ mir keine Wahl. Ich musste einfach  masturbieren.

Wie ging es weiter?

Erst habe ich heimlich die erotischen Kurzgeschichten aus dem Regal meines Vaters gelesen, dann die Klassiker, Marquis de Sade, Charles Bukowski, Henry Miller. Irgendwann stellte ich fest: Die Sachen sind stereotyp.

Das sprachliche Arsenal, um über Sex zu schreiben, ist nun mal endlich.

Haben Sie eine Ahnung … Bei mir im Regal steht der "Obszöne Wortschatz der Deutschen" von Ernst Bornemann, da sind Wörter drin, das glauben Sie nicht, aber das meine ich gar nicht. Das Frauenbild wiederholt sich, das ist das Problem. Die Romane sind fast alle aus Männersicht geschrieben. Und wenn mal eine Frau im Mittelpunkt steht, ist es so ein Menstruations-oder Selbstfindungsquatsch. Irgendwann hab ich mich gefragt: Wie müsste es sein,  damit es mir gefällt?

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Leicht, klug, humorvoll, aber ohne dass an den entscheidenden Stellen abgeblendet wird, es muss schon harte Pornografie bleiben. Machen wir uns  nichts vor, meine Bücher sind Masturbationsvorlagen. Die Vorstellung, dass eine fröhliche Frau damit in der Wanne masturbiert, ist mir tausendmal  lieber, als wenn meine Romane in Germanistik-Seminaren besprochen werden, obwohl das auch schon passiert ist. Meine Frauen sind selbstbestimmt, werden sachgerecht stimuliert und kommen stets zum Orgasmus. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Frauen in Pornofilmen fast nie zum Orgasmus kommen?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht.

Typisch Mann. Die Antwort ist einfach und traurig. Es steht immer der Mann im Mittelpunkt. Er soll abspritzen. Wie es der Frau geht, ist egal. Mich langweilen diese professionellen Pornofilmchen.

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  2. 2Ein guter Porno braucht eine gewisse Klebrigkeit

von Tobias Haberl

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