Sex-Expertin Ein guter Porno braucht eine gewisse Klebrigkeit

Das Interview mit Erotik-Autorin Sophie Andresky

Diese Frau weiß alles über Sex - quer

Allein Sophie Andreskys Roman "Vögelfrei" verkaufte sich 200 000 mal. Auf (fast) jeder Seite geht’s in ihren Büchern zur Sache – jedermanns Sache ist das nicht …

Was nervt Sie an herkömmlichen Pornos?

Die getunten Körper, die aufgespritzten Lippen, die meterlangen Fingernägel. Da geht’s doch nicht mehr um Sex. Da wird an Stellen gerubbelt, wo die  Klitoris definitiv nicht ist. Außerdem stöhnen Frauen in Wirklichkeit nicht von der ersten bis zur letzten Minute.

Aber die pseudoästhetischen Pornos für Frauen braucht auch kein Mensch, oder?

Stimmt schon. Eine gewisse Klebrigkeit gehört dazu. Aber wenn überästhetische Pornos langweilig und Clips aus dem Internet schmierig und  frauenverachtend sind, ist es doch keine Lösung, überhaupt keine Pornografie zu machen. Da muss man eben bessere machen.

Deshalb Ihr erstes Buch?

Ja, nach dem Abi habe ich Kunstgeschichte studiert und journalistisch gearbeitet, Radio, Werbeagentur, Lokalzeitung. Nebenbei schrieb ich erotische Geschichten. Als ich genug zusammenhatte, schickte ich sie an einen Verlag. Eine Woche später hatte ich meinen Vertrag in der Hand, 5000 Mark Vorschuss.

Sie schreiben seit Jahren auch Geschichten und Kolumnen für Magazine.

Ja, angefangen hat es mit der "Neuen Revue", eine erotische Kurzgeschichte pro Woche. Da gab es eine Liste mit Wörtern, die nicht vorkommen durften.

Welche Ausdrücke waren verboten?

Schwanz zum Beispiel, überhaupt Namen für das männliche Genital. Und natürlich das übliche, Fotze, ficken, alles tabu.

Sind die Chefredakteure heute liberaler?

Überhaupt nicht. Meist muss ich meine Geschichten entschärfen. Was mich irritiert, ist die Doppelmoral, dass die Zensur fast immer mit der Wortwahl und nie mit dem Inhalt legitimiert wird. Ich finde eine Geschichte, in der sich eine Sekretärin vor ihrem Chef erniedrigt, gefährlicher als eine, in der gut  gelaunte Menschen auf Augenhöhe ständig "ficken" sagen.

Das Wort Titten kommt in keinem Ihrer Bücher vor. Warum nicht?

Ich finde es abwertend.

Ist Fotze nicht abwertend?

Für mich nicht. Fotze ist irgendwie kraftvoll, damit ist nicht zu spaßen, das ist kein süßes, kleines Muschitierchen, sondern eine Kraft, mit der man rechnen muss.

In einem Ihrer Romane heißt es "Sex ist das Demokratischste auf der Welt".

Sex ist kein Lifestyle, sondern ein Grundrecht. Jeder darf und soll Sex haben, ob alt, dick, behindert oder hässlich.

Haben Sie einen Freund?

Ja, ich war die klassische Spätentwicklerin. Begonnen habe ich mit Frauen, Anfang 20 kamen Männer dazu. Heute habe ich seit 17 Jahren denselben Freund. Manchmal probieren wir die Sexszenen aus meinen Büchern aus. Ich will ja wissen, ob die Fantasie wirklich trägt.

Wie bleibt eine Beziehung spannend?

Ich glaube, dass sich der Sex abschleift, nicht weil man es zu oft getan hat, sondern weil man Dinge lässt, die man am Anfang gemacht hat.

Zum Beispiel?

Sich tief in die Augen schauen, Händchen halten, den Körper genau betrachten, besondere Stellen intensiv berühren. Natürlich kann man auch einen  Swingerclub ausprobieren, aber man sollte sich bewusst sein, dass irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht ist, daher plädiere ich für kleine Veränderungen. Die Seiten im Bett wechseln und mal die andere Hand nehmen kann schon reichen.

Sie sind eine tolle Frau. Eigentlich müssten Sie gar nicht unter Pseudonym schreiben.

Ich habe aber kein Bedürfnis nach Scheinwerfern und ich möchte auch nicht in Talkshows sitzen. Mein Thema ist nun mal ein spezielles, da kann man  nicht so tun, als wäre es das nicht. Ich will meine Fantasien für mich behalten und meinen Lesern die Projektionsfläche lassen. Meine Geschichten sind doch viel intensiver, wenn man nicht weiß, wie ich aussehe.

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von Tobias Haberl

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