Sex im Urlaub Weiblicher Sextourismus

Haben Frauen nun den Sextourismus entdeckt, für den wir Männer immer verurteilt haben? Fest steht: Frauen reisen heute auch der Liebe wegen

Frau quer

Verlässliche Zahlen gibt’s kaum. Manche Experten schätzen den Frauenanteil bei einschlägigen afrikanischen Zielen auf 20 Prozent, Branchen-Watchdogs wie Solwodi e. V., die unter anderem gegen Kinderprostitution kämpfen, sind vorsichtiger: Weiblicher Sextourismus sei "etwas mehr geworden, aber doch wesentlich seltener als bei Männern". Es gibt keine spezielle "Industrie" mit Straßenbordellen, Table-Dance und Striptease-Clubs für Frauen. Was es aber gibt: Sugar Mommies, die sich mit jugendlichen Beach Boys in Kenia oder Gambia vergnügen, oder deutsche Bankerinnen und Boutique-Besitzerinnen mit Lovern auf den Bermudas. Mal scheint die Geschichte nach dem Prinzip "Besser der als keiner" zu funktionieren, mal in selbstbewusster Madonna-Manier "I get what I want". Und manche Urlaubsliebe endet auch als Horrorstory, in der die Frau nach Strich und Faden ausgenommen wird.

Auf Bali dominiert die coole Nummer. Eher Hippie-Meile als Witwenfalle ist Kuta Beach. Kerstin Probst, 28, Versicherungsfachfrau aus Köln, war schon dreimal da. "Hier herrscht Feierlaune auf lässige Art. Kein Ballermann-, sondern eher Flohmarkt-Feeling." Und die balinesischen Jungs … Surfertypen, braune Haut, blond gebleichte Haare, gute Zähne und gute Manieren, locken Japanerinnen wie Schwedinnen an, 25- bis 55-jährige attraktive Frauen, darunter keine, zu der das Attribut "Die kriegt ja sonst keinen ab" passen würde. Die Bali-Boys erklärten in einem Dokumentarfilm ("Cowboys in Paradise") erstaunlich offen ihre Spielregeln: kein Geld für Sex, aber einladen lasse man sich schon gern von den Frauen, die ja mit Sehnsucht und Devisen anreisten.

In den Top Ten der Liebesdestinationen steht die indonesische Urlaubsinsel ganz oben. Auf den weiteren Plätzen: Gambia, Kenia, Senegal, die Karibik mit Jamaika, Kuba, der Dominikanischen Republik und den Bermudas, Tunesien, Marokko, zunehmend die Türkei, aber auch Außenseiter wie Beirut und Newcomer wie Kambodscha. Neu ist der Trend zum Urlaubslover nicht. Die "kleinen Italiener" lockten schon in den 50ern deutsche Hausfrauen über den Brenner, Kanadierinnen entdeckten in den 60ern die Karibik. 1996 schrieb Terry McMillan den Bestseller "How Stella Got Her Groove Back" über eine schwarze Kalifornierin, die sich auf Jamaika einen jungen Mann angelt. 

  1. 1Reiseziel: Sex
  2. 2Weiblicher Sextourismus
  3. 3Die Houellebecq Gleichung
  4. 4Vorsicht vor dem Schiffbruch

von Andrea Tapper

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